Thomas Bach Präsident des DeutschenOlympischen Sportbundes dpa

Viele Gründe gegen Olympia

München - Die Niederlage bei der Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 ist kaum verdaut, da kommt schon der nächste Rückschlag. Auch 2022, das ist fast sicher, wird es kein sportliches Wintermärchen in München geben. Das hat mehrere Gründe.

Als die Enttäuschung am größten war, keimte neue Hoffnung. Münchens Olympiaträume 2018 scheiterten zwar schon im ersten Wahlgang, das sportliche Konzept aber wurde von allen Seiten in den weiß-blauen Himmel gelobt. Es sei, hieß es, keine Entscheidung gegen München - sondern lediglich eine Entscheidung für Pyeongchang. Ansporn genug, einen zweiten Anlauf zu wagen. Doch bevor der richtig Tempo aufnehmen konnte, wurde er schon gegen die Wand gefahren.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sich heute, das ist so gut wie sicher, gegen eine erneute Bewerbung 2022 aussprechen. Die Formulierung, „zum jetzigen Zeitpunkt“ ist von einer Bewerbung abzusehen, lässt ein Hintertürchen offen - aber nur ein sehr kleines. Der DOSB verweist auf die politische Großwetterlage. Bis zum Herbst 2013 müssen die Bewerber-Städte ihre Unterlagen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abgegeben haben. Zur gleichen Zeit finden aber auch die Bundestagswahl und die bayerische Landtagswahl statt. Sollte sich die Macht im Land verschieben und die Grünen in Regierungs-Verantwortung kommen, sinken die Chancen für Olympia rasant. Die deutliche Mehrheit der Partei ist strikt gegen Winterspiele in Bayern. Dem DOSB würde der dringend notwendige politische Rückenwind fehlen. Der Verband streicht sicherheitshalber schon jetzt die Segel.

Die Gründe für die Ablehnung durch den DOSB sind in Wahrheit aber zahlreicher, als sie in der Beschlussvorlage der Mitgliederversammlung stehen. Ausgerechnet ein Deutscher könnte den Olympia-Träumen entscheidend schaden. DOSB-Chef Thomas Bach werden Ambitionen auf das Amt des IOC-Präsidenten nachgesagt. Es heißt, er habe sich noch nicht entschieden, sei aber interessiert. Der amtierende Präsident Jacques Rogge wird 2013 abtreten. Sollte Bach tatsächlich Rogges Nachfolger werden, mindert das die Chancen Münchens deutlich. Denn wenn es nur zwei Jahre nach seiner Wahl um die Vergabe der Spiele 2022 geht, wird das IOC den Deutschen kaum ein weiteres Geschenk machen.

Auch die Ambitionen der USA könnten eine gewichtige Rolle spielen. Die letzten Olympischen Spiele auf amerikanischen Boden fanden 2002 in Salt Lake City statt. Den Zuschlag für 2018 hat Südkorea erhalten. Die Sommerwettbewerbe 2020 werden mit großer Wahrscheinlichkeit in Europa stattfinden. Aus Sicht der USA wäre man 2022 wieder selbst an der Reihe. Aufgrund der enorm hohen Einnahmen aus den amerikanischen TV-Rechten kann der nationale Verband mächtigen Druck auf das IOC ausüben. Unter vorgehaltener Hand heißt es aus DOSB-Kreisen: Wenn die USA antreten, kann Deutschland einpacken.

Nicht zuletzt hat auch die Grundstücks-Diskussion in Garmisch-Partenkirchen der Bewerbung geschadet. Schon kursieren Gerüchte im DOSB, bei einer künftigen Bewerbung wolle man sich lieber an Berchtesgaden als alpinen Partner binden. Wenn die Spiele denn überhaupt kommen.

Thomas Schmidt

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