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Die Münchner Fußgängerzone: Nach einer Umsatz-Delle inzwischen wieder deutlich belebter. 

Standort schwächelt

Umsatz-Delle schreckt Handel in Münchner Innenstadt auf

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München - Der erfolgsverwöhnte 1-A-Standort Münchner Innenstadt schwächelt: Im August und September gingen die Umsätze von Gastronomie, Handel und Hotellerie zurück. Die Gründe sind vielfältig, die Hoffnung auf Erholung ist groß.

Sie gehört zur Creme der deutschen Einzelhandelslagen, trotz astronomischer Ladenmieten neidvoll betrachtet von Städten in ganz Europa: Die Münchner Fußgängerzone punktet mit traumhaften Kundenfrequenzzahlen. Doch Anfang Oktober schreckte eine Adhoc-Mitteilung des Kaufhauses Beck am Marienplatz die Branche auf: Pflichtgemäß teilte die Aktiengesellschaft mit, dass sich der Konzernumsatz im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent verringert habe. Als Gründe nennt Beck in der Mitteilung „das heiße Wetter in der zweiten August- und der ersten Septemberhälfte“ sowie „die rückläufigen Frequenzen in den Innenstädten nach den Attentaten von Paris, Brüssel und Nizza“. Dazu komme „eine nach dem Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum verstärkt zu beobachtende Kaufzurückhaltung“. Sprich: Die Sonne lockte die Kunden raus aus der Stadt, die Terror-Angst verdarb ihnen die Kauflaune.

Allein steht Beck mit diesem Problem nicht. Zwar hängt man, wenn man nicht vom Aktiengesetz gezwungen wird, schlechte Nachrichten nicht gern an die große Glocke. Doch Spöckmeier-Wirt Lorenz Stiftl, Sprecher der Innenstadt-Gastronomen, bestätigt, dass insbesondere die Gäste aus dem Ausland sich rar gemacht hätten. „USA, China und Russland haben Urlaubswarnungen für Deutschland rausgegeben“, berichtet Stiftl. Ob dies wegen Terrorgefahr oder aus politischen Gründen erfolgt sei, wisse er nicht, „aber man spürt es“. Auch Hotelier Peter Inselkammer beobachtet „eine gewisse Konsumzurückhaltung bei den Leuten“ und sinkende Buchungszahlen aus dem Ausland.

Das Phänomen sei neu, sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung. „In einer ganz aktuellen Untersuchung haben zum ersten Mal Chinesen Sorge um die Sicherheit benannt“. In Münchens Tourismus-Statistik brach der Trend steigender Gästezahlen im Juli urplötzlich ein: 3,3 Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahr, Gäste aus wichtigen Ländern wie Italien (minus 18 Prozent), Russland (-17,1 Prozent), China (-3,9 Prozent) und USA (-5,8 Prozent) fehlten besonders schmerzhaft. Die August-Zahlen lägen noch nicht vor, es sei aber davon auszugehen, dass der Rückgang sich fortgesetzt habe, verlautet von München Tourismus.

Auch die heimische Kundschaft machte sich rar – allerdings nicht wegen Sicherheitsbedenken, wie Hirmer-Geschäftsführer Frank Troch glaubt. „Der Amoklauf war Ende Juli. Der hat den nachfolgenden Samstag und Montag beeinflusst, aber dann hat sich das schnell wieder reguliert.“ Andere Händler sagen, sie hätten die Folgen bis zu zwei Wochen lang gespürt. Doch viel gravierender, so Troch, sei in jedem Fall das Wetter gewesen: „Der Sommer ist für unsere Produkte letztlich zu spät gekommen“, sagt der Spezialist für Herrenmode.

Das Phänomen habe die gesamte Textilbranche gebeutelt, die in der Innenstadt besonders stark vertreten ist, sagt Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands City Partner. „Im ersten Halbjahr, als die Frühjahrs- und Sommerkollektion in den Regalen lag, hätten sich Daunenjacken besser verkaufen lassen“, so Fischer. Als es dann endlich Sommer wurde, war der Schlussverkauf vorbei und Herbstware im Angebot. BBE-Experte Stumpf spricht vom September als „schlechtestem Monat seit ewigen Zeiten“.

Dass Terror-Angst bei der heimischen Kundschaft eine große Rolle spielte, kann sich Fischer nicht vorstellen: „Die Shoppingnacht, das Streetlife-Festival und das Isarinselfest Anfang September waren bestens besucht, da gab es keinerlei Hinweise“.

Eher schon, so Hirmer-Geschäftsführer Troch, leide der Innenstadt-Handel unter der Vielzahl von Veranstaltungen und Demonstrationen. Fast jedes Wochenende werde deswegen in manchen Medien davor gewarnt, in die Innenstadt zu fahren. „Es wird viel unternommen, die Leute fernzuhalten“, kritisiert Troch. Doch der Geschäftsmann ist zuversichtlich, dass die Umsatzrückgänge „nur eine Delle“ gewesen seien.

Darauf deutet auch eine Statistik der deutschen Textilwirtschaft hin. Sie weist von Mitte August bis Ende September Rückgänge bis 22 Prozent aus, doch in der letzten Septemberwoche wendet sich das Blatt: Plus 22 Prozent, und das nun wieder der Jahreszeit angemessene Wetter lässt auf weitere Besserung hoffen. Auch Wolfgang Fischer ist zuversichtlich: „Die wichtigen Wochen kommen noch“, sagt er. Das Weihnachtsgeschäft sei für den Einzelhandel maßgeblich und könne das Jahr noch zum Erfolg werden lassen.

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