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Tänzchen an der frischen Luft: Jasson Brandes ist ein Gassiheld – was Django das Alleinsein erspart. 

Startup bietet neuen Gassi-Service

Wenn Herrchen nicht kann und das Zamperl mal muss

München - Das Münchner Startup „Gassihelden“ betreut die Lieblinge vielbeschäftigter Hundebesitzer. Mit GPS-Tracker und Updates per Smartphone während des Gassigehens werden Herrchen und Tier rundum versorgt. Wir waren unterwegs mit einem Gassihelden.

Django springt immer wieder auf und ab, stellt sich auf die Hinterpfoten und setzt seinen treusten Hundeblick auf. Jassen Brandes gibt nach, greift tief in seine Manteltasche und fischt ein Leckerli aus einer Tüte. Django hört das Knistern der Tüte und stellt sich wieder auf die Hinterpfoten, um sich das Leckerli aus Brandes warmer Hand abzuholen. Schwupps, schon ist das Leckerli geschnappt und heruntergeschluckt. Gelassen geht Brandes weiter, der kleine Dackel-Bullterrier-Mischling an seiner roten Leine läuft zielstrebig vorneweg, den Gehweg im Englischen Garten entlang. „Er denkt, er sei der Chef“, sagt Brandes.

Der 20-jährige Student ist einer von drei Gassihelden in München. Sie kümmern sich um Hunde, deren Besitzer verhindert sind. „Ich finde den Job total klasse“, sagt er. Neben seinem Bauingenieurstudium arbeitet er noch als Schwimmlehrer für Anfänger, bis vor einiger Zeit hat er Essen ausgeliefert. Gassiheld ist er erst seit kurzem. Denn das Startup gibt es erst offiziell seit zwei Wochen. Noch seien die Aufträge überschaubar, sagt Brandes, denn Werbung habe das Unternehmen bisher nicht gemacht.

Für 19 Euro pro Stunde geht er mit Hunden in den Park, spielt mit ihnen oder bringt ihnen etwas bei, wenn der Kunde das wünscht. Falls etwas passiert, sind die Hunde versichert und können durch einen GPS-Tracker geortet werden. Maximal drei Hunde nehmen die Gassihelden mit zum Spaziergang – und das auch nur, wenn diese sich gut verstehen. Wenn Herrchen und Frauchen es wünschen, bekommen sie während des Spaziergangs Updates und Fotos per Smartphone auf ihr Handy geschickt.

Bei Django lässt Brandes sein Handy in der Tasche. Er holt es nur hervor, um auf die Uhr zu schauen: Halb fünf, es dämmert. „Man sollte Hunde und Tiere allgemein lieben“, erklärt Brandes, während Django sein Geschäft an einem Strauch erledigt. „Und natürlich etwas Erfahrung mitbringen.“ Das seien eigentlich die einzigen Voraussetzungen, um Gassiheld zu werden. Er fischt einen Hundebeutel aus seiner Manteltasche und nimmt Djangos Hinterlassenschaften auf. Auch die Kommunikation mit den Tieren sei wichtig, „es sind ja schließlich Lebewesen, die eine Seele haben“. In seiner Familie habe es immer Hunde gegeben, auch Rottweiler, die als gefährlich gelten, aber „eigentlich total lieb“ seien, erzählt er. Deshalb mag er große Hunde besonders. Djangos Häufchen übergibt Brandes dem nächsten Mülleimer am Wegesrand. Man sieht Django an, dass er gerne über die weite Wiese toben würde. Von der Leine lassen möchte Brandes ihn aber nicht. Dafür kennen die beiden sich noch nicht gut genug, sie waren erst zwei Mal zusammen unterwegs. „Er ist ja auch extrem lebhaft“, sagt Brandes, während Django wieder zu hüpfen beginnt.

Sein Herrchen Ben hat den zweieinhalb Jahre alten Django vor einem halben Jahr aus einem ungarischen Tierheim geholt. Da Ben heute nicht selbst mit dem Hund rausgehen kann, weil er arbeiten muss, hat er Brandes engagiert und ist froh über diese Lösung – damit Django nicht den ganzen Tag in der Stube hockt sondern durchs Laub auf der Wiese hüpfen kann.

Hunde in München: Der treue Begleiter in der Stadt

Die Gassihelden arbeiten vor allem mit Vertrauen. Wenn ein Hundebesitzer mit einem der drei Mitarbeiter nicht zurechtkommt, kann er einen anderen buchen, der sich um sein Tier kümmert, es abholt und wieder zurückbringt. Aber auch die Mitarbeiter können Hunde beim Abholen ablehnen: „Wenn der Hund zum Beispiel zu wüst ist oder komisch drauf und unkontrollierbar“, sagt Brandes.

Das Problem hatte er bisher noch nicht. „Wenn ein Hund aggressiv ist, dann liegt das am Halter“, findet er. Etwa wenn das Tier nicht genug Zuwendung, Auslauf und Erziehung bekomme. Maulkörbe regen ihn auf: „Wenn ich einen Hund mit Maulkorb sehe, weiß ich: Der Besitzer ist ein Idiot.“ Hunde bräuchten einen „Rudelführer“, der sie diszipliniere und ihnen zeige, dass er der Chef sei. Hunde schlagen oder einsperren sei keine Lösung, findet Brandes. „Hier in München sind die Hunde aber extrem diszipliniert.“ Einen Hund zu haben, das sei mittlerweile ein „Lifestyle-Ding“. Jeder, der es sich leisten könne, habe einen Hund. Besonders beliebt seien momentan kleine Hunde wie Django, sagt Brandes. der einfache Grund: Für andere Menschen sei es in der Regel okay, wenn die Kleinen etwas lebhaft sind. Bei großen Hunden gäbe es die Vorstellung, sie seien gefährlich.

Der Student kann stundenlang von Hunden erzählen. Von kleinen und großen, Mischlingen und Reinrassigen. Über dem Englischen Garten geht langsam die Sonne unter. Ein kalter Nebel legt sich über den Boden. Zeit für Jassen Brandes, Django nach Hause zu bringen.

Lesen Sie hier den Gastbeitrag einer Hundetrainerin und Tierpsychologin:“An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen“ 

Sophie Krause

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