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Im Münchner Fristo-Markt von Marktleiter Ferenc Agardi gibt es keine Marken vom Groß-Brauer AB InBev mehr.

In Getränkemärkten rumort‘s

Bier-Boykott in München: Darum gibt‘s kein Löwenbräu & Co.

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Kein Löwenbräu, kein Spaten, kein Franziskaner: In Münchens Getränkemärkten rumort es. Die Kette „Fristo“ hat alle Marken des Braukonzerns AB InBev aus dem Sortiment genommen. Das steckt dahinter.

So mancher Kunde sucht erst einmal verwundert nach seinem Lieblingsbier. „Dann erkläre ich ihm, dass wir kein Franziskaner-Weißbier, Löwenbräu und Spaten mehr führen, und was die Gründe dafür sind“, erzählt Marktleiter Denis Valentic (39) vom „Fristo“-Getränkemarkt in Planegg (Landkreis München). „Acht von zehn Kunden kaufen nach einer kurzen Beratung eine alternative Sorte“, bestätigt sein Münchner Kollege Ferenc Agardi (54) vom Fristo-Markt in der Heidemannstraße. Der Getränkemarkt-Filialist Fristo hat alle Produkte der Großbrauerei Anheuser-Busch InBev aus dem Sortiment genommen.

Marktleiter Denis Valentic vom Fristo-Markt in Planegg.

Die inhabergeführte Kette – mit 220 Märkten immerhin eine der größten in Deutschland – bietet dem größtem Braukonzern der Welt die Stirn. In einem Flugblatt, das in den Filialen ausliegt, schreibt Fristo, AB InBev habe versucht, das mittelständische Unternehmen „unter Druck zu setzen“. Und zwar „indem die Gewährung von Einkaufskonditionen von der Einhaltung bestimmter Preisvorgaben abhängig gemacht wurde“. 

Der Aushang, mit dem Fristo seine Kunden informiert.

In nachfolgenden Verhandlungen habe AB InBev bisher eingeräumte Konditionen gestrichen. Der Filialist könne nun die Marken Spaten, Löwenbräu, Franziskaner, Corona, Beck’s und Hasseröder nicht mehr zu Preisen anbieten, die die Kunden erwarteten. Deswegen seien die Marken aus dem Sortiment genommen worden.

Fristo-Inhaber „Lassen uns keine Preise vorschreiben“

Der Hintergrund: AB InBev habe der Getränkemarkt-Kette diktieren wollen, wieviel sie bei Aktionen etwa für einen Kasten Bier der Sorten der Großbrauerei maximal verlangen dürfe, sagt Fristo-Inhaber Andreas Brügel (62). „Wir lassen uns aber grundsätzlich keine Preise vorschreiben von Lieferanten.“ 

Außerdem seien die aggressiven Billig-Aktionen nicht wirtschaftlich für Fristo. Im Gegenzug habe AB InBev die Einkaufskonditionen für Fristo so verändert, dass die Kette die Produkte dem Kunden sehr teuer hätte anbieten müssen.

AB InBev: Unterschiedliche Vorstellungen über „Konditionen der Zusammenarbeit“

Die Sichtweise des Brauereikonzerns: Im Rahmen der Jahresgespräche mit Fristo habe es unterschiedliche Vorstellungen über „die Konditionen der Zusammenarbeit“ gegeben“, sagt ein Sprecher. Um Preiserhöhungen sei es dabei nicht gegangen. „AB InBev ist sehr an einer Fortführung der Gespräche interessiert und hat das auch den Gesprächspartnern mitgeteilt.“ 

Gleichzeitig habe man den Getränkemarkt aufgefordert, die Handzettel aus den Märkten zu entfernen. Die darauf formulierten Aussagen seien in dieser Form nicht haltbar.

Fristo steht nicht allein: Auch andere Getränkemärkte haben ihre Schwierigkeiten mit der Politik von AB InBev. 85 Filialen in Bayern, vorwiegend im Großraum München, betreibt das Familienunternehmen Orterer. 

Geschäftsführer Florian Orterer betont, derzeit führten seine Märkte alle Produkte der Großbrauerei AB Inbev. „Wir haben nicht vor, auszulisten, das wäre die allerletzte Möglichkeit.“ Doch: „Natürlich sind die Gespräche mit der weltgrößten Brauerei schwieriger, als mit nationalen oder gar regionalen Herstellern.“

Florian Orterer von „Orterer Getränke-Märkte“.

Konkurrent Fristo will nun noch stärker auf regionale Marken setzen. Die Nachfrage der Kunden habe sich eh in diese Richtung gedreht, sagt Geschäftsführer Brügel. Und: „Probleme wie mit AB InBev haben wir mit den lokalen Brauereien nicht.“

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