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Das Foto vom Tattag dokumentiert Ana P.’s schwere Verletzungen.

„Das war ein furchtbarer Alptraum“

Ein U-Bahn-Rowdy hat mich so zugerichtet

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München - Ihre Augen sind blutunterlaufen, die Nase gebrochen, der Hinterkopf aufgeplatzt – und das ganze Gesicht geschwollen. So sah Ana P. (33) nach einem brutalen Übergriff im Februar aus.

Noch heute ist sie entsetzt, wenn sie sich auf dem Foto sieht, das noch in derselben Nacht im Krankenhaus aufgenommen wurde. „Ich erkenne mich kaum wieder“, sagt sie. „Das war ein furchtbarer Alptraum.“

Ana P. heute.

Am 21. Februar wollte die Servicekraft nach der Arbeit eigentlich nur noch kurz Getränke kaufen. In der Untersbergstraße nimmt sie gegen 22.30 Uhr die Rolltreppe hinunter zum U-Bahnsteig. „Plötzlich kam mir ein Mann von unten entgegen“, schilderte sie am Dienstag vor dem Landgericht. Entgegen der Fahrtrichtung rannte Ahmet S. (22) auf Ana P. zu „Er wirkte sehr aggressiv und redete wirr auf mich ein. Dann schlug er gleich zu – ohne jeden Grund“, sagt sie. Schockiert versuchte Ana P. den Fremden zu beruhigen, aber er traktierte sie weiter mit seinen Fäusten. „Plötzlich griff er mir in die Haare und schlug meinen Kopf mit voller Wucht auf die Seitenwand der Rolltreppe. Als wir unten ankamen, lag ich eingeklemmt am Boden und hatte furchtbare Angst.“ Ahmet S. aber kannte keine Gnade: Er trat weiter auf die verletzte Frau ein. „Ich rollte mich zusammen, um mich zu schützen. Mein Kopf aber lag direkt auf der Rolltreppe auf“, sagt sie. „Ich wurde mindestens 50 Mal getroffen.“

U-Bahnhof Untersbergstraße.

Minutenlang musste Ana P. das Martyrium über sich ergehen lassen, bis endlich Hilfe kam. Zufällig sah Dominik P. (33) die brutale Attacke. „Es war ein schrecklicher Anblick. Sie lag am Boden in ihrer eigenen Blutlache und zitterte“, sagte er als Zeuge aus. „Ich ging gleich auf den Typen zu und zog ihn von ihr herunter.“ Seine Kampfsport-Ausbildung nutzte dem Retter in diesem brenzligen Moment: Er fixierte Ahmet S. im Haltegriff, bis die Polizei eintraf und den Täter festnahm. Nun steht er  wegen Körperverletzung vor Gericht.

„Mein Mandant leidet an einer paranoiden Schizophrenie“, erklärte Verteidiger Adam Ahmed. Laut Anklage ist Ahmet S. aufgrund dieser Erkrankung schuldunfähig. Er selbst gestand, dass er vor der Tat einen Joint geraucht hatte. „Danach bekam ich Verfolgungswahn und wurde sehr wütend.“ Deshalb habe er auf Ana P. eingeschlagen – erinnern könne er sich aber nicht.

Auch vier weitere Frauen sagten gegen Ahmet S. aus. Sie soll er ebenfalls am U-Bahnhof Untersbergstraße angegriffen haben. „Er hatte einen ganz irren Blick und war gar nicht richtig ansprechbar“, schildert eine Zeugin. „Ich werde nie vergessen, mit wie viel Gewalt er zugeschlagen hat.“

Das Opfer wurde damals von Dominik P. (33, unten) am U-Bahnhof Untersbergstraße gerettet. 

Ana P. hat sich mittlerweile von der Attacke erholt. Ein paar Narben bleiben ihr im Gesicht – aber nicht auf der Seele. „Angst habe ich nicht mehr, wenn ich in die U-Bahn einsteige“, sagt sie. Ihr Peiniger muss wohl dauerhaft in die Psychiatrie. Richter Gilbert Wolf will am Mittwoch sein Urteil gegen Ahmet S. sprechen. 

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