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"Die mit dem rauhen Stil“

Lutz-Mitarbeiter machen ihrem Ärger Luft

München - Verzweiflung, Wut, Angst: Bei der ersten Betriebsversammlung nach der Geschäftsaufgabe kochten am Freitag bei den Mitarbeitern von XXXLutz die Emotionen hoch.

Die Gewerkschaft forderte unmissverständliche Zusagen, dass Gehälter weiter gezahlt werden. Die Hausleitung erklärte, sie sei von der Unternehmensentscheidung ebenfalls kalt erwischt worden.

„Die mit dem roten Stuhl“ , ist der bekannteste Werbespruch von XXXLutz. Von weitem konnte man im Gewerkschaftshaus auf die Idee kommen, all die Menschen in den bunten T-Shirts würden Werbung machen. Dabei gibt es wenig, worauf sie weniger Lust hätten. Auf den T-Shirts stand: „XXXLutz - Die mit dem rauhen Stil“.

Den warf die Gewerkschaft Verdi dem Unternehmen auch am Freitag vor. Wie berichtet, wurden die Mitarbeiter am vergangenen Samstag darüber informiert, dass die Filiale geschlossen werde. Am Donnerstag begann der Ausverkauf - mit Mitarbeitern aus anderen Filialen. Die 160 Mitarbeiter, die fast vollständig zur Betriebsversammlung kamen, sind freigestellt. Die These von Gewerkschaft und Betriebsrat: Durch ein geschicktes Konstrukt von Tochtergesellschaften könne sich XXXLutz aus der Verantwortung stehlen. Zwei solcher Tochtergesellschaften hätten den Standort betrieben. „Wir haben ja keinen Auftraggeber mehr, also können wir auch keine Löhne mehr zahlen“, so könnte die Argumentation des Arbeitgebers für den Sozialplan aussehen, sagte Verdi-Mann Dirk Nagel. Man tue so, als habe das mit dem Unternehmen XXXLutz nichts zu tun.

Tatsächlich zeigte sich der bisherige Geschäftsführer der zuständigen Tochtergesellschaft, Dirk Bader, am Freitag überrascht. Sein Anwalt Klaus Peter Maria Aumüller versicherte, die Entscheidung von XXXLutz sei auch für Bader „völlig überraschend“ gekommen. „Das wurde uns aufoktroyiert.“ Wie berichtet, durften die Angestellten schon am Montag nur noch mit Sicherheitsmitarbeitern ihre persönlichen Dinge aus dem Haus holen. Das sei aber keine Entscheidung Baders gewesen. „Wir sind nicht die Hausherren. Wir sind ebenfalls gekündigt worden.“ Verdi drängt jetzt auf eine Zusage des Mutter-Unternehmens, dass das Geld für eine Fortzahlung der Löhne und einen Sozialplan definitiv da ist. XXXLutz verweist auf eine Erklärung, derzufolge die vollen Löhne bis Ende Juni 2014 „garantiert“ sind.

Viele der Freigestellten sind noch sehr jung. Andere arbeiten schon Jahrzehnte im Haus, früher schon für Karstadt. Sie machten am Freitag ihrer Verzweiflung über das abrupte Ende des Standorts Luft. Verdi will nächsten Freitag am Marienplatz demonstrieren. Die Mitarbeiter überlegen, schon zuvor vor das Möbelhaus zu ziehen. „Wir müssen ja nicht arbeiten“, rief ein junger Mann. Der Ausverkauf hat laut XXXLutz gut angefangen. „Aber es ist noch genug für alle da.“

Felix Müller

Video vom Räumungsverkauf

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