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Szene aus dem Pendleralltag: Die Fahrgäste sind da, aber der Zug lässt auf sich warten. Mal wieder "Verzögerungen im Betriebsablauf"?

Die Wahrheit hinter der Bahn-Durchsage

Was "Verzögerungen im Betriebsablauf" wirklich bedeutet

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München - Die Bahn kommt. Nur manchmal halt ein bisserl später. "Verzögerungen im Betriebsablauf", schallt es dann meist aus den Lautsprechern. Warum geht das eigentlich nicht im Klartext?

Wenn sich die Fahrgäste schon ärgern, dann wenigstens richtig. Nach dieser Prämisse scheint die Informationspolitik der Bahn manchmal zu funktionieren. Wenigstens die Verspätungsursache zu wissen, wünschen sich viele Fahrgäste. Andere ergehen sich in wilden Spekulationen, meist eher genervt als besorgt.

Allzu dramatisch ist die Lage oft gar nicht. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt die Bahn ausführlich, was hinter den verklausulierten "Verzögerungen im Betriebsablauf" steckt – und wirbt um Verständnis für die unklaren Ansagen.

So gebe es für sehr viele Verspätungen keine klare Ursache. "Viele Kleinigkeiten, die durch die Bahn oder durch Dritte verursacht sind, schaukeln sich auf", erklärt ein Konzernsprecher. Zu ersteren Ursachen gehörten Störungen am Zug oder an den Signalanlagen sowie Stellen, an denen die Züge wegen "Schienen-Schlaglöchern“ langsam fahren müssten. Manchmal liege der Grund aber auch bei anderen – wenn ein Rollstuhlfahrer Zeit zum Einsteigen braucht, Passagiere die Lichtschranke blockieren oder sich Menschen im Gleisbereich tummeln und so Zwangsbremsungen verursachen.

Kleine Verspätungen schaukeln sich auf – zu "Verzögerungen im Betriebsablauf"

Egal, was der Grund für solche Mini-Verzögerungen ist, diese "schaukeln sich auf", sagt die Bahn: "Ein so verspäteter Zug blockiert ein Gleis, sodass ein nachfolgender Zug ebenfalls verspätet ist. Oder an einem Knotenbahnhof wartet ein an sich pünktlicher Zug auf Reisende aus einem anderen, verspäteten Zug.“ Solche "Domino-Effekte" ohne eine Hauptursache firmierten im Bahn-Sprech dann eben als "Verzögerungen im Betriebsablauf".

Der „Flaschenhals Stammstrecke“ - ein Münchner Spezialproblem

Dass diese Meldung bei der Münchner S-Bahn, deren Betreiberin ebenfalls die Deutsche Bahn ist, besonders oft durchgegeben wird, liege am "Flaschenhals" Stammstrecke, so der Bahn-Sprecher weiter. 80 Prozent aller Verspätungen von mehr als fünf Minuten seien auf "sekundäre Ursachen", also auf die Summe verschiedener kleinerer Verspätungen zurückzuführen.

Alle zwei Minuten fährt während der Hauptverkehrszeit ein Zug durch die Stammstrecke, das sind 30 Züge die Stunde – und das in beide Richtungen. Das zwingt die S-Bahn dazu, die Haltezeiten knapp zu kalkulieren: Zwischen 24 und 42 Sekunden, rechnet der Sprecher vor, rechnet die Bahn je nach Station für einen "Halt mit Fahrgastwechsel" ein.

Sobald ein Zug diese Zeit nicht einhalte gebe es auch Verspätungen für die Züge, die dahinter "in der Schlange stehen". Und dann heißt es eben wieder: "Sehr verehrte Fahrgäste, wegen Verzögerungen im Betriebsablauf ist derzeit mit Verspätungen zu rechnen. Wir bitten um Entschuldigung." Wem sich bereits beim Lesen dieser Worte die Nackenhaare sträuben, der hat für die wenig aussagekräftige Durchsage vielleicht in Zukunft zumindest ein kleines bisschen mehr Verständnis.

Zweite Stammstrecke: Erster Blick in neuen S-Bahn-Tunnel

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