Sommerliche Küsse sind in München nur an 46 Tagen im Jahr möglich, hat der Deutsche Wetterdienst in einer Langzeit-Statistik ermittelt.

Der Vergleich zu andren Städten

So oft scheint die Sonne in München

München - Sommerliches Flair und südländische Lebenslust: München sei die nördlichste Stadt Italiens, heißt es. Doch wie ist es wirklich um das Wetter bestellt? Die harten Zahlen halten manche Überraschung bereit – zum Beispiel im Vergleich zum vermeintlich schmuddeligen Hamburg.

Der nationale Vergleich fällt für die bayerische Landeshauptstadt nicht so berauschend aus wie man vielleicht meinen könnte: München belegt bei den Statistiken des Deutschen Wetterdienstes im langjährigen Mittel maximal einen Platz im soliden Mittelfeld – was zum Beispiel die Anzahl der Sommertage (ab 25 Grad Celsius) angeht. Die Sonnenscheindauer ist dafür überproportional hoch, die Münchner Durchschnittstemperatur allerdings nicht.

Dem Müncher wird nachgesagt, dass er gerne grantelt. Über das Wetter zum Beispiel, was natürlich unsinnig ist, weil der Ärger nichts ändert. An dieser Stelle sei Karl Valentin zitiert: „Ich freue mich, wenn es regnet. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Immerhin: Die subjektive Wahrnehmung von Wettergrantlern ist durch objektive Statistiken belegbar. Ein Beispiel: Im vergangenen Jahr gab es in München 185 Niederschlagstage – schottische Verhältnisse, könnte man meinen. Dem standen lediglich 51 Sommertage mit mehr als 25 Grad gegenüber. Das geht aus Zahlen des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt hervor, das sich auf Material des Deutschen Wetterdienstes beruft.

Generell war das vergangene Jahr von großen Wetterextremen geprägt, wobei sich am Ende die Temperatur- und Niederschlagswerte wieder auf durchschnittlichem Niveau einpendelten. Ganz anders als die Sonnenscheindauer: Die war mit insgesamt 1603 Stunden so niedrig wie seit 1987 nicht mehr. Völlig verregnet und trübe waren der Frühling und der Herbst. Dem Hochwasser im Juni 2013 folgte wiederum eine intensive Hitzewelle.

Interessanter als der singuläre Blick auf 2013 ist der langjährige Vergleich mit anderen deutschen Metropolen. Vor allem im Hinblick auf die nie bewiesene These der „nördlichsten Stadt Italiens“. Deutlich wird: Zwischen Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München sind die Unterschiede nicht wirklich gravierend. Das bundesdeutsche Sonnen- und Sommerparadies liegt ganz woanders: Im Badischen! Dies belegen die langjährigen Mittelwerte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von 1981 bis 2010.

Demnach ist Karlsruhe mit durchschnittlich 68 Sommertagen absoluter Spitzenreiter bei den Großstädten, gefolgt von Freiburg mit 60 Tagen. München bringt es auf 46 Tage, Frankfurt auf 52, Berlin auf 42 bis 43 (je nach Mess-Station). Hamburg wiederum fällt hier mit knapp 30 Tagen deutlich ab.

Freiburg ist bei der Jahresdurchschnittstemperatur mit 11,4 Grad Spitze. Die drei größten deutschen Städte unterscheiden sich hier nur unwesentlich: Berlin und Hamburg liegen bei jeweils 9,5 Grad, München bei 9,7 Grad.

Immerhin dürfen sich die Münchner im nationalen Vergleich von der Sonne verwöhnt fühlen. 1777 Sonnenstunden pro Jahr weist die Wetterdienst-Statisik aus. Nur Karlsruhe läuft der bayerischen Landeshauptstadt mit 1805 Stunden hier den Rang ab. Berlin kommt auf etwa 1700 Stunden. Düsseldorf, Köln und Hamburg mit jeweils etwa 1550 Stunden haben schon einen deutlicheren Rückstand. Zum Vergleich: Die norditalienische Metropole Mailand ist mit 1860 Sonnenstunden nicht viel sonnenverwöhnter als München. Als europäischer Rekordhalter gilt die andalusische Hauptstadt Sevilla mit rund 3000 Sonnenstunden.

Die jährliche Niederschlagsmenge ist in München höher als in den anderen deutschen Metropolen. Der Deutsche Wetterdienst weist von 1981 bis 2010 einen jährlichen Mittelwert von 944 Millimetern aus. Berlin kommt auf knapp 600 Millimeter, Frankfurt auf 629, Köln auf etwa 830 – und selbst in Hamburg, wo oft vom Schmuddelwetter gesprochen wird, summiert sich der Regen pro Jahr „nur“ auf etwa 800 Millimeter.

Übrigens: Heuer gab es in München laut Wetterdienst bisher elf sommerliche Tage – genau so viele wie im vergangenen Jahr.

Fazit: Wenn man so will, ist München beim Wetter weder Deutschland noch Italien. Irgendwo mittendrin, oder besser gesagt: München ist halt München. Und wer darüber diskutieren will, dem sei Karl Valentin empfohlen.

Klaus Vick

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