Ein Stück Brot, ein bisschen Suppe: Für Frauen wie Maria König (Name geändert) ist das oft schon eine Luxus-Mahlzeit. Die 80-Jährige muss sich mit einer kleinen Rente über Wasser halten – manchmal weiß sie nicht, wo sie noch sparen soll.

Patenschaftsaktion des Münchner Merkur

Warum Armut vor allem Rentnerinnen trifft

München – Frauen sind von der Altersarmut besonders betroffen. Doch viele scheuen den Gang zum Sozialamt, weil sie sich schämen. Wäre nicht die Patenschaftsaktion unserer Zeitung – sie wüssten überhaupt nicht mehr weiter. Eine wahre, traurige Geschichte.

Früher hat Maria König (Namen geändert) für ihre drei Kinder gern Plätzchen gebacken. Heute macht sie das nicht mehr – „um Strom zu sparen“, wie sie leise sagt. Seit der Scheidung von ihrem Mann 1974 steht die heute 80-Jährige allein da. Unterhalt hat ihr Ex nie gezahlt – die Kinder brachte die Rentnerin einst mit Näharbeiten durch. Jetzt muss sie quasi von der Hand in den Mund leben, von etwa 250 Euro im Monat. Das Geld reicht von vorn bis hinten nicht.

Das Schicksal von Maria König ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Sie teilt es mit vielen bedürftigen Rentnerinnen. Wer jahrelang Kinder erzogen hat und Niedriglohn-Jobs – aus der Not heraus – annehmen musste, dem bleibt später kaum etwas übrig.

„Mütter geraten im Alter schnell in die Armutsfalle“, sagt auch Lydia Staltner, Vorsitzende des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe. Dreiviertel der Bedürftigen, die der Verein unterstützt, sind Frauen – die meisten mit Biografien wie die von Maria König. „Allzu oft leben ihre Nachkommen selbst in prekären, finanziellen Verhältnissen und können ihre Eltern deshalb nicht unterstützen“, sagt Staltner weiter.

Die meisten dieser älteren Frauen beziehen eine Rente, die weit unter dem Grundsicherungsniveau liegt – also unter 393 Euro monatlich nach Abzug der Miet- und Nebenkosten für Alleinstehende. Und: Viele scheuen aus Scham den Weg zum Sozialamt. „Zum Glück gibt es Lichtblick“, sagt auch Maria König. 35 Euro erhält sie monatlich über die Patenschaftsaktion. Für Menschen mit geregeltem Einkommen mag das keine große Summe sein, doch für die Rentnerin ist es „wie ein Lottogewinn“.

Denn Maria König muss immerzu sparen. Wie sie das schafft? „Ich heize im Winter nur den Wohnraum, trage zwei Paar Socken und hülle mich in Decken“, erzählt sie. Am Monatsanfang fertigt sie ihren Haushaltsplan. „Und wenn Sonderausgaben wie ein Paar Schuhe oder Friedhofsgebühren anstehen, gibt es eben oft nur Haferschleimsuppe oder Tütenpudding.“

Ihre Kinder, längst erwachsen, helfen zwar, wo sie können – aber große Sprünge sind da nicht drin. Die beiden Söhne bringen mit ihrem Einkommen gerade mal ihre Familien über die Runden. Die Tochter, vor Jahren schwer erkrankt, bezieht Hartz-IV. Maria König muss also allein durchkommen – irgendwie.

Susanne Wess

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