Ein Haus ist besonders problematisch

Weniger Patienten, mehr Beschwerden: So schlecht steht es um Münchens Kliniken

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Die Zahl der Patienten in den städtischen Kliniken sinkt, die Beschwerden nehmen zu, aber auch das Lob. Das geht aus dem Bericht der Patientenfürsprecher hervor. Dabei kommt vor allem ein Klinikum nicht gut weg.

München - Die Kliniken sind seit Jahren ein Sorgenkind der Stadt. Die Häuser sind defizitär, der Stadtrat hatte daher 2015 ein Konzept für die Sanierung der Krankenhäuser auf den Weg gebracht. Einzelne Standorte werden verkleinert, Spezialisten an anderen zusammengezogen. Dieser Plan wird sukzessive umgesetzt.

Patienten auf Betten im Gang? Keine Seltenheit

Doch Mediziner bemängeln, dass es vor allem an Personal fehlt. „Bei uns beschweren sich Bürger und schildern, dass sie bis zu fünf Stunden in der Notaufnahme warten müssen“, sagt Dr. Ingrid Seyfarth-Metzger. „Das geht gar nicht.“ Die Medizinerin arbeitete 40 Jahre bei den städtischen Kliniken. Und dort seien erst Kräfte eingespart worden, und nun würden sie händeringend gesucht. „Der Markt ist aber leergefegt. Vielen ist München zudem zu teuer, sie wollen hier gar nicht arbeiten.“ Mit fatalen Folgen für die Patientenversorgung: „Oft sind Stationen aus diesem Grund nicht besetzt in den Krankenhäusern. Somit muss der Patient dann in der Notaufnahme bleiben. Dass Menschen auf den Gängen im Bett liegen, ist keine Seltenheit“, sagt Seyfarth-Metzger.

Mit Kritik umgehen können die städtischen Kliniken seit 1996 – durch sogenannte Patientenfürsprecher. Sie sind ehrenamtlich tätig und Anlaufstelle für Lob, Kritik und Anregungen der Patienten. Zudem vermitteln sie bei Problemen. Derzeit gibt es elf Fürsprecher, die sich auf die fünf Häuser Bogenhausen, Schwabing, Thalkirchner Straße, Harlaching und Neuperlach verteilen. Zudem hat die Stadt beim Referat für Gesundheit und Umwelt zum 1. Mai erstmals eine Stelle als kommunale Patientenbeauftragte geschaffen.

Auf Wunsch des Stadtrates legen die ehrenamtlichen Fürsprecher alle zwei Jahre einen Bericht über die Anliegen der Patienten vor. Die nun 19. Ausgabe umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2016. Demnach sind im Jahr 2015 insgesamt 140 608 und im Jahr 2016 insgesamt 138 520 Patienten in den städtischen Kliniken behandelt worden. 279 (2015) und 317 (2016) haben sich zum Teil mit mehreren Anliegen an die Patientenfürsprecher gewandt. Von den 589 Meldungen im Jahr 2016 (2015: 435) entfallen 385 (275) auf die Kategorie „Probleme und Beschwerden“, 81 (73) auf „Beratungsleistungen“, 14 (11) auf „Anregungen“ und 109 (76) auf „Lob“.

Großes Sorgenkind: Harlaching

Der Großteil der Beschwerden richtet sich gegen die medizinische oder pflegerische Versorgung, Information und Kommunikation sowie interne Organisation und Aufnahme der Patienten. Laut Fazit der Stadt ist ein Anstieg der Beschwerden bei der Aufnahme „vor allem im Klinikum Harlaching erkennbar“. Dort wurden lange Wartezeiten bemängelt. „Ein Personalmangel in diesem Bereich könnte eine Erklärung dafür sein.“

Weiter heißt es, dass in der Kategorie medizinische und pflegerische Versorgung weniger die fachlichen Kompetenzen angeprangert wurden. Vielmehr ging es um die Erreichbarkeit von Ärzten und Personal im Vordergrund.

Kritisiert wird außerdem fehlende Zeit für Gespräche und Information, die Wartezeiten bei Gesprächsbedarf, Mängel in den Abläufen und Strukturen sowie die Wartezeiten bei der Notaufnahme oder der Aufnahme.

Das empfehlen die Patientenfürsprecher

Die Patientenfürsprecher haben auf Grundlage der Beschwerden zehn Handlungsempfehlungen erarbeitet, die am kommenden Dienstag zusammen mit dem Bericht dem Stadtrat vorgelegt werden sollen. So sei der Umgang mit Patienten zwar meist freundlich, könnte „aber im ärztlichen und auch im pflegerischen Bereich verbessert werden“. Ferner wäre es wünschenswert, wenn für das Gespräch zwischen Arzt oder Pflegekraft und Patient mehr Zeit zur Verfügung stünde. Obendrein sollen ausführliche Entlassungsgespräche verbindlich stattfinden, die Aufklärung vor Untersuchungen und operativen Eingriffen verbessert werden. Darüber hinaus soll die Ablauforganisation, insbesondere bei der Aufnahme, verbessert werden, Patienten mit Demenz sollen sowohl in räumlicher als auch personeller Beziehung besser unterstützt werden.

Die Fürsprecher schlagen außerdem vor, die Stelle der „Fachreferentin für Interkulturelle Versorgung“ nachzubesetzen und kostenloses Wlan an allen Standorten.

Ingrid Seyfarth-Metzger erweitert diesen Katalog. Kliniken müssten verstärkt Wohnungen fürs Personal zur Verfügung stellen. „Nur so wird es attraktiver, in der Stadt zu arbeiten.“ Zudem müsse man über eine weitere Stadtzulage nachdenken. „Die Kräfte müssen mehr Lohn bekommen.“ Schnell lasse sich die Problematik ohnehin nicht mehr lösen. „Aber es muss endlich etwas passieren.“

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