Berüchtigte Fans: Die Ultra-Gruppierung namens „Schickeria“ genießt nicht den besten Ruf.
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Berüchtigte Fans: Die Ultra-Gruppierung namens „Schickeria“ genießt nicht den besten Ruf.

81 weitere Stadionverbote für die „Schickeria“

München - Fans des FC Bayern haben drei Polizisten auf dem Würzburger Bahnhof verletzt, nun dürfen sie nicht mehr in die Fußball-Arenen.

Für 81 Anhänger des FC Bayern hat die Freude über den souveränen Sieg ihrer Mannschaft gegen die TSG Hoffenheim am Freitag nur kurz gewährt. Am Samstagmorgen erreichte die ersten von ihnen ein Schreiben des Deutschen Fußballbundes (DFB). Darin teilt ihnen der Verband mit, dass sie in der nächsten Zeit kein Spiel mehr live in einer Arena verfolgen dürfen.

Die Stadionverbote gehen zurück auf einen Vorfall am 22. August 2009. Damals hatten Mitglieder des FCB-Fanclubs „Schickeria“ drei Polizisten am Würzburger Bahnhof verletzt. Einer der Beamten erlitt zwei Rippenbrüche, die beiden anderen Prellungen und Schürfwunden. Die Polizisten waren in den Zug geklettert, um die Verwüstung zu begutachten, die die Bayern-Anhänger auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Mainz angerichtet hatten. Im Zug schlug ein Fan einem Beamten ins Gesicht. Als die Polizisten ihn aus dem Wagon zerrten, eilten Freunde herbei, um ihren Kompagnon zu befreien. Die Polizei ließ den Zug bis nach Aschaffenburg weiterfahren, wo sie Einsatzkräfte zusammengezogen hatte. Für rund 130 Bayern-Fans – darunter auch die 81, die nun ein Stadionverbot aufgebrummt bekommen haben – endete die Reise hier, sie wurden fotografiert, ihre Personalien aufgenommen.

Bei der Staatsanwaltschaft Würzburg gibt es heute Verfahren gegen 22 Personen wegen Landfriedensbruchs und zum Teil wegen gefährlicher Körperverletzung. Verurteilt ist niemand, es gibt noch nicht einmal eine Anklage. Damit weist der Fall Parallelen zu dem prominenten Fall eines mittlerweile 19-jährigen Auszubildenden auf, der ein bundesweites Stadionverbot kassiert hatte, obwohl er nachweislich nicht an Ausschreitungen nach dem Spiel des FC Bayern in Duisburg im März 2006 beteiligt war. Der junge Mann hat mittlerweile eine Verfassungsbeschwerde eingereicht (wir berichteten).

Streitpunkt sind die „DFB-Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“. Diese sehen unter anderem vor, dass die formelle Einleitung eines Ermittlungsverfahrens genügt, um Stadionverbote zu begründen. Gerade dies ist bei vielen Fußball-Fans umstritten. Sie befürchten, dass letztlich die Polizei entscheidet, ob der Einzelne Spiele im Stadion verfolgen darf – oder nicht. Der konkrete Nachweis einer Straftat in Form einer Verurteilung wäre nach dieser Lesart nicht mehr ausschlaggebend.

Auch im aktuellen Fall beruhen die Stadionverbote ausschließlich auf polizeilichen Ermittlungen. Bei den Staatsanwaltschaften in Würzburg und in München heißt es, man stehe in dieser Angelegenheit nicht in Kontakt zum DFB. Der Verband entscheidet offenbar nach einer Liste der „Landesinformationsstelle für Sporteinsätze“, die beim hiesigen Polizeipräsidium angesiedelt ist. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn sagt: „Wir gehen nach einem Gespräch in München davon aus, dass alle 81 Betroffenen eindeutig als Mittäter identifiziert sind.“ Es habe, so Spahn weiter, einen engen Austausch mit der Polizei und eine „ganz intensive Einzelfallprüfung“ gegeben.

Trotzdem wundert Thomas Emmes vom Münchner Fanprojekt sich über die „extrem hohe Zahl von Verboten auf einen Schlag“. Es mache ihn darüber hinaus „stutzig, dass es deutlich weniger Strafverfahren gibt als Stadionverbote“. Emmes will nun alle Fans unterstützen, „die kein Strafverfahren bekommen haben“. Es gehe darum, Einspruch gegen die Verbote einzulegen – oder zumindest ein Anhörungsrecht beim DFB geltend zu machen.

Der FC Bayern hält sich mit einer Stellungnahme noch zurück. „Wir waren nicht involviert“, sagt Mediendirektor Markus Hörwick.

Thierry Backes

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