Ingrid Kaps (li.) und Staatsanwältin Barbara Stockinger gaben das Urteil gegen Christoph T. bekannt. foto: rk

Die Vorbewährung hat sich bewährt

München - Eine Jugendstrafe zur Vorbewährung hat Christoph T. im ersten Prozess um den Tod von Dominik Brunner bekommen. 90 Prozent der Jugendlichen unter Vorbewährung bleiben tatsächlich straffrei.

Christoph T. steht jetzt unter Beobachtung. Wie berichtet, hat der inzwischen 18-Jährige bis zum 13. September Zeit, ernsthaft bei seiner Drogentherapie mitzuarbeiten. Solange läuft die sogenannte Vorbewährung. Erst dann entscheidet das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts München darüber, ob es seine Jugendstrafe von einem Jahr und sieben Monaten dauerhaft zur Bewährung aussetzt. Sollte Christoph T. bei der Therapie versagen, wird er die Strafe in einer Jugendstrafanstalt absitzen müssen.

In der Öffentlichkeit ist die Vorbewährung kaum bekannt, was daran liegen dürfte, dass Gerichte Prozesse gegen Jugendliche dem Gesetz nach immer nicht-öffentlich verhandeln. Dabei nutzen Jugendrichter dieses Mittel der Kontrolle recht häufig.

„Es gibt keine Zahlen darüber“, sagt Amtsgerichts-Sprecherin Ingrid Kaps, die selbst sieben Jahre als Jugendrichterin gearbeitet hat. „Aber aus dem Bauch heraus würde ich sagen, in einem Viertel der Fälle, vor allem im Drogenbereich, wird der 57er angewandt.“ Der „57er“ ist der einschlägige Paragraf im Jugendgerichtsgesetz (JGG), der die Vorschrift regelt.

Wird der Paragraf 57 JGG angewandt, bedeutet das zunächst einmal, dass das Gericht im Urteil eine Bewährung ablehnt. Um dem Jugendlichen aber dennoch eine zweite Chance zu bieten, bekommt er mit der Vorbewährung drei bis sechs Monate Zeit, sich zu beweisen. „Das macht aber nur Sinn, wenn bereits Vorarbeit geleistet wurde“, sagt Kaps. Also dann, wenn die Angeklagten wie im Fall Christoph T. bereits vor dem Prozess eine Therapie begonnen haben.

„In 90 Prozent der Fälle klappt die Vorbewährung“, sagt Kaps. 90 Prozent der Jugendlichen schaffen es demnach, ihre Therapie ohne Rückfall durchzuhalten und nicht wieder straffällig zu werden. „Das Korsett muss dafür im Vorfeld eng geschnürt sein“, betont Kaps.

Um einen Therapieplatz zu bekommen, brauchen jugendliche Straftäter zunächst eine Zusage vom Jugendamt, das die Kosten übernimmt. Dann müssen sie einen freien Platz in einer geeigneten Einrichtung finden. Außerdem brauchen sie die Einwilligung ihrer Eltern beziehungsweise der Erziehungsberechtigten. „Und das ist oft ein ganz schön hartes Stück Arbeit“, berichtet Kaps. „Man glaubt es kaum, aber es gibt viele Eltern, die ihre Unterschrift verweigern, weil sie meinen, es sei alles in Ordnung mit ihrem Kind.“

Dabei sei für viele straffällig gewordene Jugendliche eine Therapie der einzige Weg zurück in die Gesellschaft. „Bei vielen kann man allerdings gar nicht von Resozialisierung sprechen, sondern von Erstsozialisierung.“ Oft würden sie erst einmal lernen müssen, jeden Tag rechtzeitig aufzustehen und Struktur in ihren Alltag zu bekommen. Da biete es sich an, die Jugendlichen in einer Art Pflegefamilie unterzubringen, „damit sie überhaupt einmal eine funktionierende Familie erleben“, wie Kaps sagt. Für dieses Modell hat sich das Gericht auch im Fall von Christoph T. entschieden.

Bettina Link

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