Ude verzichtet auf Direktmandat

München - Die mögliche Bewerbung Christian Udes (SPD) als Ministerpräsident hat die CSU in Unruhe versetzt. Trotzdem können die Christsozialen durchatmen - denn ein Direktmandat strebt OB Ude nicht an.

Es gibt ein Foto von Ludwig Spaenle, das zeigt, wie eng Sieg und Niederlage auch in der Politik manchmal beieinander liegen. Auf dem Bild sitzt der CSU-Politiker völlig bedient und ganz alleine im Kreisverwaltungsreferat auf einem Stuhl und bangt um sein Direktmandat für den Landtag. Verliert er, ist es erst mal aus mit der großen Politik. Doch das Schicksal ist am 28. September 2008 gnädig: Spaenle gewinnt ganz knapp gegen Isabell Zacharias von der SPD. Er holt das Direktmandat im Stimmkreis Schwabing für die CSU und wird hinterher sogar Kultusminister in Bayern.

2013 hätte es für Spaenle womöglich düster ausgesehen – unter zwei Voraussetzungen. Erstens: Christian Ude wird bei der Landtagswahl tatsächlich Spitzenkandidat der SPD. Zweitens: Der OB bewirbt sich um ein Direktmandat in einem der acht Münchner Stimmkreise. Letztlich kämen für den Schwabinger zwei der Wahlbezirke in Frage: der Stimmkreis 104 Milbertshofen, für den Franz Maget im Landtag sitzt und in dem auch Ude wohnt. Und der Stimmkreis 108 Schwabing, den Spaenle zuletzt eroberte.

Zuletzt machten schon in der CSU Spekulationen die Runde, die SPD könnte es auch darauf abgesehen haben, Spaenle in den politischen Vorruhestand zu versetzen. Doch nun hat Ude abgewunken: „Ich würde mich im Fall meiner Kandidatur um einen Platz auf der Oberbayern-Liste bewerben und nicht für einen Stimmkreis“, erklärt der OB. Das hieße: Ude wird auf der Liste die Nummer eins und könnte so sicher sein, in den Landtag einzuziehen. Und er müsste keinem anderen Genossen das Direktmandat abspenstig machen. Entsprechende Gespräche habe er schon geführt, sagt Ude. Bezirksrätin Ruth Waldmann, die Franz Maget im Stimmkreis 104 beerben könnte, habe zwar erklärt, zu seinen Gunsten auf eine Kandidatur zu verzichten, sagt Ude. Doch das wird nun nicht nötig sein. Auch nicht für Isabell Zacharias in Schwabing. Es sei ohnehin „noch reizvoller“, wenn Spaenle bei der Landtagswahl 2013 nicht gegen ihn, sondern gegen eine Kandidatin unterliege, stichelt Ude.

Die SPD in der Landeshauptstadt erhofft sich jedenfalls Rückenwind von einer Kandidatur Udes – und dass sie 2013 nicht nur eines der acht Direktmandate erringt wie 2008 mit Franz Maget. „Das wird für alle Genossen einen Hype geben“, meint Genossin Zacharias, die es 2013 gegen Spaenle packen will. „Diesmal verliert er.“

Doch auch andere Stimmkreise könnten für die CSU wackeln. In Giesing lag 2008 der Christsoziale Andreas Lorenz nur 2,5 Prozentpunkte vor Adelheid Rupp (SPD). Uneinholbar ist das nicht. Ebenso nicht die 2,8 Prozentpunkte Vorsprung von Georg Eisenreich (CSU) auf Ludwig Wörner (SPD) im Stimmkreis Altstadt-Hadern oder die 3,9 Prozent von Thomas Zimmermann (CSU) auf Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD) in Bogenhausen. Auf „Ballhalten“ könne die CSU jetzt jedenfalls nicht mehr setzen, meint ein Christsozialer aus dem Maximilianeum. „Jetzt muss man Akzente setzen.“

Dass Ude sich nicht um einen Stimmkreis bewerben will, könnte noch einen Grund haben. Gewänne er diesen, die SPD verlöre aber die Wahl, könnte er sich weniger leicht auf den OB-Posten zurückbesinnen. Münchens CSU-Chef Spaenle hatte diese Strategie Udes bereits als „unanständig“ kritisiert. Nun schießt Ude zurück. Auch Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber hätten ihr Bundestagsmandat nach gescheiterten Kanzlerkandidaturen sausen lassen, sagt Ude. „Entweder kennt Herr Spaenle nicht einmal die größten Daten der CSU-Geschichte, oder er will mit den Größen der CSU brechen und sie ins moralische Abseits stellen.“

Matthias Kristlbauer

Rubriklistenbild: © dpa

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