Unvergessene "Heimaterde"

München - Es ist eines der Lieblingslieder von Papst Benedikt XVI.: die Bayernhymne. Doch welche Fassung soll gelten? Eine überwältigende Mehrheit unserer Leser hat sich dafür ausgesprochen, in den Hymnentext "Heimaterde" statt "deutsche Erde" aufzunehmen.

Es kommt Bewegung in die Diskussion: "Hymnenfesten" Beobachtern war schon bei den Papst-Feiern aufgefallen, dass einige Besucher "Heimaterde", andere "deutsche Erde" gesungen hatten.

Als erster Politiker hatte sich dann Wissenschaftsminister Thomas Goppel gegenüber unserer Zeitung freimütig dazu bekannt, "Heimaterde" zu singen - wie es der Förderverein Bairische Sprache empfiehlt und nach dem Vorbild seines Vaters Alfons Goppel, der das 1966, ohne erst den Ministerrat einzuschalten, per Bekanntmachung dekretiert hatte.

Und eine Leserumfrage unserer Zeitung brachte nun ein eindeutiges Ergebnis: Drei Viertel aller Zuschriften sprachen sich für "Heimaterde" aus. Das Ergebnis unserer Umfrage wird der CSU-Staatsregierung zugeleitet.

Gegner jeglicher Änderung sind bislang selten. Eine gewichtige Stimme kommt vom Münchner Historiker Johannes Timmermann, der darauf hinweist, dass die Umdichtung "im Auftrag der Bayernpartei" und überhaupt "in bewusster Kampfansage an das übrige Deutschland" geschehen sei. Das könne er nicht unterstützen. Timmermann ist nebenbei Archivar der Bürger-Sänger-Zunft (BSZ) - jener Sängergruppe, aus deren Kreis die Urfassung des Liedes stammt. Zur Erinnerung: Der Komponist Konrad Max Kunz (Melodie) und der Lehrer Michael Öchsner (Text) hatten um 1860 die Bayernhymne ersonnen. Beide waren Mitglied der BSZ. Am 15. Dezember 1860 wurde die Ode "Für Bayern" erstmals aufgeführt, zunächst als Volkslied, das sich rasch in der bayerischen Vereinswelt verbreitete. Die ursprüngliche Fassung enthielt auch eine dritte Strophe, die so genannte Königsstrophe ("Gott mit ihm, dem Bayernkönig"), die nach der Revolution 1918 natürlich unterging. Nach 1945 wiederum war es der mit der Bayernpartei sympathisierende und mit Alfons Goppel befreundete Dichter Joseph Maria Lutz aus Pfaffenhofen, der an der Bayernhymne weiter operierte. Erstens tauschte Lutz den Begriff "deutsche Erde" gegen "Heimaterde". Indes gingen die Änderungen zweitens noch weiter (siehe untenstehender Text): Lutz strich zum Beispiel auch "Deutschlands Bruderstämme" und schrieb dafür lieber über Bayerns Stämme "vom Alpenland zum Maine". Diese scharfe weiß-blaue Akzentuierung ist auch der Grund, warum Hymnenforscher Timmermann gegen jedwede Art der Änderung ist.

Wie auch immer: Es war Franz Josef Strauß, der 1980 dachte, durch eine neuerliche Bekanntmachung den Begriff "Heimaterde" aus dem Gedächtnis der Bayern tilgen zu können. Wie es scheint, hat sich FJS geirrt...

DIRK WALTER

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