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Einer der neuen Einpeitscher am Hauptbahnhof: Omar Ahmed sorgt für zügiges Zusteigen.

Projekt am Hauptbahnhof gestartet

Für mehr Pünktlichkeit: Jetzt testet die S-Bahn Einpeitscher

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    Matthias Bieber
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Die Bahn will Verzögerungen bei der Abfahrt von S-Bahnen entgegenwirken. Deshalb setzt sie seit Mittwoch Servicemitarbeiter ein, die den Fahrgästen klare Anweisungen geben.

München - Wer auf die S-Bahn angewiesen ist, kennt das Problem: Mittlerweile schließen zwar die Türen nicht mehr nach dem Harakiri-Prinzip, sondern die roten Leuchten und Piep-Signale weisen auf sich schließende Türen hin – aber: In Stoßzeiten schlüpfen etliche eilige Passagiere noch durch die Türen. Folge: Die S-Bahn-Abfahrt verzögert sich teils um eine Minute.

Ein zeitraubender Zustand, der zu entgleisen droht und den die Bahn nun in die Spur bekommen will: mit einem „Reisenden-Strom-Lenker“, so der Begriff der Bahn. Servicemitarbeiter dienen als Einpeitscher und sollen dank hoch technologisierter Audiosysteme an Bahnsteigen klare Durchsagen geben. So soll’s zügiger gehen. Und: Das neue Personal darf sich vor die Türen der abfahrbereiten Bahn stellen und somit den „Reinhüpfern“ den Zutritt verweigern. Das Pilotprojekt, das Mittwoch am Hauptbahnhof gestartet ist, läuft vier Wochen.

Bahnmitarbeiter weisen Fahrgäste zu leeren Bereichen

„Im Berufsverkehr hält alle zwei Minuten eine S-Bahn an den Stationen der Stammstrecke. Da bleibt für den Fahrgastwechsel nur wenig Zeit“, sagt Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn. „Die Reisenden-Strom-Lenker sind eine weitere Maßnahme, mit der wir die geplante Haltezeit von 30 Sekunden erreichen und damit Verspätungen vermeiden wollen.“ In den Stoßzeiten von 6 bis 9 Uhr und von 15.30 bis 18.30 Uhr stehen an Gleis 1 jeweils sieben Bahnmitarbeiter, zwei davon mit Kopfhörern. Sie weisen Fahrgäste zu den Bereichen, die weniger voll sind. Aber die Servicekräfte blockieren auch den Zustieg beim Türenschließen, wenn sich ein penetranter Passagier noch reinpressen will. Bahnsprecher Bernd Honerkamp: „Wir haben schon seit Längerem das zentrale Öffnen der Türen durch den Lokführer eingeführt, jetzt testen wir auch das zentrale Schließen.“

Das neue Personal ist auch als Zerstreuer unterwegs. Honerkamp: „Oft bleiben ganze Personengruppen etwa direkt nach der Fahrt auf der Rolltreppe stehen und blockieren die Durchgänge. Auch hier sorgen die neuen Teams für Abhilfe.“ Zur Not mit Gesten – nicht jeder beherrscht schließlich, sagen wir, Chinesisch oder Japanisch…

Noch neu: Die Verspätungen werden künftig glasklar angesagt. Das junge Technologieunternehmen Holoplot hat ein ausgeklügeltes Audiosystem eingebaut, damit die Durchsagen besser zu verstehen sind. Zudem hört man nur noch die Informationen, die das eigene Gleis betreffen.

Bahnsprecher Honerkamp betont, dass es sich hier um ein Versuchsprojekt handelt. Wie viel das kostet? Dazu gibt es noch keine Zahlen. Ist das überhaupt sinnvoll? Honerkamp: „Letztendlich wird das spannend, wenn man das an allen Bahnhöfen einführt. Aber wir schauen jetzt erst einmal, wie viel Zeit wir durch diesen Versuch einsparen können.“ Übrigens: Auch die Haltebremse für die S-Bahn löst sich um zwei Sekunden schneller. Was wie ein Tropfen auf dem heißen Stein klingt, summiert sich insgesamt, betont Honerkamp. 

Und auch in Sachen S-Bahn-Chaos reagiert die Bahn: In München soll die Stammstrecke eingezäunt werden.

So geht’s in Tokio zur Sache

Japan: U-Bahn in Tokio

Den Münchner gruselt’s bei diesem Bild aus Tokio: Mitarbeiter des Bahnunternehmens Seibu drücken die Fahrgäste in die Zugabteile. Über 7,8 Millionen Menschen benutzen täglich die U-Bahnlinien. In London sind in den Stoßzeiten die Züge zwar auch komplett verstopft, aber Press-Personal gibt es dennoch nicht. Stattdessen werden die Stationen vorübergehend einfach geschlossen …

Tina Layes/M.B.

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