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Das Amt für Wohnen und Migration gehört zum Sozialreferat. Dort ist man besorgt.

Baurecht ausschöpfen

Wegen Flüchtlingskrise: Wohnungslosigkeit wächst rapide

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München - Mehr als 5400 Münchner sind wohnungslos. Stadträte von CSU und SPD befürchten, ihre Zahl könnte sich binnen eines Jahres verdoppeln – wegen der Flüchtlinge, die nach ihrer Anerkennung auf dem angespannten Wohnungsmarkt unterkommen müssen.

Die Mieten in München sind hoch – und für viele unbezahlbar. Immer mehr beantragen deshalb eine Sozialwohnung. 2014 waren es laut Sozialreferat 23.000. Etwa die Hälfte von ihnen sind tatsächlich berechtigt, sozial geförderten Wohnraum zu beziehen. Allerdings kann jährlich nur eine Minderheit von 3400 Berechtigten entsprechend versorgt werden. Alle anderen müssen sich derweil auf dem regulären Wohnungsmarkt durchschlagen. Oder sie enden als Wohnungslose in sogenannten Clearinghäusern und Pensionen. Derzeit sind das 5448 Menschen, darunter 1509 Kinder.

Stadträte befürchten Anstieg der Wohnungslosigkeit

Jetzt schlagen sechs Stadträte von CSU und SPD Alarm. Mit Blick auf die Flüchtlingssituation befürchten sie, die Zahl der Wohnungslosen könnte innerhalb eines Jahres auf etwa 10.000 ansteigen. Schließlich müssen Flüchtlinge – sobald sie als Asylbewerber anerkannt sind und bleiben dürfen – auf dem regulären Wohnungsmarkt unterkommen.

Etwa 43 Prozent der Asylsuchenden werden anerkannt. Vor diesem Hintergrund haben die CSU- und SPD-Stadträte beantragt, zu prüfen, ob die städtischen Wohnungsbaugesellschaften bestehendes Baurecht vollends ausgeschöpft haben. „Angesichts der aktuellen Wohnungsnot in München darf im Geschosswohnungsbau kein Quadratmeter verschenkt werden. Das gilt insbesondere für den sozial geförderten Wohnungsbau“, sagt CSU-Stadrat Marian Offman, der den Antrag an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit Fraktionskollegen und SPD-Politikern auf den Weg gebracht hat. Die Stadträte forden, offenzulegen, wo konkret Baurecht besteht und dieses dann zügig auszuschöpfen.

Bei ihrer Annahme, die Zahl der Wohnungslosen verdopple sich, berufen sich die Stadträte auf eine Prognose des Amts für Wohnen und Migration, das im Sozialreferat angesiedelt ist. Tatsächlich arbeitet die Behörde gerade an einer Vorhersage, um einschätzen zu können, welche Auswirkungen die Zahl der anerkannten Flüchtlinge auf den Sozialwohnungsmarkt hat. Exakte Zahlen könnten derzeit aber nicht genannt werden, sagt Sozialreferatssprecher Frank Boos.

GWG will bauen, was möglich ist

Die städtische Wohnungsgesellschaft GWG teilt auf Anfrage mit, bestehendes Baurecht komplett auszuschöpfen. „Wir lassen kein Baurecht ungenutzt, das wäre ja fatal“, erklärt Edmund von Thermann, Leiter des Bereichs Neubau. Der sozial geförderte Wohnungsbau sei Kerntätigkeit der GWG. Die Gewofag dagegen teilt mit, der Beantwortung der Stadtratsanfrage an OB Reiter nicht vorgreifen zu wollen.

Dem Planungsreferat zufolge gibt es in München derzeit fast 46 000 Sozialwohnungen. Hinzu kommen fast 30 000 Wohnungen, für die keine Marktmieten verlangt werden. Bis 2024 sollen jedes Jahr 1300 neue Sozialwohnungen entstehen. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf barrierefreien Bleiben – mit Blick auf die steigende Zahl schwerbehinderter und alter Sozialwohnungsberechtigter. Die Zahl bedürftiger Senioren hat sich seit 2004 nahezu verdoppelt.

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