Wieder Pflegemängel in BRK-Heim

München - Erneut sind im Pflegeheim Pasing-Westkreuz des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gravierende Missstände aufgeflogen. Die Heimaufsicht sieht einen Zusammenhang mit den baulichen Voraussetzungen der Einrichtung. Das BRK denkt über eine Verkleinerung des Hauses nach.

Bei der Kontrolle in der vorvergangen Woche seien „in vielen Bereichen des Hauses sehr viele Mängel festgestellt“ worden, bestätigt Rüdiger Erling, Leiter der Heimaufsicht. In der BRK-Einrichtung an der Aubinger Straße müssten „erst einmal die Grundbedürfnisse der Bewohner gewährleistet werden“. Im Klartext heißt das, dass es gavierende Pflegemängel gibt, etwa bei der Körperpflege und bei der Vorbeugung von Druckgeschwüren.

Kurz nach der Kontrolle feuerte die Sozialservicegesellschaft des BRK, Träger des Hauses, die Heimleiterin. „Wir sind zur Entscheidung gekommen, die Einrichtungsleitung wegen versäumter arbeitsrechtlicher Verpflichtungen freizustellen“, bestätigt Bernhard Hentschel, Geschäftsführer der BRK-Tochtergesellschaft. Der 52-Jährige hat der Heimaufsicht zudem selbst vorgeschlagen, einen Aufnahmestopp für das Heim mit 334 Plätzen zu verhängen. Jetzt muss die Pflegeeinrichtung einige Maßnahmen sofort umsetzen. „Wir werden sicher nicht mehrere Monate warten“, kündigt Erling an. Weitere Schritte schließt er nicht aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass Kontrolleure der Heimaufsicht am Westkreuz auf unhaltbare Zustände stoßen. Im September 2007 waren ärztliche Anordungen nicht durchgeführt worden, Menschen hatten zu wenig Nahrung und Flüssigkeit bekommen. Eine Mitarbeiterin hatte Dokumentationen gefälscht und nicht ausgeführte Leistungen als erbracht vermerkt. Seither überwachte und beriet die Heimaufsicht das Haus intensiv.

Nur ein halbes Jahr später, im März 2008, hatte die Aufsichtsbehörde dem Heim mit einer Teilschließung gedroht, weil zu viele Zeitarbeitskräfte eingesetzt waren, die „weder die fachlichen noch die sprachlichen Voraussetzungen“ erfüllten. Eine Verständigung zwischen Bewohnern und Pflegern war wegen mangelnder Deutschkenntnisse oft unmöglich. Zudem kam permanent neues Personal ins Haus.

„Es gibt eine Vielschichtigkeit von Problemen, die sich in den letzten Jahren summiert haben“, gesteht Hentschel ein. Das BRK habe „viel getan“, etwa um den Personalwechsel einzudämmen, attestiert Heimaufsichts-Chef Erling. Inzwischen, sagt Hentschel, habe das Haus sieben Vollzeitstellen mehr als vorgeschrieben.

Wieso bleiben dann die Probleme? „Das Haus hat eine unglückliche bauliche Struktur“, sagt Erling. Lange Flure wie im Krankenhaus zeichnen das 1985 errichtete Gebäude aus. Standard sind Doppelzimmer, daneben gibt es Einzel-, aber auch Dreibettzimmer. Die Lichtverhältnisse sind schlecht. Der Raum und das Wohlbefinden von Bewohnern und Mitarbeitern stünden in direktem Zusammenhang, erklärt Erling. Dass das Haus baulich nicht modernen Anforderungen entspricht, will Hentschel nicht gelten lassen. Gerade sei eine „beschützende Abteilung“ mit gerontopsychiatrischer Betreuung eröffnet worden.

Ein Abriss des Hauses„wäre ein Schritt“, glaubt Heimaufsichtschef Erling. „Aber das ist die Freiheit des Trägers.“ Das BRK denkt mit dem Hauseigentümer über Veränderungen nach. Hentschel: „Wir prüfen betriebswirtschaftlich, ob die Wohnqualität verbessert werden kann, indem wir das Haus verkleinern.“ Die Betriebswirtschaft spielt dabei keine zu kleine Rolle: Im Haus am Westkreuz sind nur noch 251 der 334 Plätze belegt. Fast ein Viertel der Betten steht leer.

Caroline Wörmann

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