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Notwendiges Übel: Münchens Stadtbild wird im August von Baustellen dominiert.

So viele Sommer-Baustellen hat München noch nie gesehen

München - Mehr störende Baustellen als in diesem Sommer hat München wohl noch nie gesehen: Tramlinien sind lahmgelegt, Verkehrsadern verengt, Plätze blockiert. Die Stadt nennt die Belastung „grenzwertig“ – aber unvermeidlich.

Es wäre eigentlich eine gute Zeit für einen Einkaufsbummel. Die Sonne scheint und auf den Flaniermeilen der Altstadt ist wegen der Ferien ein bisschen weniger los als sonst. Aber wer glaubt, dort ungestört bummeln zu können, der dürfte mancherorts herbe Enttäuschungen erleben.

Eine breite Schneise der Verwüstung zieht sich über einen belebten Abschnitt der Theatinerstraße und von dort durch die gesamte Perusastraße. Das Erdreich ist aufgerissen, riesige Pflastersteine liegen aufgehäuft – die Stadtwerke sanieren die Tramschienen. Damen in Kostümen, die zu Prada oder Tiffany wollen, quetschen sich leicht angewidert auf den engen Pfaden zwischen Bauzäunen und Fassaden vorbei. In der Maximilianstraße geht der Ärger weiter: Hier sieht man Flaneure, die versuchen, sich mit Einkaufstüten in den Händen die Ohren zuzuhalten und den Staub von der Kleidung zu klopfen – so heftig wird in der Tramtrasse gebohrt und gehämmert.

Doch es sind nicht nur die Prachtmeilen, die in diesen Sommerferien unter Baustellen zu leiden haben. Es scheint, als sei ganz München in ein beispielloses Baufieber verfallen. Verkehrsadern, zentrale Plätze, Tram- und Buslinien, überall ist „mit Behinderungen zu rechnen“, wie die Verantwortlichen warnen.

So ist der Hauptbahnhofs-Vorplatz auf der kompletten Ostseite gesperrt, weil darunter das Untergeschoss saniert wird. Wegen Gleisbett-Arbeiten entlang der Tramlinie 18 und 19 gibt es Großbaustellen nicht nur an Theatiner- und Maximilianstraße, sondern unter anderem auch in der Bayerstraße, am Lenbachplatz und in der Inneren Wiener Straße. Die Tram 18 fährt gar nicht mehr, die 19er nur stark verkürzt. In den äußeren Stadtgebieten sind viele Hauptverkehrsadern betroffen. Die Denninger Straße ist teilweise zur Einbahnstraße geworden (die SWM verlegen Fernwärmeleitungen), an der Tegernseer Landstraße im McGraw-Graben fallen zeitweise Fahrspuren weg (das Baureferat werkelt an Schutzplanken). Und freilich kommen zu den Ferien-Arbeiten noch die großen Dauerbaustellen hinzu – etwa an Harras und Luise-Kiesselbach-Platz.

Genervt von den Baustellen ist auch mancher Stadtrat. „Es stellt sich schon die Frage, ob das nicht besser koordiniert werden kann“, kritisiert CSU-Fraktionschef Josef Schmid. Derlei Klagen hört Richard Bartl, städtischer Baustellen-Koordinator, öfter zurzeit. Und er hat durchaus Verständnis dafür: „Die Belastung für die Verkehrsteilnehmer ist sehr grenzwertig“, räumt er ein. Die Kritik aber weist er zurück. Es sei leider unvermeidlich, die Arbeiten in den Sommerferien durchzuführen.

Es handle sich um „gezielt terminierte Baumaßnahmen“ die binnen sechs Wochen machbar seien, so Bartl. Und dafür böten sich nur die Sommerferien an. „Dann haben wir zehn bis 15 Prozent weniger Verkehr.“ Zudem könnten Arbeiten, bei denen Tram und Bus beeinträchtigt werden, fast nur in den Ferien passieren – weil Kinder die Verkehrsmittel für den Schulweg brauchen. Die Stadtwerke, für viele der Maßnahmen verantwortlich, betonen zudem, dass sie 2011 nicht mehr für Tram-Arbeiten ausgeben, als früher. Sie räumen aber ein: „Da heuer einige Maßnahmen zentrumsnah durchgeführt werden, sind davon relativ viele Knotenpunkte betroffen.“

Die Planer haben aber auch gute Nachrichten: „Alle aktuellen Arbeiten sind bisher im Zeitplan“, so Bartl. Das bedeutet: Die Ferienzeit-Bauarbeiten dürften bei Schulanfang weitgehend beendet sein. Das betrifft etwa die Maßnahmen an den Tramlinien 18 und 19, sowie die an der Tegernseer Landstraße. Die Teilsperrung der Denninger Straße bleibt allerdings bis Mitte Oktober – und die Sperrung am Hauptbahnhof bis Ende des Jahres.

Johannes Patzig

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