Von der Weißen Rose zu den Republikanern

München - Helles Entsetzen in der „Weiße Rose“-Stiftung: Susanne Zeller-Hirzel, einstige NS-Widerstandskämpferin, will sich politisch engagieren – für die Stuttgarter Republikaner.

„Wir sind entsetzt und schockiert“, sagt Ruth Drolshagen. Sie kümmert sich in der „Weiße Rose Stiftung“ an der Ludwig-Maximilians-Universität um das Erbe der Münchner Widerstandsbewegung. „Das ist wirklich, wirklich schlimm.“

Drolshagen spricht über den unfassbaren Sinneswandel von Susanne Zeller-Hirzel. Die bald 88-jährige Jugendfreundin Sophie Scholls war im Dritten Reich in der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ aktiv. In Stuttgart verschickte sie deren anti-nationalsozialistische Flugblätter. Am Tag von Sophie Scholls Hinrichtung wurde auch sie verhaftet und zur Gestapo München gebracht. Am Ende kam sie nur mit viel Glück mit dem Leben und einer halbjährigen Gefängnisstrafe davon. Nun kandidiert die ehemalige Widerständlerin bei den im Juni anstehenden Stuttgarter Kommunalwahlen für die Republikaner. Laut Verfassungsschutz eine Partei mit rechtsextremen Tendenzen.

Auch Hildegard Kronawitter, Vorsitzende der „Weiße Rose“-Stiftung, hat Zeller-Hirzels Kandidatur mit Befremden aufgenommen: „Ich wage die Interpretation, dass Frau Zeller-Hirzel verführt worden ist, ohne zu wissen, welche Politik sich tatsächlich hinter den Republikanern verbirgt“. Laut einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ sei es unter den Stuttgarter Republikanern eine beliebte Taktik, alte Menschen auf die Liste zu setzen, um bei den Kommunalwahlen volle 60 Kandidaten präsentieren zu können. So seien bei den Republikanern 27 von 60 Kandidaten Jahrgang 1944 oder älter.

In der Weiße Rose Stiftung bezweifelt man, dass Zeller-Hirzel die Tragweite ihres Handelns vollkommen überblickt. „Sie versteht den Wirbel, den sie mit ihrer Kandidatur auslöst, gar nicht“, sagt Ruth Drolshagen. Sie attestiert Zeller-Hirzel allerdings eine „volkstümlich deutsch-nationale“ Gesinnung.

Im Gespräch mit unserer Zeitung verteidigte Zeller-Hirzel ihr Engagement bei den Republikanern und unterstützte Positionen der Partei, darunter auch die Forderung nach einem Einwanderungsstop. Sie habe vollstes Vertrauen in den Republikaner-Bundesvorsitzenden Rolf Schlierer – auch ohne seine politischen Vorstellungen zu kennen: „Ich kenne Herrn Schlierer jetzt schon seit sieben Jahren. Ich habe in seinem Haus Klavierstunden gegeben, da ist es doch immer so nett gewesen!“ Über Politik habe man nicht gesprochen.

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