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Der Journalist Gregor Tschung kandidiert für den Landesvorsitz der Bayern-SPD.

Pronold-Nachfolge

Gregor Tschung will Bayern-SPD anführen

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Der Journalist Gregor Tschung ist der vierte Kandidat für die Nachfolge von Bayern-SPD-Chef Florian Pronold. 

München - Da waren’s plötzlich vier: Für den frei werdenden Landesvorsitz der Bayern-SPD kandidiert ein weiterer Münchner. Gregor Tschung, seit September Pressesprecher der Münchner Tafel, hat nun seinen Hut in den Ring geworfen. Damit ist er der vierte Kandidat, der sich um die Nachfolge von Florian Pronold bewirbt. Dieser hatte jüngst angekündigt, seinen Posten abzugeben

Am Montagabend wurde Gregor Tschung vom Vorstand des Ortsvereins Altstadt-Lehel als Kandidat nominiert. Damit geht er ins Rennen gemeinsam mit Generalsekretärin Natascha Kohnen aus Neubiberg, dem Landtagsabgeordneten Florian von Brunn aus Sendling und dem Bundestagsabgeordneten Klaus Barthel aus Kochel am See. Kohnen war von Pronold ernannt worden.

Tschungs Kandidatur kam überraschend. Der gebürtige Kölner trat 2009 der SPD bei. Lange Zeit arbeitete er als Journalist in Ostdeutschland, unter anderem als Vize-Chefredakteur der „Morgenpost Sachsen“. 2011 kam er nach München, wurde Sprecher der Bayern-SPD und von Christian Ude, dem damaligen Spitzenkandidaten für die Landtagswahl. Doch es gab Knatsch mit dem Landesvorstand, der Tschung 2012 fristlos kündigte mit der Begründung, er habe private Autofahrten dienstlich abgerechnet. Nach einem Gerichtsverfahren entschuldigte sich die SPD bei Tschung, man einigte sich.

Gegengewicht zum Pronold-Establishment

Ob die Angelegenheit dennoch seinen Namen nicht zu sehr beschädigt habe, um sorglos in eine Kandidatur zu ziehen? Tschung sagt, das sei „Schnee von gestern“. Er positioniert sich als Gegengewicht zum Establishment um Pronold und dessen Art des „Durchregierens“. Es wirkt, als habe er auf die Chance gewartet: „Mein Herz hängt an der Bayern-SPD“, sagte er gestern unserer Zeitung. Auch nach seinem Ude-Job sei er politisch aktiv gewesen. Dass Martin Schulz als Kanzlerkandidat antrete, freue ihn – aber ihn selbst habe weniger der „Schulz-Effekt“ beflügelt als vielmehr die Aussicht, sich aktiv einbringen zu können. Als von Brunn und Barthel ihre Kandidaturen bekannt gaben, gratulierte er ihnen herzlich. Warum er es nötig finde, zu diesen Konkurrenz aufzubauen? „Ich freue mich, dass es viele Kandidaten gibt“, sagt er. „Das zeigt, dass die SPD außerhalb des höchsten Zirkels mehr spannende Köpfe hat.“

Arbeit bei der Münchner Tafel 

Der 51-Jährige will wieder „spannende Diskussionen“ führen, Inhalte setzen und die SPD stark machen. Aus seiner Tafel-Tätigkeit bringe er einiges Wissen mit: „Dass in einer Stadt wie München 200.000 Menschen von Armut betroffen oder bedroht sind – solche Themen hat die Partei über Jahre vernachlässigt.“ Auch die „Bildungsgerechtigkeit“ müsse problematisiert werden: „Das ist mehr als G8/G9 und Studiengebühren. Man muss die Durchlässigkeit des Systems hinterfragen.“ Weitere Themen: wie der demografische Wandel aufgefangen und die Zuwanderung gestaltet werden könne. Die Bayern-SPD habe sich „oft dahinter versteckt“, dass manche Aufgaben nicht in der Zuständigkeit des Landes lägen – und sich zu sehr an der CSU abgearbeitet. „Wir brauchen wieder klare eigene Positionen und müssen um gute Lösungen ringen“, sagt Tschung.

Er ist verheiratet mit Peggy Tschung, die beim St. Vizentius-Zentralverein in München drei Kinderhäuser leitet. Tschungs Vater ist Koreaner, „ich habe also selbst Migrationshintergrund“, sagt er.

Bis 28. Februar können weitere Kandidaten benannt werden. Danach finden bayernweit Vorstellungsrunden statt, und die SPD lässt in einer Mitgliederbefragung abstimmen.

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