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Petra Offermanns, Sprecherin der „Interessengemeinschaft Surfen in München“, an der Floßlände.

Surfen in der Stadt

Warten auf die große Welle

München - Münchens Fluss-Surfer leiden unter Platzmangel: Weil die Welle an der Floßlände nur noch stundenweise surfbar ist, weichen vor allem Anfänger auf gefährlichere Stellen aus. Die Surfer fordern deshalb mehr Wasser für die Floßlände.

 

Ganz langsam legt der junge Mann sein Brett aufs Wasser. Mit den Füßen hält er es fest, eine wacklige Angelegenheit. Er trägt einen Helm, klammert sich an der Mauer fest, kneift die Augen zusammen, fixiert die Welle. Dann lässt er los – und geht sofort unter. Surfversuch gescheitert.

Langes Warten auf ein kurzes Vergnügen: Die Floßlände ist die einzige Welle in der Stadt, die für Anfänger geeignet ist. An schönen Tagen bilden sich lange Schlangen – denn genügend Wasser gibt’s nur stundenweise.

Wie ihm geht es vielen an der Floßlände. Hier lernen Münchens Fluss-Surfer, wie’s geht. Am Eisbach, wo die Welle kräftiger, das Flussbett rauer und die Surfer erfahrener sind, hätten diese Kandidaten nichts verloren. Das Problem: Die Floßlände läuft nur wenige Stunden am Tag, und dann wird’s voll. Viele Surfer sind genervt von den langen Wartezeiten – und suchen sich andere Plätze, denen sie mitunter nicht gewachsen sind. Im Englischen Garten will der Freistaat in den nächsten Tagen eine Welle absperren. Zu gefährlich, sagt die Schlösser- und Seenverwaltung.

Auch die Profi-Surfer befürworten diese Absperrung. Es geht um die Dianabad-Schwelle, die einige hundert Meter flussabwärts von der Eisbachwelle liegt. „Dort gibt es Unterströmungen“, sagt Petra Offermanns, Sprecherin der „Interessengemeinschaft Surfen in München“ (IGSM). Vor Jahren ertrank in der Nähe ein australischer Schwimmer. „Wenn dort auch noch Surfer auf dem Wasser sind, kommen sie den Schwimmern in die Quere, die sich den Eisbach hinunter treiben lassen“, sagt Jan Björn Potthast, Sprecher der Verwaltung. „Wir wollen keine zweite Welle im Englischen Garten.“

Aus Sicht der IGSM ist das Surfen an der Dianabad-Schwelle ein Symptom des eigentlichen Problems: „Wir haben in München zu wenige Wellen“, sagt Offermanns. Erlaubt ist das Surfen nur an der Floßlände und am Eisbach – „wenn die Floßlände nicht läuft, wo sollen die Anfänger hin?“ Das Problem ist nicht neu, wird aber von Jahr zu Jahr drängender: „Es gibt immer mehr Anfänger“, sagt Offermanns. Bis zu 2000 Surfer gebe es mittlerweile in München – für zwei legale Wellen. Früher, als die Floßlände rund um die Uhr lief, sei das kein Problem gewesen. „Außerdem gab es damals in München acht bis zehn Wellen“, erinnert sich Petra Offermanns, zum Beispiel an der Reichenbachbrücke und an der Brudermühlbrücke. Dort sind Surfer früher geduldet worden. „Es gab Wellen für Anfänger und Profis, das hat sich schön entzerrt.“ Mittlerweile, spätestens seit der Renaturierung der Isar, sind diese Wellen verschwunden.

Überhaupt, die Renaturierung. Die IGSM kritisiert, dass die „Surfbarkeit“ bei den Planungen keine Rolle gespielt habe – im Gegensatz zu anderen Sportarten wie Schwimmen und Kanufahren. Bei künftigen Projekten soll das anders sein. An der Wittelsbacherbrücke könnte in ein paar Jahren eine Welle gebaut werden. Dafür – und damit insgesamt mehr Wellen möglich sind – müsste das Surfen in der Bade- und Bootsverordnung legalisiert werden. Die SPD hat bereits einen Antrag zur Novellierung der Verordnung im Stadtrat eingebracht. Derzeit läuft eine „Fischartenverträglichkeitsprüfung“. Geht die Novellierung durch, gibt es einen Modellversuch – „und wenn alles gut geht, wäre 2015 Baubeginn an der Wittelsbacherbrücke“, sagt Offermanns. Eigentlich seien sich beim Thema Surfen alle einig – das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) und das Baureferat wollen die Sportart fördern. „Auch der Stadtrat ist uns sehr wohlgesonnen“, betont Offermanns. Die Rettung der Eisbachwelle, die mittlerweile in jedem Touristenführer steht, haben die Surfer der Stadt zu verdanken.

Doch wieso gibt es dann Probleme an der Floßlände? Wieviel Wasser hier ankommt, steuern die Stadtwerke München (SWM) gemeinsam mit dem Baureferat und dem Umweltreferat. Seit 2009 läuft die Welle nicht mehr rund um die Uhr, weil die SWM das Wasser zur Erzeugung von Ökostrom brauchen. Momentan darf täglich von 12.45 bis 15 Uhr und von 18.15 bis 20.45 Uhr gesurft werden. In der Praxis hält die Welle aber oft nicht die volle Zeit durch, sagt Offermanns – „weil die Einstellungen noch nicht optimal sind“. Auch bei der Kompromiss-Findung hapere es an der Technik: „Die Stadtwerke wären bereit, uns mehr Wasser zu schicken, wenn es einen Überschuss gibt“, sagt Offermanns. Derzeit müsse dann aber immer jemand von den SWM beim Baureferat anrufen – „die Anlage reagiert nicht automatisch“. Auch ein Versuch der Surfer, das Wasser von den SWM zu kaufen, wurde abgelehnt.

In diesem Jahr wird die Floßlände 40 Jahre alt. „Hier hat das River-Surfen in den 60er-Jahren angefangen“, sagt Petra Offermanns. „Und hier soll es auch weitergehen – bevor einem Anfänger am Eisbach etwas passiert.“

Ann-Kathrin Gerke

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