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Schlange vor dem Bürgerbüro in der Leonrodstraße: Trotz der zusätzlichen Stellen wird der Parteiverkehr vorerst nicht schneller abgewickelt werden können.

Neue Stellen

Lange Wartezeiten: KVR-Chef ruft um Hilfe

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München - KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle hat gestern im Stadtrat vor einem Kollaps seiner chronisch unterbesetzten Behörde gewarnt. Sollten nicht rasch zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden, „zerreißt es uns“, sagte er. Am Dienstag wurden 60 neue Stellen bewilligt

Wilfried Blume-Beyerle ist ein ausgeglichener, ruhiger Zeitgenosse, der seine Worte mit Bedacht wählt. Der Auftritt des Kreisverwaltungsreferenten gestern im Stadtrat war insofern bemerkenswert, denn Blume-Beyerle schlug regelrecht Alarm. Sollte der Stadtrat nicht schnell reagieren, werde der Bürger „Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Verwaltung“ bekommen. „Dann zerreißt es uns.“

Blume-Beyerle war im Stadtrat zu Gast, um für eine personelle Aufstockung seiner Behörde zu werben. 120 Stellen in der Geschäftsleitung und Zulassungsbehörde hatte er im Vorjahr beantragt, um die gravierenden Probleme vor allem beim Parteiverkehr und der IT in den Griff zu bekommen. Stundenlange Wartezeiten sind in der Kfz-Zulassungsbehörde, der Führerscheinstelle und den Bürgerbüros an der Tagesordnung, die 3800 Mitarbeiter zunehmend an der Belastungsgrenze.

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema: "Die Grenzen des Wachstums"

Mehr Aufgaben, mehr Bürger

Nach den Worten des KVR-Chefs gibt es mehrere Gründe für die angespannte Situation im Haus. In den letzten Jahren unter Rot-Grün habe die Stadt aus Spargründen weniger Stellen genehmigt, als notwendig gewesen wären, gleichzeitig wuchs die Bevölkerung stark an.

Wilfried Blume-Beyerle, seit 1998 Chef des  Kreisverwaltungsreferats.

Der Aufgabenbereich des Kreisverwaltungsreferats ist in den vergangenen Jahren stetig größer geworden. „Laufend bekommen wir neue Aufgaben zugewiesen, es gibt außerdem keine einfach umzusetzenden Gesetze mehr“, sagt Blume-Beyerle. Noch vor zehn Jahren sei die Ausstellung eines Reisepasses unkompliziert gewesen. „Ein altes Foto vorbeizubringen hat genügt.“ Heute, im Zeitalter der biometrischen Dokumente, sei der Aufwand bedeutend höher.

Auch die derzeit 17 000 in München lebenden Flüchtlinge bescheren der Behörde mehr Arbeit. Jeder einzelne von ihnen muss regelmäßig im Ausländeramt vorstellig werden und seine Bescheinigung über die Meldung als Asylsuchender (BÜMA) verlängern lassen. Massive Wartezeiten sind die Folge, denn der Personalbestand ist nicht an die neue Situation angepasst worden. „Die Suppe müssen wir auslöffeln“, sagt Blume-Beyerle.

Der Öffentliche Dienst ist nicht mehr attraktiv

Es ist aber nicht nur der Dreiklang mehr Flüchtlinge, mehr Bürger, mehr Aufgaben, der dem KVR zu schaffen macht. Angesichts der guten wirtschaftlichen Lage in München tut sich die Stadt zunehmend schwer, Personal zu finden. „Der Öffentliche Dienst ist gerade nicht attraktiv“, sagt Blume-Beyerle. Die Folge ist, dass es in der Regel ein Jahr dauert zwischen der Schaffung einer neuen Stelle und deren Besetzung, anschließend müssen die neuen Kollegen zunächst Verwaltungs-Lehrgänge besuchen. Deshalb ist auch beim Parteiverkehr in den Bürgerbüros und der Zulassungsstelle vor 2017 nicht mit einer Entspannung zu rechnen.

In jüngster Zeit sei es laut Blume-Beyerle zudem gehäuft vorgekommen, dass Kollegen vom KVR in ein anderes Referat gewechselt seien, wo die Bedingungen attraktiver sind. Zwar gibt es im KVR eine Kegelbahn und ein Fitnessstudio für die Mitarbeiter, Gleitzeit oder geregelte Zeiten fürs Mittagessen sind vielen aber wichtiger. „Es gibt einen Kampf um Talente innerhalb der Stadtverwaltung. Wir müssen das KVR attraktiver für die Angestellten machen“, sagt Blume-Beyerle.

60 neue Stellen fürs KVR bewilligt

Am Dienstag bewilligte der Stadtrat dem KVR-Chef 60 neue Stellen. Blume-Beyerle hätte gerne doppelt so viele neue Mitarbeiter bekommen, doch CSU und SPD wollten unter Verweis auf die angespannte Haushaltslage nicht den kompletten Wunschzettel erfüllen. Über die restlichen 60 beantragten Stellen werden die Fraktionen erst während der Haushaltsberatungen 2017 sprechen. Das Verfahren zur Besetzung für alle 120 Stellen beginnt allerdings sofort, so dass es möglichst keine Verzögerungen gibt. Bei den heuer 60 neuen Stellen dürfte es aber nicht bleiben. Im Ausländeramt fehlen 70 Kollegen, die Einbürgerungsstelle braucht 20 neue Mitarbeiter. Zudem gibt es KVR-intern Überlegungen, weitere Bürgerbüros in der Stadt zu eröffnen. „Der Münchner Westen wird in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen, dort herrscht Bedarf“, sagte Blume-Beyerle im Gespräch mit unserer Zeitung.

Trotz der Probleme sei die Stimmung unter den Kollegen im Haus noch gut, so der KVR-Chef, der im Sommer in Ruhestand geht. „Vor drei Jahren war es wesentlich schlimmer."

Lesen Sie hier: "Wegen Überfüllung geschlossen" - So treibt das KVR-Chaos die Münchner in den Wahnsinn

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