Der große Traum: Hildegard und Johannes Denninger zeigen immer noch Flagge für ihr Sozialprojekt, aber aktiv suchen sie nicht mehr nach einem Ersatzstandort. Oliver Bodmer

Viel Frust und ein bisschen Hoffnung

München - Fast zwei Monate ist es her, dass der Landtag dem „Hotel Biss“ eine Absage für den alten Frauenknast in der Au erteilt hat. Noch hoffen die Initiatoren auf einen anderen Standort - und doch herrschen immer noch Wut und Frust vor.

Es ist eine Erinnerung, die Johannes Denninger immer noch Mut macht. Nein, der jahrelange Kampf um das Sozialprojekt sei nicht umsonst gewesen, sagt der Ehemann von „Biss“-Geschäftsführerin Hildegard Denninger - und erinnert sich an die Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone. „Wir hatten noch gar nicht richtig aufgebaut, da stand schon eine Schlange von Menschen, die unterschreiben wollte“, erinnert er sich schmunzelnd. „Das man etwas macht, das ankommt - diese Erfahrung kann einem keiner nehmen.“

Fast zwei Monate nach der Landtags-Entscheidung sind die beiden noch nicht über die Absage hinweg. „Es schmerzt immer wieder“, sagt Hildegard Denninger. Viele Jahre haben Denninger, ihr Mann und hunderte Unterstützer für das Hotel gekämpft - am Ende ohne Erfolg. Biss wollte den alten Frauenknast in ein Vier-Sterne-Hotel verwandeln, in dem 40 benachteiligte Jugendliche eine Ausbildung bekommen sollten. Am Ende bekam ein Investor den Zuschlag, der 16 Millionen Euro zahlen konnte - zehn mal so viel wie Biss.

„Das war eine Routineentscheidung“, schimpft Hildegard Denninger, „der Höchstbietende kriegt es“. Bis Ende des Jahres hoffen die Denningers noch auf „ein Wunder“, darauf, dass ihnen ein zentraler Standort angeboten wird. „Wir suchen aber nicht mehr aktiv“, „das haben wir sieben Jahre lang gemacht“. Im Moment lässt es die Geschäftsführerin langsamer angehen - auch aus gesundheitlichen Gründen. „Wenn meine Chemotherapie vorbei ist, mache ich das erste Mal in meinem Leben eine Kur“, sagt sie, „und danach geht es wieder frisch auf“.

Hildegard Denninger spricht liebevoll von „unseren Kerlen“, denen sie eine Ausbildung geben wollte. Ihnen soll das gespendete Geld auch dann zugute kommen, wenn das Hotel-Projekt endgültig stirbt. Dann sollen andere Initiativen unterstützt werden. Nur wenige Spenden waren an den alten Frauenknast gebunden - diese sind bereits zurücküberwiesen worden.

Der Geschäftsführerin fällt es immer noch schwer, nach vorne zu blicken, so lange hat sie um das Hotel gekämpft. Sie hilft sich mit einem Rat, den sie auch den Biss-Verkäufern auf den Weg gibt: „Ich sage ihnen immer, dass man wieder aufstehen muss und wie wichtig es ist, weiterzumachen.“

Felix Müller

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