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Der Plan zeigt, wie unterschiedlich in München gebaut wird: reine Wohngebiete, Wohnen und Gewerbe sowie reine Gewerbegebiete.

Neue Beschäftigungsstudie

Der Job-Boom und seine Folgen

München - Die Nachfrage nach Arbeitskräften in München wird weiter steigen. Bis zum Jahr 2030 wird laut einer aktuellen Studie ein Zuwachs von 17,6 Prozent – in absoluten Zahlen sind das 180 500 Erwerbstätige – erwartet. Der Job-Boom erfordert große Aktivitäten beim Wohnungsbau in der Stadt.

Rund eine Million Erwerbstätige gibt es heute in der Stadt, 1,7 Millionen, rechnet man die Region dazu. Und es werden mehr werden, denn die Wirtschaftsregion München boomt. Die Erwerbstätigenprognose, die am Freitag gemeinsam vom Wirtschafts- und Planungsreferat vorgestellt wurde, ist für die Stadt und das Umland positiv. 180 500 Arbeitende mehr werden es bis 2030 in München sein, weitere 103 500 im Umland. „Andere Regionen in der Republik würden uns beneiden“, sagte Stadtbaurätin Elisabeth Merk. Doch ihr ist klar, dass der Stadt damit auch große Herausforderungen beim Flächenmanagement bevorstehen – sowohl beim Gewerbe- als auch Wohnungsbau.

„Die Nachfrage ist nur mit einer integrierten Betrachtung zu bedienen“, erklärte die Stadtbaurätin. Auch Bürgermeister Josef Schmid (CSU), gleichzeitig Chef des Referates für Arbeit und Wirtschaft, betonte: „Wir müssen alle Flächenkategorien weiterentwickeln: Wohnen, Gewerbe und Grün.“ Dies sei gemeinsames Ziel – und zwar nicht nur von städtischem Planungs- und Wirtschaftsreferat, sondern im Umgriff der gesamten Region. In der Studie wird vor allem eine wachsende Nachfrage nach Büroflächen prognostiziert – etwa 180 000 Quadratmeter pro Jahr. Bis 2030 könnten in München knapp 70 000 neue Bürojobs entstehen.

Lösungsansätze deutete Merk an. Die Stadtbaurätin sprach von kombinierten Wohn- und Bürostandorten, wie es derzeit in der Parkstadt Schwabing realisiert wird. Dort haben sich zum Beispiel Microsoft und andere Hightech-Unternehmen angesiedelt, gleichzeitig entstehen aber auch Wohnungen auf ehemaligen Gewerbeflächen – Wohnen und Arbeiten in einem Quartier. Denkbar, so Merk, seien derartige Modelle auch an S-Bahn-Haltepunkten wie in Langwied und bestimmt auch in der Region. Zudem gibt es Ideen, auf Supermärkten und Fachmärkten Büros und Wohnungen zu bauen. Die Umwandlung ehemaliger Kasernen in Wohn- und Gewerbegebiete praktiziert die Stadt bereits. Schließlich deutete Merk Möglichkeiten bei der Höhenentwicklung an: „Wir haben ja kürzlich eine Stadtratsreise nach London gemacht – da ist nach oben noch viel offen.“ Eine Aussage, die Bürgermeister Schmid und Merk selbst jedoch sogleich relativierten. „Hochhäuser werden die Ausnahme bleiben.“ Nach Angaben des Planungsreferats wurden in den vergangenen sieben Jahren 1,6 Millionen Quadratmeter Geschossfläche Gewerbe in Wohnraum umgewandelt, wodurch auf diesem Wege 16 000 neue Wohnungen entstanden sind.

Die Arbeitsmarktstudie des Berliner Forschungs- und Beratungsunternehmens Empirica geht davon aus, dass der Dienstleistungsbereich mit einem Plus von 19 Prozent bis 2030 der wesentliche Impulsgeber für das Beschäftigungswachstum sein wird. Das Verarbeitende Gewerbe verliert hingegen zehn Prozent. Vorteilhaft sei, dass die Stadt München ihre Wirtschaftsstruktur modernisieren konnte, gleichzeitig aber weiterhin einen großen Branchenmix vorhalte. Bürgermeister Schmid umschrieb es so: „Alte Industrie gepaart mit innovativen Entwicklungen – das ist unsere Kernstärke.“ Der Mehrbedarf an Arbeitskräften wird sich gemäß der Studie aus dem Erwerbspersonenpotential der Region nicht decken lassen. Zuzug ist somit programmiert. In der Studie heißt es dazu: „Der Wirtschaftsstandort München wird bei Fachkräften auf Zuwanderung, national und international, angewiesen sein, wenn er weiter für Unternehmen attraktiv bleiben soll.“ Für Merk ist auch eines klar: „Wir brauchen eine wesentlich bessere ÖPNV-Anbindung in der gesamten Region. Nur dann sind die Potentiale zu heben.“ Man müsse „Dinge zusammen denken mit dem Umland“. Ein Umstand, auf den auch OB Dieter Reiter (SPD) in den vergangenen Monaten immer wieder hingewiesen hatte.

Die Alters- und Erwerbsstruktur ändert sich in den kommenden 15 Jahren. Die Prognose geht im Wesentlichen von vier Anpassungsmechanismen aus: einem früheren Arbeitsbeginn, einem späteren Renteneintritt, einer kürzeren „Babypause“ und einer höheren Frauenerwerbsquote. Allein auf dieser Basis dürften dem Arbeitsmarkt bis 2030 knapp 13 Prozent mehr Personen zur Verfügung stehen als heute. Allerdings: Die Chancen sind ungleich verteilt. In Stadt und Umland ist ein Trend zu hochwertigen Tätigkeiten erkennbar, während sich laut der Studie die Situation bei gering oder nicht Qualifizierten weiter verschärfen wird. „Gefragt sind MINT-Typen“, wie es Schmid ausdrückte. MINT bedeutet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Schmid machte deutlich, dass die Stadt weiter die Qualifizierungsmaßnahmen von Langzeitarbeitslosen und künftig auch von Flüchtlingen forcieren werde.

 Auch die Rathaus-SPD drängte in einer Stellungnahme darauf, dass erwachsenen Flüchtlingen der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werde. Fraktionschef Alexander Reissl zeigte sich zwar erfreut, „dass München und die Region so attraktiv sind und weiterhin von einem starken Zuzug ausgegangen werden kann“. Bauoffensiven von großer Bedeutung Die Studie mache aber auch deutlich, dass das Fehlen bezahlbaren Wohnraums sich zu einem wesentlichen Hemmnis für die Anziehungskraft Münchens entwickeln könne, sagte Reissl. Insofern seien Wohnungsbauoffensiven wie etwa das Sonderprogramm von 250 Millionen Euro für die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, welches der Stadtrat im Oktober 2015 auf Initiative der SPD beschlossen hat, der richtige Weg. Bei all den Herausforderungen im Wohnungsbau und bei den Gewerbeflächen mahnte Merk: „Die neue Entwicklung kann nicht heißen, dass wir Grünzüge in der Stadt zubauen." Klaus Vick

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