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„Wir schaffen das“: Sozialreferentin Brigitte Meier.

Stadtrat entscheidet über Unterbringung

Lässt München tausende Flüchtlinge in alten Büros schlafen?

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München - Zum Jahresende drückt die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen nochmal kräftig auf die Tube. An diesem Montag entscheidet der Stadtrat über 1800 weitere Plätze.

Weil sie es selbst nicht mehr schafft, gibt die Stadt den Betrieb neuer Unterkünfte aus der Hand.

Mehr als eine Million Flüchtlinge werden heuer in Deutschland erwartet, so die Prognose. Laut dem Königsteiner Schlüssel, der die Verteilung im Bund regelt, muss München davon etwa 1,5 Prozent dauerhaft aufnehmen. Entsprechend hatte die Regierung von Oberbayern die Zahl für München in den vergangenen Wochen kräftig nach oben geschraubt: Pro Woche musste die Stadt 654 Asylbewerber unterbringen. Ende Dezember werden es „nur“ noch 327 sein, doch schon ab Januar rechnet man erneut mit 654. Weil die Regierung der Stadt damit mehr Menschen zuweist als derzeit Bettplätze in Planung sind, sucht die Verwaltung mit voller Kraft weiter nach neuen Standorten.

Fündig geworden ist man nun in Obersendling: Sofern der Stadtrat am Montag zustimmt, finden an der Schertlinstraße 8 (Obersendling) ab Mitte Januar 800 Flüchtlinge einen Schlafplatz. Dafür sollen zwei ehemalige Bürogebäude zwischen Boschetsrieder- und Kistlerhofstraße umgebaut werden. Neben dem Osram-Gelände ist dies dann stadtweit die einzige Unterkunft dieser Dimension. Und auch nur eine Zwischenlösung: 2017 beginnt dort wie vorgesehen der Bau fürs Projekt „Junges Quartier Obersendling“.

Bis zu 600 Plätze entstehen bis Mitte März in einem Bürogebäude an der Elsenheimerstraße 48 (Westend) und 130 Plätze in einem Gewerbegebäude an der Hanebergstraße 2 (Gern). Die geplante Unterkunft an der Emma-Ihrer-Straße (Neuhausen) wird von 180 auf 225 Plätze erweitert. Zudem stellt die Technische Universität für fünf Jahre ein Grundstück auf ihrem Campus zur Verfügung: Am Werner-Seelenbinder-Weg 404 entsteht eine Gemeinschaftsunterkunft mit 300 Betten.

Damit hat die Stadt in diesem Jahr eine Mammutaufgabe gestemmt: Etwa 8300 Menschen leben derzeit in den Aufnahmeeinrichtungen, Gemeinschafts-, Überbrückungs- und dezentralen Unterkünften. Zudem kümmert sich das Jugendamt um 5400 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Bis zum Jahresende wird München so insgesamt 15.000 neue Flüchtlinge aufgenommen haben. Für sie hat die Stadt heuer 38 Einrichtungen ans Netz gebracht – und ist stolz, dass man nicht wie andernorts auf Zelte zurückgreifen musste. Stattdessen setzt man weiterhin auf Gewerbeimmobilien, Container und winterfeste Leichtbauhallen.

Auch wenn die Stadt beim Personal stetig aufgestockt hat, kann sie den Betrieb der Unterkünfte, die bald eröffnet werden, nicht mehr selbst stemmen. Künftig wird sie verstärkt auf private Betreiber und Wohlfahrtsverbände zurückgreifen. „Wobei nur diejenigen in die Auswahl kommen, die bereits Erfahrung mit dem Betrieb solcher Unterkünfte haben“, stellt Matthias Winter, Sprecher des Sozialreferats, klar. Aus diesem Grund brauche es nach der Vergabe auch keine harten Kontrollen durch die Stadt zu geben.

Schon bisher ausgelagert hatte die Stadt einzelne Dienstleistungen wie Sicherheitsdienst, Catering oder Wäscheservice. Das soll auch so bleiben. Extern vergeben wird seit jeher auch die Asylsozialbetreuung. Hierfür werden Wohlfahrtsverbände wie Innere Mission oder Caritas beauftragt – eine Zusammenarbeit, die sich bewährt hat.

Dass sich die Situation 2016 entspannt, damit rechnet bei der Stadt niemand. Doch Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) blickt zuversichtlich nach vorn. Wenn der Beschluss am Montag läuft, sind fürs neue Jahr bereits 9600 neue Bettplätze beschlossen.

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