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Schmerzpflaster mit dem Wirkstoff Fentanyl.

„Ein münchnerischer Heroin-Ersatz“

Wegen Verordnung von Fentanyl-Pflastern: Arzt verurteilt

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München - Ein Arzt wird verurteilt, weil er einem Drogenabhängigen Fentanyl verschrieb – der kochte die Pflaster aus und starb an der Brühe. 

Ein Münchner Anästhesist ist wegen fahrlässiger Verabreichung von Betäubungsmitteln verurteilt worden. Er hatte einem drogenabhängigen Patienten mehrmals Schmerzpflaster mit dem Wirkstoff Fentanyl verschrieben. Fentanyl ist ein Opiat und kann je nach Dosierung um ein Hundertfaches stärker sein als Morphin. Es löst einen ähnlichen Kick aus wie Heroin, das Suchtpotenzial ist sogar noch größer.

Der Patient injizierte sich den Wirkstoff aus den verschriebenen Pflastern. 2013 starb er an einer Überdosis. Im Oktober 2016 verurteilte das Amtsgericht München den Arzt zu einer Geldstrafe von 21 600 Euro. Denn der Arzt habe gewusst, dass der Patient drogenabhängig war und Ersatzstoffe bekam, so das Urteil. Aus medizinischer Sicht sei die Dosierung nicht begründet gewesen.

Der Missbrauch von Fentanyl-Pflastern ist ein größeres Problem in Bayern: In den vergangenen zehn Jahren gab es bei etwa 30 Prozent der Drogentoten einen Zusammenhang mit Fentanyl. 2015 war die Quote zwar rückläufig; trotzdem hatten noch 20 Prozent der Drogentoten vorher Fentanyl konsumiert.

Die Drogenabhängigen kochen die Pflaster aus – das löst den Wirkstoff – und injizieren sich die Substanz. Dadurch ist Fentanyl besonders schwierig zu dosieren, die Gefahr einer Überdosis ist umso größer. „Fentanyl ist ein typisch münchnerischer Heroin-Ersatz“, sagt Olaf Ostermann von der Drogenberatungsstelle Condrobs. Denn Fentanyl sei in der Stadt lange Zeit einfacher zugänglich gewesen als Heroin. Die Abhängigen besorgen sich die Pflaster überwiegend per Rezept vom Arzt. „Meistens sind die Ärzte aber Opfer“, sagt Werner Kraus, Sprecher der Münchner Polizei. Sie glaubten ihren Patienten. Die lassen sich die Pflaster verschreiben und verkaufen die Hälfte ihrer Dosis auf dem Schwarzmarkt, um ihre Pflaster finanzieren zu können.

Olaf Ostermann von der Drogenberatungstelle Condrobs bemerkt, dass der Fentanyl-Konsum wieder zurückgeht. Fotos: DPA/Haag

Doch seit etwa eineinhalb Jahren gebe es eine größere Aufmerksamkeit für das Thema, so Kraus: „Die Ärzte sind strenger geworden.“ Die Stadt habe verstärkt Ärzte kontrolliert, die vergleichsweise oft Fentanyl verschreiben. Das mache sich bemerkbar, sagt Ostermann von Condrobs. Er wisse von seinen Klienten, dass Fentanyl seltener verschrieben werde und auch auf dem Schwarzmarkt gebe es jetzt weniger. 

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