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Russen unerwünscht! Münchner Privatklinik sorgt erst für Eklat – und entschuldigt sich jetzt

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Von: Nina Bautz

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Ein Auszug aus dem mutmaßlichen Schreiben der Iatros Klinik, dessen Kopie im Internet kursiert. © Screenshot

Der Ukraine-Krieg bewegt erhitzt die Gemüter. Das bekommen auch Russen in München zu spüren. In einem konkreten Fall hat wohl eine Privatklinik angekündigt, keine Russen mehr behandeln zu wollen.

München - Die ganze Welt blickt auf Russland, muss schockiert zusehen, wie Putin in der Ukraine unschuldige Menschen töten lässt. Fakt ist aber auch: Viele Russen verurteilen die Angriffe ihres Landes – und dennoch müssen manche täglich mit Anfeindungen kämpfen. Allein in München leben 15.558 russische Staatsbürger. Viele von ihnen fühlen sich nun unerwünscht und ausgegrenzt – weil ihnen oft purer Hass entgegenschlägt…

„Meine Tochter kommt weinend von der Schule“, berichtet die gebürtige Russin Anna W. (42) aus Schwabing, die ihren Namen aus Angst nicht in der Zeitung lesen will. „Auf dem Schulhof wurde zu ihr ‚Scheiß-Russin‘ gesagt, ein Junge wollte sie schlagen.“ Geschichten über Mobbing – viele erzählen davon. Ein Russe und seine Tochter sagen, sie seien in einem Münchner Lokal abgewiesen worden, nachdem sie ihren Pass bei der Corona-Kontrolle gezeigt hatten.

Ukraine-Krieg: Russen in Deutschland am Pranger - Münchner Klinik nimmt Patienten nicht an

Ein besonders krasser Fall ist Christoph N. (29) im aktuellen Ukraine-Konflikt widerfahren: Der Handwerksmeister aus dem Münchner Umland, der den Angriff auf die Ukraine auch verabscheut, berichtet, er habe am Montag in der Münchner Iatros Klinik erfahren, dass sie ihn nicht als Patienten aufnimmt – weil er gebürtiger Russe ist.

Schon seit Tagen kursiert ein entsprechendes Schreiben im Netz. Es sieht so aus, als ob die Privatklinik am Stiglmaierplatz plante, russischen Patienten die Behandlung generell zu verweigern. Im Netz und in der Münchner Ärzteschaft hagelt es Kritik: Das sei Vorverurteilung – und Rassismus .In dem Brief, der anscheinend von der Iatros Klinik stammt, von zwei Ärzten unterschrieben ist und an die Kollegen gerichtet ist, heißt es, die russische Invasion würde „aufs Schärfste verurteilt“: „Daher werden wir ab sofort und bis auf weiteres keine russischen und weißrussischen Staatsbürger bei uns behandeln. (...) Im Zweifel werden wir die Patienten am OP-Tag absetzen.“

Ukraine-Krieg sorgt für Russland-Abneigung in Deutschland: Münchner Klinik sorgt für Aufsehen

Bereits vor einer Woche erregte das Schreiben einer Münchner Klinikdirektorin Aufsehen, die sich offenbar ebenfalls weigerte, Russen zu behandeln. Die Leitung der Iatros Klinik äußerte sich zu dem Fall auf Anfrage unserer Redaktion nicht. Mittlerweile aber steht auf der Homepage der Klinik eine Stellungnahme, die darauf schließen lässt, dass das Schreiben echt ist. „Die Reaktion auf unser Schreiben hat uns stark betroffen gemacht und zum Nachdenken gebracht.

Unsere Absicht war es, Mitgefühl mit dem ukrainischen Volk zu bekunden. Die Art unseres Schreibens wurde von etlichen zu Recht kritisiert. Es liegt uns vollkommen fern, Patienten aufgrund ihrer Herkunft zu diskriminieren oder auszuschließen.“ Darauf folgt eine Entschuldigung. Die Klinik habe als Konsequenz 10.000 Euro an Ärzte ohne Grenzen für deren Einsatz in der Ukraine gespendet.

Der Münchner Russe Christoph N. kann über den Vorfall nur ungläubig den Kopf schütteln. Er ist von der Echtheit der Mitteilung überzeugt. „Ich habe es ja am eigenen Leib erlebt. Die Klinik-Dame am Telefon erklärte, die Anweisung käme von oben. Das ist Rassismus in Reinstform, absolut menschenverachtend.“ Immerhin: Nicht alle Russen in der Stadt erleben Anfeindungen. Der Inhaber eines russischen Ladens erzählt, er habe seit Kriegsbeginn 30 Prozent mehr Kunden – weil viele Deutsche ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen wollen.

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