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Ruhig Blut beim Einkauf: Zwei Frauen unterhalten sich in der Münchner Fußgängerzone (Archivbild).

Warmes Wetter ist schuld

Handel in München beklagt laues Weihnachtsgeschäft

München - Die Hoffnungen waren groß – doch auch 2016 ist das Weihnachtgeschäft für die Händler eher unbefriedigend gewesen. Frühlingshafte Temperaturen ließen besonders Winterklamotten zu Landenhütern mutieren. 

Die meisten Fensterfronten der Geschäfte an der Kaufingerstraße sind längst ausgestattet mit großen Schildern, die für Sparfüchse die sehnlich erwarteten vier Buchstaben tragen. Wohin man auch blickt, schreit es einem in scharlachroten Lettern entgegen: Der „Sale“ hat in München begonnen. Die Preise sind stark reduziert und die Schnäppchenjäger gehen auf die Pirsch.

Offiziell beginnt der Winterschlussverkauf zwar erst Ende Januar, doch schon jetzt sind in den Geschäften viele Artikel stark reduziert. Durch die teils frühlingshaften Temperaturen wurden im diesjährigen Weihnachtsgeschäft vor allem Winterklamotten und Wintersportartikel von den Kunden kaum beachtet, wie Wolfgang Fischer von City Partner zu berichten weiß. „Es war einfach zu warm“, sagt er. „Bei grünen Wiesen denkt eben keiner ans Skifahren.“ Bereits im Jahr zuvor hatte das Wetter dem Einzelhandel einen Strich durch die erhoffte Weihnachtsrechnung gemacht. Der Textilbereich hatte mit starken Preissenkungen reagiert – und das noch vor Weihnachten. Auch in diesem Jahr war bereits vor Heiligabend reduzierte Textilware in den Geschäften.

„Winterschlussverkauf beginnt im Grunde viel zu früh“

Manch einer mag sich nun fragen, ob sich der Einzelhandel zukünftig auf die verschobenen Jahreszeiten einstellen sollte. „Diese Diskussion gibt es seit Jahren“, sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. Vor allem der Beginn der Schlussverkäufe stehe immer wieder zur Debatte. „Der Winterschlussverkauf beginnt im Grunde viel zu früh“, stellt Ohlmann fest. Denn wenn dieser Ende Januar startet, ist die Wintersaison noch im vollen Gange. Die neuen Paar Skier würden dann auch ohne Rabatt gekauft werden. Die Diskussion läuft bayernweit. Das selbe Zeitproblem sieht Ohlmann beim Sommerschlussverkauf – der ist traditionell nämlich schon Ende Juli. „Das ist im Grunde mitten im Hochsommer“, sagt der Sprecher. Viele Seiten argumentieren jedoch, dass die Kunden sich an diesen Rhythmus der Schlussverkäufe gewöhnt haben. Eine Lösung in diesem Streitpunkt scheint jedoch noch fern. „Bisher konnte man sich nicht einigen“, sagt Ohlmann.

Die einzelnen Händler versuchen sich jedoch bereits in ihrem Einkauf auf die jahreszeitlich untypischen Wetterverhältnisse anzupassen, meint Wolfgang Fischer von City Partner. „Aber man weiß vorher ja nie, wie das Wetter im nächsten Jahr wird. Wenn es plötzlich im November schneit und es gäbe keine Skier in den Läden – das wäre auch nichts.“ Eine „Rest-Herausforderung“, wie Fischer sagt, bleibe immer.

Gutscheine waren die Geschenkidee Nummer eins

Eine Umsatzsteigerung gab es traditionell in der vergangenen Woche nach Weihnachten. „Diese Woche ist wichtig“, betont Wolfgang Fischer. Wenn Geldgeschenke und Gutscheine zum Einsatz kommen, zieht es die Kunden vermehrt in die Läden. Auch in diesem Jahr waren Gutscheine die Geschenkidee Nummer eins. Sicherlich auch ein Grund, warum die Umtauschrate von Jahr zu Jahr sinkt. „Es werden ungefähr fünf Prozent der Weihnachtsgeschenke umgetauscht“, sagt Bernd Ohlman vom Handelsverband.

Doch neben Gutscheinen waren auch Weihnachtsklassiker wie Spielsachen für Kinder, Bücher, Elektrogeräte, Parfüms und Schmuck als Weihnachtsgeschenk beliebt. Wenn der Winter dann mal kommt, wird auch der Bedarf an warmen Pullovern und neuen Skihosen steigen und die Verkaufszahlen ankurbeln, hofft Wolfgang Fischer. „Wir sind da guter Dinge.“ Für eine endgültige Bilanz ist es in seinen Augen daher zu früh.

Laura Müller, Lisa-Marie Birnbeck

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