Übungsflug endete im Inferno

München - Es war eine der schlimmsten Flugzeugkatastrophen in Münchens Geschichte: Ein Kleinflugzeug stürzte 1987auf den McDonald's in Trudering, neun Menschen starben. Ursache war ein leichtsinniges Manöver.

Günter S. sieht das Unglück nicht kommen. Als der 42-Jährige an diesem Dienstag um kurz vor halb Vier wie immer seinen Bus der Linie 192 über die Kreuzung von Truderinger Straße und Wasserburger Landstraße steuert, bricht in Sekundenbruchteilen ein Feuersturm um ihn herum los. Günter S. verliert die Kontrolle über seinen Bus, rast in das Gebäude des McDonald’s und sieht die Flammenwand vor sich sieht. „Da hab’ ich gedacht, jetzt ist es aus“, berichtet er am Tag nach dem Unglück.

Es ist Kerosin, das den Bus, das Restaurant und alles im Umkreis dutzender Meter sofort in einem riesigen Feuerball aufgehen lässt. An diesem 11. August 1987 fällt um 15.28 Uhr plötzlich ein Kleinflugzeug vom Himmel. Die Piper PA 31 T - genannt „Cheyenne II“ - schlägt knapp hinter dem Bus von Günter S. auf, schlittert über die Straße, reißt Ampel- und Lichtmasten mit sich und rammt schließlich den Bus, der in das Schnellrestaurant rast.

„So habe ich mir immer einen Atompilz vorgestellt“, sagt ein Augenzeuge. Die drei Insassen der Maschine sind sofort tot. Aber auch auf der Wasserburger Landstraße spielen sich grauenhafte Szenen ab: Die Tragfläche der Cheyenne enthauptet eine Radfahrerin, wie lebende Fackeln stürzen Fahrgäste aus dem Bus und rennen verzweifelt umher. Otto D., Pächter der gegenüberliegenden Tankstelle, reißt sofort den Feuerlöscher von der Wand und versucht zu helfen. Erst später wird ihm bewusst, dass dieses Unglück noch schwerere Folgen hätte haben können, wenn das Wrack die Tankstelle getroffen hätte. Mehr als 100 000 Liter Benzin und Diesel lagern im unterirdischen Tank.

An diesem Tag sterben durch den Absturz insgesamt sechs Menschen, drei weitere erliegen in den Wochen nach dem Unglück ihren Verletzungen. Die 30 Verletzten sind oft durch Verbrennungen für den Rest ihres Lebens gezeichnet.

Die eintreffenden Rettungskräfte stehen einem Trümmerfeld gegenüber. Erst als die Wrackteile, die Autos auf dem Parkplatz, der Bus und das McDonald’s-Gebäude gelöscht sind, wird das Ausmaß der Verwüstung deutlich. Aus einem Hubschrauber macht die Polizei - wie bei Flugunfällen üblich - Luftaufnahmen. Sie erinnern an Kriegsbilder nach einem Bombenangriff.

Die Fotografen der Zeitungen können nur versuchen, sich von Feuerwehrleitern einen Überblick zu verschaffen. Die Luftaufnahmen bleiben mehr als zwanzig Jahre für die Öffentlichkeit unzugänglich in den Archiven der Polizei. Erst im geplanten Polizeimuseum sollen sie an die Tragödie erinnern.

Noch am Unglückstag kommt auch Münchens Bürgermeister Winfried Zehetmeier (CSU) an die Absturzstelle. „Jeder ist für den Tod dieser Opfer verantwortlich, der den Bau des neuen Münchner Flughafens verzögert hat“, sagt er unter dem Eindruck der grauenhaften Bilder. Es ist die Zeit der Diskussion um eine Verlegung des Flughafens ins Erdinger Moos und das Zitat bringt dem Bürgermeister reichlich Kritik vom politischen Gegner ein.

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Die tatsächlichen Gründe für den Absturz werden erst Wochen später ermittelt. Die Flugunfalluntersuchungsstelle stellt fest, dass der Pilot der Unglücksmaschine, Hans-Joachim T., auf einem Übungsflug unterwegs war. An Bord hatte er einen Prüfer und eine Sekretärin des Luftamtes Südbayern. An diesem Dienstag soll Hans-Joachim T. zeigen, dass er die Maschine notfalls auch dann landen kann, wenn ein Triebwerk ausfällt. Die Untersuchung ergibt außerdem, dass der Pilot das Manöver in zu niedriger Höhe auf nur gut 60 Metern probiert. Weil Pilot oder Prüfer das Triebwerk zu stark drosseln, gerät die Maschine ins Trudeln und stürzt ab. Dass diese Übung über dicht besiedeltem Gebiet stattfindet, scheint heute unvorstellbar. Neun Menschen bezahlen diesen Leichtsinn im August 1987 mit ihrem Leben.

Philipp Vetter

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