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Vier Münchner schildern ihre Fälle. 

Bewohner schlagen Alarm

Vier Normalverdiener klagen: München lässt uns im Stich! 

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München ist teuer - und viele Bewohner fühlen sich im Stich gelassen, denn die Folgen der steigenden Mietpreise sind massiv. Vier Münchner schildern ihre Fälle. 

München - Schichtdienst, Feiertagsdienst, Nachtdienst – Krankenschwestern, Altenpfleger, Feuerwehrler und Polizisten schuften, damit Münchens Herz schlägt. Doch viele fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen, wie die BR-Sendung Report München zeigte. Vier Normalverdiener erklärten dort am Dienstag, dass sie sich die Stadt nicht mehr oder kaum noch leisten können. Folge: Weit raus aufs Land ziehen oder noch mehr buckeln. „Wir haben sehr viele Kollegen, die einen Nebenjob haben, etwa als Aushilfe an der Tankstelle“, erklärt beispielsweise Jürgen Ascherl, Personalratsvorsitzender der Polizei München. München unbezahlbar – die tz sprach mit Rettungsassistent Peter Mixa (27) und zeigt drei weitere Fälle der Sendung.

Der Altenpfleger Ewald H. 

Altenpflegehelfer Ewald H. liebt das Leben in der Stadt – und doch konnte er nicht in München bleiben. Vier Monate hat er nach einer Wohnung gesucht, die er sich leisten kann. Vergeblich. Danach musste er mit seiner Tochter 25 Kilometer weit wegziehen, um überleben zu können.

Denn netto verdient Ewald H. knapp 1500 Euro, wie er auf seiner Lohnbescheinigung zeigt. Damit kann er die Miete im Umland in Höhe von 975 Euro gerade noch bezahlen. Trotz seines Nebenjobs ist das Geld dennoch knapp: „Es gibt keinen Urlaub, keine großen Ausgaben für Kleidung und solche Sachen“, sagt Ewald H. traurig.

Ewald H. musste aus München wegziehen - zu teuer. 

Der Polizist Alexander H. mit Familie

Raus aus der Stadt – für Polizeihauptkommissar Alexander H. die einzige Chance, für seine fünf Kinder eine bezahlbare Bleibe zu finden: ein Reihenmittelhaus in einem Vorort im Osten Münchens. Dafür braucht er aber die finanzielle Unterstützung seiner Schwiegereltern. „Wir zahlen hier warm 2300 Euro, das ist im Grunde nicht mehr bezahlbar“, sagt er im BR. Sein Bruder in Niederbayern sei Heizungsbauer, zahle sein Haus ab. „Mit 700 Euro im Monat.“ Nicht nur die Miete in München sei zu hoch für Familien, so der Polizist. Ein Kollege sollte für die Betreuung seiner zwei Kinder 1400 € berappen. „Das ist ja nicht zu zahlen.“

Alexander H. ärgert sich über die Mietpreise in München. 

Die AWO-Mitarbeiterin Suzana V.

Kann sie sich mit ihrer Familie München auch in Zukunft noch leisten? Das weiß Suzana V. nicht. Nach 26 Jahren wurde der Mitarbeiterin eines AWO-Altenheims in Haidhausen die Wohnung wegen Eigenbedarfs gekündigt. Im Herbst muss sie ausziehen.

Eine neue Bleibe hat sie bislang nicht gefunden – und das, obwohl sie über ein Haushaltseinkommen von 2200 Euro verfügt. Suzana V. ist enttäuscht: „Wenn ich meinen ganzen Lohn für die Wohnung ausgebe, wovon soll ich dann leben?“, fragt sie. „Mein Mann bekommt nicht viel Rente, mein Sohn ist 24 und will weiter studieren. Von welchem Geld sollen wir leben?“

Wenn der Mittelstand, etwa Altenpfleger und Polizisten, aus München wegziehen müssen, weil sie sich das Leben hier nicht mehr leisten können, bekomme die Stadt ein Problem, erklärt Professor Wulf Daseking von der Universität Freiburg im BR. „Es kann nicht sein, dass wir eine Stadt nur für Arme haben, es kann aber auch nicht sein, dass wir eine Stadt nur für Reiche haben.“

Suzana V. sucht eine bezahlbare Wohnung.

Der Sanitäter Peter Mixa (27)

Als sich Rettungsassistent Peter Mixa (27) eine Wohnung in der Maxvorstadt anschauen wollte, stand er mit 40 bis 50 Leuten vor dem Haus. „Nur, um dann durchgepfercht zu werden, das war beängstigend“, sagt der 27-Jährige. 2011 war er von Freyung-Grafenau nach München gezogen. Bekommen hat er die oben erwähnte Drei-Zimmer-Wohnung nicht, „das hat der mit dem meisten Geld.“

Fünf bis sechs Besichtigungen absolvierte Mixa teilweise pro Tag. „Frustrierend“, erinnert er sich. Inzwischen hat er es geschafft und teilt sich 2,5 Zimmer in Laim mit seinem jüngeren Bruder. „Dafür geht aber über die Hälfte meines Nettogehaltes drauf“, sagt der Rettungsassistent. Und das, obwohl er mit seinem Gehalt prinzipiell zufrieden ist. „Mein Arbeitgeber bezahlt uns im Branchenvergleich gut.“

Es reicht trotzdem nicht, daher müsse sich dringend was ändern, findet Mixa, der nebenbei Betriebswirtschaft studiert. „Die Politik sollte dafür Sorge tragen, dass München bezahlbar für diejenigen ist, die für die Stadt da sind.“ Sein Wunsch für die Zukunft? „Eine Familie mit Kindern“, sagt der BRKler zur tz. „Und dass ich dann in München bleiben kann.“ Für ihn steht fest: „Egal ob Krankenschwestern, Müllfahrer, Kanalarbeiter oder meine Kollegen und ich: Wir sollten Teil dieser Stadt sein, nicht nur die Arbeit machen.“

Fünf bis sechs Besichtigungen absolvierte Mixa teilweise pro Tag.

Der Experte

Der immense Zustrom in die Städte, die hohen Mieten, eine Mittelschicht, die abwandert – diese Probleme beschäftigen Professor Wulf Daseking vom Institut für Soziologie an der Universität Freiburg: „Mit dem Rausziehen der normalen Leute kommt das Problem für die Stadt selbst, nicht im Augenblick, sonder etwa später.“ Denn der Architekt und Stadtplaner – er berät weltweit Großstädte – weiß: Wer aus der Stadt zieht, diskutiert nicht mehr mit, engagiert sich nicht mehr in Vereinen, Kirchen und Schulen. Zurück blieben dann nur noch Reiche – oder Sozialhilfeempfänger.

München mit seinen hohen Steuereinnahmen zähle wie Hamburg oder Frankfurt zu den Schwarmstädten. Ist für Normalverdiener kein Platz mehr, dann passiere Folgendes, so Daseking: „Wenn diese Leute weggehen, ist ein bestimmter Bevölkerungsteil nicht mehr da, der sich in der Stadtpolitik einzumischen hat und damit auch die Stadt festigt in all ihren Tendenzen und Strömungen, die dort stattfinden müssen.“

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