Roman H. vor Gericht.

Er war schon freigesprochen worden

Mörder von Inge Wittersheim muss nun doch lebenslänglich hinter Gitter

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Es ist eine spektakuläre Wende: Erst war Roman H. vom Vorwurf des Mordes an Inge Wittersheim freigesprochen worden. Nun muss er lebenslang ins Gefängnis.

33 Monate sind eine lange Zeit. Für die Freunde und Angehörigen, die den Mord an Inge Wittersheim gesühnt sehen wollten. Für Roman H., der in dieser Zeit unter Mordverdacht stand. Und für das Landgericht, das ihm die Schuld nachweisen musste. Am gestrigen Montag kam es nun zu einem abschließenden Urteil. Richter Stephan Kirchinger verurteilte Roman H. zu einer lebenslangen Haftstrafe. Er sah es als erwiesen an, dass Roman H. die 69-jährige Rentnerin erdrosselt hat.

Der Hilfsarbeiter und die wohlhabende Witwe kannten sich schon länger. Sie waren Nachbarn. Er half ihr im Haushalt, sie zahlte im Gegenzug einen Lohn. Anfang Oktober 2013 kam es dann zu einem folgenschweren Streit, als die Witwe bemerkte, dass er ihren Schmuck zu stehlen versuchte. „Der Angeklagte wollte sie mundtot machen. Es war ein Mord mit Verdeckungsabsicht“, sagte Richter Stephan Kirchinger. Heißt: Roman H. hatte Angst, als Dieb entlarvt zu werden.

Inge Wittersheim wurde ermordet.

Entsetzt nahm der 39-jährige Roman H. das Urteil auf. Im Gesicht aschfahl, die Augen gerötet, der Mund weit aufgerissen. Doch kein Ton kam heraus. Nicht ein Wort hatte er vor Gericht je gesprochen, um sich zu verteidigen. Auch das Urteil ließ er unkommentiert.

Nach einer Verurteilung hatte es zunächst nicht ausgesehen. Denn der Mord-Prozess zog sich jahrelang hin und unterlag spektakulären Wendungen. Am 31. Oktober 2014 stand der Tscheche erstmals vor Gericht. Fünfeinhalb Monate später durfte er kurz jubeln: „Erhebliche Zweifel“ hatte Richter Norbert Riedmann geäußert und Roman H. im April 2015 freigesprochen. „Lieber zehn Schuldige laufen lassen als einen Unschuldigen einsperren“, lautete die Begründung.

Richter sieht eindeutige Schuld

Doch der Bundesgerichtshof (BGH) kippte das Urteil auf Antrag der Staatsanwaltschaft. Die höchsten Richter sahen die DNA-Spuren in dem Mordfall nicht ausreichend gewürdigt – und verwiesen den Prozess zurück ans Landgericht. Dort rollte Richter Stephan Kirchinger das Verfahren im November 2016 neu auf. Lebenslänglich oder für immer frei – nur diese Optionen konnte es für das Urteil geben. Kirchinger sah den Fall als eindeutig an: Roman H. sei mit Zustimmung von Inge W. in deren Wohnung in der Corneliusstraße gekommen. Dort schlug er sechs Mal auf ihren Schädel ein, als sie seinen Diebstahlsversuch bemerkte. „Die Schläge haben gereicht, um ihre Gegenwehr zu brechen.“ 

Das Tathaus an der Corneliusstraße.

Doch das habe Roman H. nicht gereicht: „Für ihn war es die einzig denkbare Möglichkeit, sie zu töten, weil sie ihn erwischt hatte. Es war eine spontane Tat“, sagte der Richter. Als entscheidend sah er die DNA an: 13 Spuren von H. fanden die Ermittler an der Leiche. „Er hat sie von hinten erdrosselt.“ Das Urteil ist endgültig. Nur Verfahrensfehler könnte Roman H. jetzt noch für eine Revision geltend machen.

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