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Schule als Chance? Kinder mit Migrationshintergrund haben deutlich schlechtere Aussichten im Schulsystem. 

Die Verlierer im Schulsystem

München - Bildung ist in München oft eine Frage der sozialen Herkunft. Die Stadt tut zwar bereits viel für mehr Gerechtigkeit. Ausruhen ist dennoch nicht angesagt.

Gerechtigkeit sieht anders aus: Je besser die Schulbildung und je dicker der Geldbeutel der Eltern, umso besser die Bildungsresultate der Kinder. Das hat der Bildungsbericht 2010 deutlich gezeigt: Nun hat die Stadt die Ergebnisse noch detaillierter ausgewertet - im „Chancenspiegel Bildung“, dessen Resultate 200 Experten diskutiert haben. Die Ergebnisse:

-Soziale Herkunft: Je höher der soziale Status, umso größer die Chance des Kindes, aufs Gymnasium zu gehen: „Dieser Zusammenhang ist auch in München sehr deutlich“, sagt Wolfgang Brehmer, Vize-Chef der Abteilung strategisches Bildungsmanagement im Münchner Bildungsreferat. Es bestätigten sich deutschlandweite Untersuchungen, nach denen die Chancen eines Kindes aus der unteren Schicht, es aufs Gymnasium zu schaffen, sechs Mal geringer seien als die eines Kindes aus einem Besserverdienerhaushalt. Die Münchner Auswertung auf der Basis von Angaben über den Bildungsstand und die Kaufkraft der Eltern ergab: Ist der Faktor „sozialer Status“ an einer Grundschule um zehn Prozent höher, schaffen es rund sieben Prozent mehr Kinder aufs Gymnasium.

Deutlich wird der Handlungsbedarf auch beim Blick in die Viertel. In Quartieren wie Schwabing, Nymphenburg und Bogenhausen lag die Übertrittsquote aufs Gymnasium zuletzt bei über 60 Prozent. In Neuperlach, Milbertshofen und Aubing dagegen schafften den Sprung kaum 40 Prozent.

-Migrationshintergrund: Deutlich schlechtere Chancen haben Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sie sind an der Hauptschule mit einem Anteil von 61,2 Prozent stark überrepräsentiert. Am Gymnasium dagegen liegt der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund bei lediglich 16,6 Prozent. Ein großes Ungleichgewicht zeigt sich auch bei den Abschlüssen: So ist etwa der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund, die eine Berufsschule ohne Erfolg durchlaufen, doppelt so hoch wie bei deutschen Schülern.

-Geschlecht: Buben werden immer mehr zu Sorgenkindern im Bildungssystem. Sie sind an Haupt- und Förderschulen deutlich überrepräsentiert - 2009 waren 54,4 Prozent der Haupt- und 61,8 Prozent der Förderschüler Jungen. Gymnasien besuchen dagegen mehr Mädchen, 2009 waren es 20 894 - und nur 18 441 Buben. Zudem fallen Jungen erheblich öfter durch. Und: Der Anteil der Buben, die ohne Abschluss von der Hauptschule abgehen, ist mit 9,8 Prozent deutlich höher als bei Mädchen (5,7 Prozent).

-Behinderte Schüler: Auch Behinderte werden im System abgehängt. Nur 9,8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf besuchten allgemeine Schulen. Und: 60 Prozent aller Schüler verlassen die Förderschulen ohne Abschluss.

Die Stadt reagiere bereits mit vielen Maßnahmen auf die Erkenntnisse, heißt es im Chancenspiegel. Sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe die Münchner Bildungssteuerung als positives Beispiel erwähnt. „Wir waren 2006 bundesweit die erste Stadt, die einen Bildungsbericht eingeführt hat“, betont Brehmer. Und auch die Förderformel, nach der Kindertagesstätten mit sozialen Belastungen mehr Geld bekommen, wird als wichtiger Schritt hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit gesehen. 50 Millionen Euro jährlich investiert die Stadt hier. „Das war ein Jahrhundertbeschluss“, glaubt Brehmer.

Zudem setzt die Stadt auf mehr Information über Bildung und eine bessere Vernetzung zwischen den Beteiligten. Das bieten etwa die drei „Bildungslokale“ im Hasenbergl, in Neuperlach und auf der Schwanthalerhöhe, die zuletzt eingerichtet wurden. Bald sollen weitere öffnen. Um Buben besser zu fördern, soll noch mehr Wert auf Leseförderung gelegt werden. Und: Die Experten waren sich einig, dass es mehr männliches Erzieherpersonal brauche, damit auch Jungen Identifikationsfiguren haben. Um Nachteile, die durch die Herkunft entstehen, auszugleichen, setzt die Stadt auf die Ganztagsschule. „Wenn zu Hause zu wenig Unterstützung da ist, ist der Ganztag eine echte Chance“, betont Brehmer.

Caroline Wörmann

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