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Usain Bolt in München

Usain Bolt: Die schnellsten Beine der Welt in München

München - Man nennt ihn „Blitzschlag": Seit der Leichtathletik-WM in Berlin ist der jamaikanische Sprinter und Kurzstreckenweltrekordler Usain Bolt der schnellste Mann der Welt. Gestern kam er nach München, um für einen langsamen Lauf zu werben - das Ökoprojekt „The Long Run".

Lässig und ein wenig schüchtern betritt der dreifache Olympia-Sieger und Weltrekordler Usain Bolt den Saal im Arabella Sheraton Hotel. Er setzt sich auf einen Barhocker auf der Bühne und fummelt am Mikrofon herum. Von Zeit zu Zeit gähnt er, während ein Anzugträger am Rednerpult seiner Freude darüber Ausdruck verleiht, dass jetzt das Projekt „The Long Run" ins Leben gerufen wurde - ein Projekt der Zeitz-Stiftung, die der Vorstandvorsitzende der Puma AG, Jochen Zeitz, gegründet hat, um die Erde vor der Klimakatastrophe zu bewahren. Ein Ziel, das man nur langsam und auf lange Sicht - über „The Long Run" - erreichen könne. Zeitz will das schaffen, indem er weltweit Unternehmer fördert, die so genannten Ökotourismus anbieten, also nachhaltig wirtschaften.

Und weil Sportler manchmal tun müssen, was Sportler tun müssen - ihre Berühmtheit für einen guten Zweck zu verwenden - ist Usain Bolt als Botschafter des Projekts ins Arabella Sheraton gekommen. Bolt trägt Jeans, ein schwarzes Hemd mit dem Aufdruck „The Long Run" und Turnschuhe der Marke - genau - Puma. Brav sagt er, was von ihm erwartet wird: „Obwohl ich mich im Sport eher auf die Kurzstreckenläufe konzentriere, möchte ich andere inspirieren, bei ,Long Run' mitzumachen." Bolt spricht Englisch mit dem weichen jamaikanischen Akzent eines Rastamannes. Man muss sich konzentrieren, um zu verstehen, was er da ins Mikrofon nuschelt.

Wirklich überzeugt scheint er von Jochen Zeitz' Ökoprojekt nicht zu sein, weshalb sich der Moderator des Bühnengesprächs - kein Geringerer als der ehemalige Hürdenläufer und Olympiasieger Colin Jackson - genötigt sieht, zu fragen: „Hand aufs Herz, Usain, stehst du wirklich hinter dem Projekt?" „Ja", meint Bolt artig, denn er wolle auch die Vögel schützen. Jackson, der heute als BBC-Sportkommentator arbeitet, bleibt hartnäckig: „Wie wir wissen, bist du ein Liebhaber schneller Autos, Usain. Passt das zu einem nachhaltigen Lebensstil?" Der 23-jährige Bolt bittet um Nachsicht - mit Witz und Ironie: Er sei noch jung, aber „over the long run", auf lange Sicht, wolle er seine Autos aufgeben.

Plötzlich kommt Leben in den müde wirkenden Bolt, der am Vortag aus Jamaika eingeflogen wurde und offenbar mit dem Jetlag zu kämpfen hat: „Du fährst doch auch schnelle Autos", bellt er Jackson an. Der verspricht ein wenig kleinlaut, seinen Aston Martin bald aufzugeben und kurze Strecken nur mit seinem Roller zurückzulegen.

Widerspricht Tourismus nicht dem Anliegen der Nachhaltigkeit? „Wir sind uns bewusst, dass Reisen schlecht ist für die Umwelt", antwortet Jochen Zeitz.

Fragen, die sich nicht auf das Projekt beziehen, sind zwar nicht erwünscht, aber wenn der schnellste Mann der Welt schon mal nach München kommt, will man trotzdem wissen, ob es ihm hier gefällt. „Ich bin oft in München, weil mein Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hier ist", sagt Bolt.

Bettina Stuhlweissenburg

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