Auf den Straßen Münchens sieht man die neuen Variobahnen schon lange nicht mehr. Wann sie wieder ausrücken, ist derzeit nicht abzusehen. Foto: Marcus Schlaf

Die Variobahn auf dem Abstellgleis

München - Zwölf Millionen Euro kosten sie, die vier nagelneuen Tramzüge vom Typ Variobahn. Doch anstatt Bürger durch die Stadt zu kutschieren, stehen sie unbenutzt im Depot - seit Monaten. Die Münchner Verkehrsgesellschaft darf sie noch immer nicht einsetzen. Und die Fahrgäste bekommen das zu spüren.

Mit Stolz hatte die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im März 2009 die Tram der Zukunft präsentiert: Die „Variobahn“, ein Prachtstück aus dem Hause Stadler Pankow in Berlin. Knapp 34 Meter lang ist der taubenblaue Flitzer, er glänzt mit zeitlosem Design, Luftfederung, Videokameras und vielem mehr. Vier Variobahnen wurden 2009 geliefert, zehn weitere hat die MVG bestellt. Kosten insgesamt: Gut 40 Millionen Euro. Diese Züge sollen, so die MVG damals, das Bild der Stadt mitprägen - für die nächsten 30 Jahre.

Doch heute, fast zwei Jahre später, fehlen die Sonderzüge aus Pankow noch immer im Münchner Stadtbild. Die vier gelieferten Variobahnen, jede fast drei Millionen wert, stehen ungenutzt im Depot. Wann sie endlich fahren dürfen? Niemand der Beteiligten wagt eine Prognose.

Dabei waren die Variobahnen schon einmal auf Münchens Straßen unterwegs: Ende 2009 nahm die MVG sie vorläufig in Betrieb. Doch sieben Monate später war es damit schon wieder vorbei. Die MVG musste die Variobahnen vom Netz nehmen. Der Grund: Es fehlten Sicherheitsnachweise, die die Regierung von Oberbayern forderte, um endgültig die Betriebsgenehmigung zu erteilen.

Und die fehlen offensichtlich noch immer. Die Probleme sind technisch und komplex: Zunächst ging es unter anderem um das „Lichtraumprofil“ der Bahnen. Darunter versteht man den kritischen Bereich rund um den Zug, der frei sein muss, damit die Bahn nicht „aneckt“ oder in einer Kurve einen Zug auf dem Nebengleis berührt. Es fehlte der theoretische Nachweis, dass der Lichtraum definitiv eingehalten wird. Aktuell beschäftigen sich die Experten laut Regierung von Oberbayern noch mit weiteren Problemen: Etwa mit der Frage, ob die Brücken in der Stadt das Gewicht der Bahnen langfristig verkraften.

In der Vergangenheit hatten sich MVG und Regierung von Oberbayern gerne mal gegenseitig die Verantwortung für die Verzögerung zugeschoben. Heute beteuern beide Seiten einhellig, man arbeite gemeinsam konstruktiv an der Beseitigung der Probleme. Wie lange dies noch dauert? Könne man derzeit nicht sagen. Warum der Genehmigungsprozess so viel länger dauert, als von der MVG ursprünglich angenommen? Auch dazu schweigt die Verkehrsgesellschaft.

Verschärft wird das Problem noch durch drei weitere Züge, die der MVG derzeit fehlen. Es handelt sich um Trambahnen des Typs R2.2, die umgebaut wurden - und für die ebenfalls noch die Zulassung fehlt. Insgesamt stehen also sieben Züge ungenutzt im Depot.

Der Fahrgast bekommt das zu spüren. „Selbstverständlich fehlen uns die sieben Züge im Fuhrpark. Ihr Ausfall lässt sich leider nicht zu allen Zeiten vollständig kompensieren“, sagt Michael Richarz, Betriebsleiter bei der MVG. Daher könne es „vereinzelt zu Fahrtausfällen kommen“.

Andreas Nagel vom Verband „Aktion Münchner Fahrgäste“ sieht die Situation drastischer. „Für uns ist der Fahrplan vom totalen Wagenmangel gekennzeichnet.“ Wenn ein Fahrzeug in die Werkstatt müsse, würden oft reguläre Fahrten ausfallen. Und an „dringend notwendige Verstärkerfahrten“ sei gar nicht zu denken.

Durch die Probleme verzögert sich auch ein besonderes Wunsch-Projekt der MVG: die Batterie-Tram durch den Englischen Garten. Eine der vier Variobahnen wurde nämlich als Testfahrzeug für den neuen Antrieb auserkoren. Sie steht in Berlin und wurde dort laut MVG „ausführlich und erfolgreich“ getestet. Doch so lange die Variobahnen hier nicht fahren dürfen, kann die Akkutram nicht im Einsatz in München erprobt werden.

Johannes Patzig

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