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Daniel M. muss laut Urteil dauerhaft in die Psychiatrie.

Gericht schließt Bewährung aus

Urteil: Scherenmann muss in die Psychiatrie

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Er hat einen Großeinsatz der Polizei am Kapuzinerplatz (Isarvorstadt) ausgelöst – jetzt muss Daniel M. dauerhaft in die Psychiatrie. Am Montag sprach das Landgericht sein Urteil.

München - Verurteilt wurde der Arbeitslose letztlich nur wegen Sachbeschädigung und Widerstand gegen Polizeibeamte. Doch nur mit viel Glück kam es am 19. Mai 2016 nicht zu einem tödlichen Drama. An diesem Tag war Daniel M. mit einer Haushaltsschere auf die Straße getreten und hatte sich damit an einem parkenden Auto zu schaffen gemacht. Anwohner dachten, er wolle die Reifen zerstechen und alarmierten die Polizei. Die Beamten schossen M. nieder – denn im Verfolgungswahn wollte er sich wehren und ging bedrohlich nahe auf die Polizisten zu.

Laut Richterin sieben bis acht, laut Verteidigung zehn Kugeln trafen den psychisch kranken Mann – eine genaue Zahl wurde selbst vor Gericht nicht bekannt. „Er wurde regelrecht durchsiebt“, sagt sein Verteidiger Roland Autenrieth. Nur mit viel Glück überlebte Daniel M. Denn die Kugeln trafen ihn am Bein und im Bauch. Ein paar Zentimeter weiter in der Mitte und es hätte in diesem Strafprozess keinen Angeklagten mehr gegeben.

Richterin Judith Engel bezeichnete den Fall als tragisch. M. sei von 15 bis 20 Polizisten gejagt worden, obwohl er niemanden angegriffen hatte. Aber: „Sein Verhalten ist trotzdem ein schweres Vergehen, da mit der Schere bewaffnet einen besonderen Widerstand geleistet hat.“ Auf die Aufforderung, die Schere wegzulegen, habe M. nicht reagieren können. „Seine Steuerungsfähigkeit war eingeschränkt.“ Nun, entschied Engel, muss er dauerhaft in die Psychiatrie.

Verteidiger Roland Autenrieth verwies auf die Ausnahmesituation seines Mandanten. „Eine Stichbewegung hat er nie ausgeführt.“ Damit hatten die Beamten zuvor begründet, auf Daniel M. geschossen zu haben. Solche Situationen sind unter Polizisten gefürchtet, denn auch Schutzwesten halten keine Stichverletzungen ab. Nähert sich ein Angreifer auf fünf Meter, sind Beamte einer potenziell tödlichen Gefahr ausgesetzt.

Im Fall Daniel M. wirkt das im Nachhinein fast kurios. „Er ist nicht mit einem Sprengstoffgürtel durch die Innenstadt gelaufen, sondern war offensichtlich verwirrt und hatte eine Haushaltsschere dabei“, kritisierte Autenrieth. Der Polizei-Einsatz ist aus seiner Sicht „sehr unglücklich“ gelaufen. „Die Beamten waren überfordert mit der Situation“, sagte der Verteidiger, „sie haben sich sogar ins eigene Auto geschossen“.

„Es tut mir sehr leid“, sagte Daniel M.. Er leidet unter Psychosen und hatte seine Tabletten nicht genommen. Nicht zum ersten Mal kam es in der Folge zu Auseinandersetzungen: In ähnlichen Situationen habe der Angeklagte bereits sein Aggressionspotenzial gezeigt, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Eine Bewährung schloss das Gericht für Daniel M. aus. Die Option, dass er in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, lehnte die Vorsitzende im Urteil ab.

Lesen Sie auch: Scheren-Mann vom Kapuzinerplatz: Darum bin ich ausgetickt

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