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Sieht ihren Beruf nicht angemessen bezahlt: Erzieherin Ines Bauer.

Warnstreiks im öffentlichen Dienst

Münchner Erzieherin im Streik: „Uns fehlt Anerkennung“

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Im öffentlichen Dienst laufen Warnstreiks – auch in städtischen Kitas in München. Erzieherin Ines Bauer streikt auch. Uns hat sie erklärt, was sie antreibt.

München - Im öffentlichen Dienst wird am 10. April erneut gestreikt– auch in städtischen Kitas. Wieder dürften viele der 430 städtischen Kindertageseinrichtungen geschlossen bleiben. Welche Motive haben die Erzieher, sich am Streik zu beteiligen? „Für viele ist die angespannte Personalsituation ein Ärgernis“, sagt Verdi-Geschäftsführer Heinrich Birner. Nach dem langen Tarifkonflikt 2015, bei dem es um eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe ging, sei wieder „business as usual“ gefahren worden. Viele hätten sich damals mehr erwartet, darum gingen wohl gerade die Erzieher besonders motiviert in diesen Arbeitskampf.

Ines Bauer arbeitet als Erzieherin im städtischen Haus für Kinder am Lucia-Popp-Bogen in Obermenzing, wo 145 Kinder im Alter von eins bis sechs betreut werden. Die 38-Jährige ist selbst Mutter einer Tochter.

Frau Bauer, warum streiken Sie?

Wir wollen erreichen, dass sich die Zustände in den Kitas verbessern.

Welche Zustände meinen Sie?

Dass es zu wenig Personal gibt. Wir haben immer wieder Jahre, in denen wir nicht voll besetzt sind. Dann können Plätze nicht belegt werden, und bis vor Kurzem hatten wir verkürzte Öffnungszeiten.

Was, denken Sie, ist der Hauptgrund für den Personalmangel?

Der Hauptgrund ist die geringe Bezahlung. Sie motiviert zu wenige junge Leute, den Erzieherberuf zu ergreifen.

Beim Arbeitskampf im Jahr 2015 ging es um eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Wurde damals zu wenig erreicht?

Sieht ihren Beruf nicht angemessen bezahlt: Erzieherin Ines Bauer.

Das war ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir haben zwar nun die Arbeitsmarktzulage, aber die kann von heute auf morgen wieder gestrichen werden. Wir fordern ein höheres Grundgehalt, weil damit auch die Anerkennung unserer Arbeit einhergeht.

Wo fehlt Ihnen die Anerkennung?

Wir haben eine fünfjährige Ausbildung, trotzdem ist unser Einstiegsgehalt geringer als in den meisten kaufmännischen Berufen – obwohl wir uns um die Kinder, unsere Zukunft, kümmern. Und obwohl andere Ausbildungen nur drei Jahre dauern.

Was ist das Tolle und zugleich Herausfordernde an Ihrem Beruf?

Die Kinder in ihrer Entwicklung zu fördern und zu unterstützen, ist eine große Herausforderung – doch auch wunderbar, da es sichtbare Erfolgserlebnisse gibt, die wirklich wichtig sind in unserer Gesellschaft. Zu individualisieren ist hierfür die Basis – aber mit zu wenig Personal nicht machbar.

Wie haben sich die Herausforderungen in den letzten Jahren verändert?

Neuerdings nehmen wir beispielsweise auch Kinder mit Inklusionsbedarf auf, was neue Ansprüche bedeutet. Die Herausforderungen nehmen weiter zu, doch die Bezahlung bleibt gleich. Wir fordern auch mehr Geld für die Kinderpfleger und Praktikanten. Außerdem streike ich solidarisch etwa für die Pfleger in den Krankenhäusern mit, wo die Zustände ja oft katastrophal sind.

Der öffentliche Dienst fordert sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro monatlich mehr. Sind Sie optimistisch, dass sich etwas verbessert?

Ich bin zuversichtlich, dass sich mit der neuen Bundesregierung etwas tun könnte. Da scheint es schon einige Leute zu geben, die sich für einen besseren Sozialstaat einsetzen wollen.

Wie gehen die Eltern in Ihrer Einrichtung mit dem drohenden Streik um?

Die meisten Eltern sind sehr solidarisch und unterstützen uns. Sie bekommen ja hautnah mit, was es bedeuten kann, wenn zu wenig Personal da ist.

Hier finden Eltern aktuelle Infos zum Streik.

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