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Protest am Sendlinger Tor

Das Maß wahren: Kommentar zum Flüchtlings-Camp

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München - Selbstverständlich sollen die Flüchtlinge mitten in der Stadt demonstrieren dürfen. Für ihr eigenes Anliegen sollten die Demonstranten diesmal aber dafür sorgen, dass die Lage im Protest-Camp nicht wieder eskaliert, kommentiert Merkur-Redakteur Felix Müller.

Natürlich sollen Flüchtlinge das Recht haben zu demonstrieren. Was sollte auch verwerflich daran sein, für bessere Lebensbedingungen auf die Straße zu gehen? Es ist ein Grundrecht – und das Erlernen dieser Rechte wird derzeit allerorten von den Flüchtlingen gefordert. Schade, dass gestern am Sendlinger Tor trotzdem immer wieder Münchner zu hören waren, die die Demonstranten beschimpften.

Bleibt zu hoffen, dass die Flüchtlinge und ihre Unterstützer aus der linken Szene dieses Mal das Maß wahren. Zweifel daran sind angebracht, zu frisch sind die Bilder der vorangegangenen Aktionen derselben Gruppe. 2013 konnten am Ende des Hungerstreiks am Rindermarkt bewusstlose Menschen nur durch einen gewaltsamen Polizeieinsatz befreit werden –Aktivisten waren offenbar bereit gewesen, für ihre Ziele mitten in München im 21. Jahrhundert Menschenleben zu opfern. Die Debatten um die beiden Hungerstreiks 2013 und 2014 in der Landeshauptstadt haben gezeigt, dass so keine neuen Sympathien zu gewinnen sind, sondern sich viele gemäßigte Unterstützer eher abwenden.

Ein friedlicher Protest am Sendlinger Tor – sichtbar mitten in der Stadt, ohne das Leben anderer zu beeinträchtigen – hingegen könnte der Sache der Flüchtlinge dienen. Zumindest theoretisch. Denn erstens sind die Forderungen teils vage, teils zu weitgehend. Und zweitens ist die Stimmung eine andere als noch in den Vorjahren. Schwer vorstellbar, dass prominente bayerische Politiker sich in diesen Tagen zu dem Camp bewegen, um mit den Menschen zu verhandeln. Zu groß dürfte die Angst sein, man könne erpressbar wirken.

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