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Extrem anstecken und hochgefährlich: Noro-Viren halten München in Atem.

Extrem viele Fälle in der Stadt

Wegen Noro-Virus! Experten schlagen in München Alarm

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München - Noro-Viren und kein Ende - auch kurz vor Weihnachten beschäftigen die Erreger viele Experten. Zuletzt wurde sogar eine Schule fast komplett lahmgelegt.

Schöne Bescherung - ausgerechnet vor Weihnachten: Ungewöhnlich viele Münchner plagen sich derzeit mit heftigem Durchfall, Erbrechen und den Folgen herum. Schuld an der unfreiwilligen Toiletten-Turnerei sind sogenannte Noro-Viren, die sich bereits seit einigen Wochen wesentlich aggressiver als sonst in der Stadt ausbreiten. So hat das Gesundheitsreferat allein in der ersten Dezember-Hälfte etwa 630 Fälle in 42 Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen registriert. Auch Münchner Krankenhäuser und Arztpraxen berichten von einer auffälligen Häufung.

Dazu dürfte eine hohe Dunkelziffer an Betroffenen kommen. Denn oft werden die Patienten einer Magen-Darm-Erkrankung gar nicht auf bestimmte Erreger getestet, sondern nur ihre Symptome behandelt. Wie hochansteckend Noro-Viren sind, kristallisiert sich an einem Schwabinger Gymnasium heraus: Dort hat es bislang schon 267 von 1017 Schülern erwischt - noch dazu viele Lehrer, inklusive der Direktorin. Im großen tz-Gesundheitsreport erklären Betroffene und Experten, warum die Noro-Viren so tückisch sind, weshalb sie heuer besonders vielen Menschen zu schaffen machen und wie man sich dagegen wappnen kann. 

Norovirus legt Schule lahm

„Uns wäre es lieber gewesen, dass die Schule diese Woche geschlossen geblieben wäre“, sagt Sekretärin Giovanna Medic (46). Am Gisela-Gymnasium in Schwabing haben Noroviren ein Viertel der Schüler außer Gefecht gesetzt. Von 1017 Kindern und Jugendlichen fehlten am Montag 267! Jetzt hat es auch Rektorin Marianne Achatz (61) erwischt.

Seit Mitte Dezember nehmen die Fälle an dem Gymnasium dramatisch zu. „Die Schüler kamen reihenweise zu mir, waren teilweise kreidebleich“, sagt Medic. In einer sechsten Klasse vermutet die Schule den Ursprung allen Übels. Laut Medic seien dort am Montag nur zwölf von 30 Kindern erschienen.

Jeder vierte Schüler ist krank

Gisela-Gymnasium in Schwabing.

Ein Viertel der Schüler ist krank. Für das Gesundheitsamt ist das aber noch zu wenig, den Unterricht auszusetzen. Dabei wäre es zu Beginn dieser Woche laut Medic höchste Zeit gewesen, die Schule dichtzumachen. „Wir schicken die Kinder schon auf Eigeninitiative heim“, sagt die Sekretärin. Ein Problem sei auch, dass Eltern ihre Kinder wieder zum Unterricht schicken, obwohl sie den Virus noch in sich tragen. So könne sich die Krankheit weiter ausbreiten. Nach Auskunft der Schulleitung sei am Montag der Höchststand erreicht worden. „Es kehren immer mehr Schüler zurück“, sagt Medic.

Doch jetzt übertragen sich die Viren auf die Erwachsenen. Sechs Lehrer sind krank, auch Rektorin Marianne Achatz kämpft seit gestern gegen die hochansteckende Magen-Darm-Krankheit. Dabei hat die Schule nach Bekanntwerden der Infizierungswelle alles Mögliche unternommen, Türklinken und Klassenräume desinfiziert. Nicht nur das Schwabinger Gymnasium ist betroffen. Alleine in München meldeten 42 Schulen und Kitas Noro-Ausbrüche.

Der zähe Erreger

Internist Dr. Karlheinz Zeilberger.

Ob an Toiletten, Türklinken oder Kleidungsstücken: Noroviren sind zäh, sie können wochenlang überleben - sogar bei klirrender Kälte von minus 20 Grad oder großer Hitze bis 60 Grad. Noch dazu haben wir es derzeit wahrscheinlich mit einer neuen, besonders tückischen Virusvariante zu tun. Diesem Verdacht gehen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts nach. In diesem Experten-Zen­trum des Bundes für Infektionskrankheiten laufen alle Informationen über die Verbreitung der Noroviren zusammen.

Vieles deutet darauf hin, dass sich gerade ein sogenannter Subtyp ausbreitet, der dem menschlichen Immunsystem große Probleme macht. Wenn man sich mit Noroviren infiziert, können schon nach sechs Stunden heftige Beschwerden auftreten - vor allem explosionsartiges Erbrechen und Durchfall, teils verbunden mit Bauchkrämpfen, der die Betroffenen binnen kürzester Zeit massiv schwächt. „Sie verlieren durch die Ausscheidungen viel Flüssigkeit“, erläutert der Münchner Internist Dr. Karlheinz Zeilberger. „Deshalb ist es wichtig, dass man viel trinkt.“ Dies gelte generell bei Magen-Darm-Erkrankungen, so der Mediziner, der in seiner Praxis derzeit vermehrt entsprechende Patienten sieht.

Noroviren lassen sich durch Stuhltest nachweisen

Ob Noroviren für die Beschwerden verantwortlich sind, lässt sich in der Regel mit einem Stuhltest feststellen. Der Test wird meist dann gemacht, wenn der Betroffene besonders viele Menschen anstecken könnte - etwa in Krankenhäusern. „Wir testen Durchfallpatienten, die zu uns in die Notaufnahmen kommen, direkt, und wenn sich der Test bestätigt, werden diese entsprechend untergebracht und behandelt, sodass andere Patienten vor Übertragungen geschützt werden“, berichtet der Hygieneexperte Dr. Gerhard Schwarzkopf-Steinhauser vom städtischen Klinikum. „Heuer sind bedeutend mehr Patienten von Noroviren betroffen als in den Vorjahren.“

Um die Ausbreitung einzudämmen, rät das Gesundheitsreferat zur strikten Einhaltung von Hygieneregeln: „Besonders wichtig ist regelmäßiges Händewaschen. Und damit man andere nicht anzusteckt, sollte man auch nach Abklingen der Symp­tome noch ein, zwei Tage zu Hause bleiben“, betont Dr. Alois Maderspacher.

Johannes Heininger, Andreas Beez

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