Unternehmerin baut Waschstraße für Menschen

München - Die Idee dafür kam Seira Fischer zwar in der Autowaschanlage - doch ihr „x-wash“ hat humanitäre Qualitäten. In Flüchtlingslagern können damit bis zu 200 Personen pro Stunde gereinigt werden - effizient, aber auch würdevoll.

Sechs Abteile, sechs Posen. Der Mensch, der „x-wash“ von Seira Fischer betritt, wird in verschiedenen Körperhaltungen durch einen Container geführt und dabei mit Schaum und Wasser besprüht. „Durch den automatisierten Prozess und das intelligente Düsensystem dauert das Ganze nur 90 Sekunden“, sagt die 31-Jährige. „Und am Ende wird man sogar trocken geföhnt.“

Die Unternehmerin weiß, dass mancher bei dieser Vorstellung fremdelt: Menschen werden durch eine Waschanlage geschickt? Wie Autos? Wo bleibt da die Würde, und ist das nicht furchtbar eng? „Ich bin selbst klaustrophobisch“, erklärt sie. „Die erste Frage für mich war: Bekomme ich da ein Engegefühl?“ Darum könne man aus ihrer Waschanlage auch zu jeder Zeit durch Seitentüren aussteigen. „Es gibt indirektes Tageslicht, und selbstverständlich trägt man Wäsche aus Spezialfasern. Die ist wasserdurchlässig und man wird genauso sauber.“

Für „x-wash“ ist Fischer vor kurzem in Berlin mit dem Branchenpreis „Kultur- und Kreativpiloten Deutschland“ ausgezeichnet worden. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) unterstützt damit junge Unternehmer, die vielversprechende Ideen verwirklichen wollen.

Wie das bei solchen Ideen so ist: Anfangs wirken sie oft gar nicht so vielversprechend. Seira Fischer, angehende Innenarchitektin, suchte vor ein paar Jahren ein Thema für ihre Masterarbeit, das sich um „Wasser und Mobilität“ drehen sollte. „Ich war zu der Zeit bei einem Musikfestival“, erinnert sie sich. „Da gibt es immer zu wenig Duschen und davor lange Schlangen. Ich überlegte mir, wie man das Problem lösen könnte. Wenig später stand ich mit meinem Auto tatsächlich in der Waschstraße und dachte mir: Das ist es.“

Schon bald tüftelte sie an einem Modell, zog Experten hinzu - und merkte, dass der Einsatz sich nicht nur auf Open-Air-Veranstaltungen beschränken sollte: „Wenn man sich anschaut, wie Dekontamination, etwa in verseuchten Gebieten wie Fukushima, heute abläuft - da sträuben sich einem die Haare“, sagt Fischer. Traumatisierte Menschen würden in windigen Zelten nackt abgebraust, oft bis zu 18 Minuten lang, der Wasserverbrauch liege bei bis zu 360 Liter pro Person - Wasser, das oft ungefiltert im Erdreich versickere. „Für ,x-wash‘ benötigen wir nur 30 Liter pro Person“, betont Fischer, „und wir haben einen ,geschlossenen Wasserkreislauf‘, wir können Wasser jeder Güte verwenden. Falls vor Ort keines vorhanden ist, wird es separat mitgeliefert. Hinterher wird es aufgefangen, aufbereitet und wiederverwendet oder aber bei schwerer Verseuchung entsorgt.“

In Flüchtlingslagern ließen sich mit „x-wash“ Seuchen vermeiden, da ist Fischer sicher. „Es empfiehlt sich da natürlich, blickdichte Umkleiden vor und hinter der Waschanlage aufzustellen und ,x-wash‘ geschlechtergetrennt zu verwenden.“ Sechs Meter lang sei der Container, also geeignet für die Luftfracht. „Für das UNHCR, Ärzte ohne Grenzen und den Katastrophenschutz ist ,x-wash‘ sicher interessant.“

Und jetzt? „Jetzt stelle ich mich auf die Bühne und trommle für meine Idee“, sagt Fischer. Mittlerweile hat sie bereits einen Sonderanlagenbauer gefunden, der „x-wash“ in einer Anfangs-Serie bauen würde. Für die Kosten von 1,7 Millionen Euro sucht Fischer noch Geldgeber. Gerade nimmt sie 25 000 Euro in die Hand, um Ihr Patent international anzumelden. „2015 könnten wir mit der Serienproduktion starten“, betont sie.

Gespräche führt sie derzeit viele, und sie ist sicher, dass ihr Unternehmen durchstartet. „Neulich kam der ehemalige Chef eines großen deutschen Konzerns extra aus Saudi-Arabien angeflogen, um sich x-wash anzuschauen“, erzählt Fischer. „Er meinte, es sei ein Wunder, dass auf die Idee noch niemand gekommen ist.“

Alles zu „x-wash“

unter www.x-wash.de.

Johannes Löhr

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