„Geschäftsschädigend“ findet Karl Gonzalez die Sperrung des U-Bahnhofs.

U-Bahn-Sperrung: Es dauert mehrere Wochen

München - An der Fraunhoferstraße tauscht die MVG nach 30 Jahren ihre Rolltreppen aus - und das sorgt für Ärger bei den Geschäftsleuten rundherum: Die Station ist wochenlang dicht - auch 2011.

„Auf die kleinen Geschäfte nimmt keiner Rücksicht“, schimpft der Besitzer eines Schreibwarenladens nahe der U-Bahn-Station Fraunhoferstraße. Von einem Kunden hat er vor ein paar Tagen erfahren, dass die Haltestelle zwischen Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel vom 9. August an für 14 Tage komplett gesperrt ist. „Eine Unverschämtheit, so etwas ohne Ankündigung zu machen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Fehime Gök, Betriebsleiterin der Gaststätte „Bergwolf“, pflichtet ihm bei: „Zwei Wochen sind eine lange Zeit“, sagt sie - gerade im Glockenbachviertel, wo viele Leute arbeiteten und am Wochenende die Partyszene tobt. „Und es wird einfach nicht erklärt, warum dicht gemacht werden muss.“

Seit kurzem informiert die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mittels Durchsagen und auf den Anzeigentafeln über die Sperrung. Vom 9. bis zum 22. August wird sie dauern. Grund: Die 1980 installierten Rolltreppen zwischen Bahnsteig und Sperrengeschoss müssen erneuert werden. Warum deshalb die U-Bahnen ohne Halt durch die Station rauschen und der Bahnhof dicht gemacht wird, soll ein Satz auf Info-Plakaten erklären: Die Maßnahme sei notwendig, „da die Anzahl der verbleibenden Ausgänge nicht für einen regulären Betrieb ausreicht“.

Nicht genügend Fluchtwege im Brandfall

Erst auf Nachfrage wird nachvollziehbar, dass die Arbeiten nicht bei laufendem Betrieb durchgeführt werden können. Die riesigen Rolltreppen müssten abgebaut und auf dem engen Bahng zwischengelagert werden, erklärt MVG-Sprecherin Bettina Hess. So schmal sind die Zugänge in diesem U-Bahnhof, dass alle Großbauteile unterirdisch per Zug an- und abtransportiert werden müssen. „Die auf dem Bahnsteig verbleibende freie Fläche reicht nicht aus, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen“, sagt Hess. Zudem könne man während der Bauarbeiten im Notfall, etwa wenn ein Brand ausbreche, nicht genügend Fluchtwege anbieten. Neben Rolltreppen gibt es an der Fraunhoferstraße lediglich einen Aufzug und eine schmale Treppe.

Letztere werden Fahrgäste bereits ab Montag, 2. August, benutzen müssen. Von da an sind die zwei Rolltreppen am Ausgang Richtung Reichenbachstraße außer Betrieb. Wieder laufen werden die neuen Anlagen frühestens am 10. September. Auch, wenn die Bahnhofsperre am 22. August aufgehoben werde, dauerten „Innenausbau und Inbetriebnahme“ so lange, erklärt Hess.

Im Sommer 2011 kommt es zu einer ähnlichen Störung

Karl Gonzalez hat bis gerade eben gar nichts von der Sperrung gewusst. „Geschäftsschädigend“ sei das, klagt der Geschäftsführer des Imbiss- und Lebensmittellädchens „G+A Grocery Store“ direkt am U-Bahn-Abgang an der Baaderstraße. Zu ihm käme vor allem Laufkundschaft - eben direkt aus der U-Bahn. „Hätte man das angekündigt, hätte ich für diese Zeit auch entsprechend weniger Waren bestellt. Dafür ist es jetzt zu spät.“ Der August sei wegen der Ferien so schon ein schlechter Monat, sagt der Besitzer des Schreibwarenladens. Jetzt breche noch mehr Kundschaft weg. Kann er nicht in dieser Zeit Urlaub machen? „Urlaub?“, fragt er ungläubig. „Besitzer kleiner Läden, die sich einen Urlaub leisten können, können Sie an einer Hand abzählen.“

Insgesamt 125 Rolltreppen in 20 Bahnhöfen tauscht die MVG in nächster Zeit aus. Komplett gesperrt werden muss nur der Halt Fraunhoferstraße - dieser allerdings zweimal. Was die Fahrgastinformation der MVG nicht preisgibt: Bis zum 22. August werden lediglich die zwei Rolltreppen am südöstlich gelegenen Ausgang zur Reichenbachstraße erneuert. Im Sommer 2011 komme es zu einer „ähnlichen Sperrung“, heißt es am Donnerstag bei der MVG. Dann erst gehen drei neue Rolltreppen am Ausgang Richtung Klenzestraße in Betrieb.

Caroline Wörmann

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