Der Forschungsreaktor FRM II der TU München soll auch nach 2010 mit atomwaffentauglichem Uran betrieben werden.

Verlängerung für Garchinger Reaktor

München - Der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München soll nach Plänen des Bundesforschungsministeriums auch nach 2010 mit atomwaffentauglichem Uran betrieben werden.

Neuer Streit um die Neutronenquelle in Garching: Weil sich die für 2010 vereinbarte Umrüstung des Forschungsreaktors verzögert, soll die Anlage mindestens sechs Jahre lang weiter mit hoch angereichertem, waffenfähigen Uran betrieben werden. Die Grünen fordern deshalb die Abschaltung des Reaktors.

In der Fachwelt waren die Probleme schon länger bekannt, jetzt bestätigt es die Bundesregierung schwarz auf weiß: Der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München muss länger als bisher geplant mit hoch angereichertem Uran (HEU) betrieben werden. Die amtlichen Auflagen für den Betrieb des umstrittenen Reaktors können deshalb nicht mehr eingehalten werden.

Ursprünglich sollte die Neutronenquelle bis Ende 2010 von Brennstoff mit hoher Anreicherung auf Brennstoff mit niedriger Anreicherung umgerüstet werden. „Inzwischen steht fest, dass bis Ende nächsten Jahres ein neuer hochdichter Brennstoff niedriger Anreicherung (…) nicht zur Verfügung stehen wird und deshalb auch eine Umrüstung des FRM II bis Ende 2010 nicht möglich sein wird“, heißt es in einer Stellungnahme des Bundesforschungsministeriums in Berlin, die unserer Zeitung vorliegt. Ein alternativer Brennstoff, der die amtlichen Auflagen erfüllt, werde voraussichtlich erst im Jahr 2016 verfügbar sein, so das Ministerium. Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und die bayerische Staatsregierung wollen die Frist für die Umrüstung des Reaktors entsprechend verlängern.

Der vor fast fünf Jahren in Betrieb genommene Forschungsreaktor der Technischen Universität München liefert Neutronen für die Wissenschaft. Nach langem Streit zwischen der CSU-Regierung in Bayern und der rot-grünen Koalition in Berlin hatte das Bundesumweltministerium 2003 die Inbetriebnahme genehmigt – jedoch nur unter der Auflage, dass der über 400 Millionen Euro teure Reaktor bis 31. Dezember 2010 auf moderne Uran-Brennelemente niedriger Anreicherung umgestellt wird.

„Wir haben alles getan, um den Reaktor umzurüsten, aber trotz intensiver Forschung gibt es heute weltweit noch keine sicheren Kernbrennstoffe mit der notwendigen Dichte“, sagt Winfried Petry, wissenschaftlicher Direktor des Reaktors. Die Beantragung einer neuen Genehmigung bei der Atomaufsicht hält die TU nicht für erforderlich: In der laufenden Betriebsgenehmigung sei ausdrücklich vermerkt, dass die Umrüstung bis 2010 nur „nach Stand von Wissenschaft und Technik“ erfolgen könne. „Dieses Ziel war für uns leider nicht erreichbar“, so Petry. Das Jahr 2016 sei aus heutiger Sicht „ein optimistischer, aber immer noch realistischer Zeitpunkt“ für die Umrüstung.

Während das Bundesforschungsministerium die Frist für die Umrüstung um mindestens sechs Jahre verlängern will, fordern die Grünen erneut die Stilllegung des Reaktors: „Es ist unverantwortbar, dass die vereinbarte Umrüstung auf nicht-waffenfähiges Uran ab 2010 aufgehoben werden soll“, sagt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell. Er kritisiert, es sei „von Anfang an ein Fehler“ gewesen, waffenfähiges Uran für einen Übergangszeitraum zuzulassen. Fell: „Ich fordere die Abschaltung des FRM II ab 2010, bis Brennstäbe mit niedrig angereichertem Uran zur Verfügung stehen.“ Waffenfähiges Uran in Forschungsreaktoren erschwere die weltweiten Abrüstungsbemühungen. „Die FDP/CSU-Regierung in München und CDU-Ministerin Schavan stellen sich damit gegen die Abrüstungspolitik der neuen US-Regierung unter Obama.“

Holger Eichele

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