Hi-De Hi-De Hi-De Ho...Hi-De Hi-De Hi-De Ho: der Cotton Club.

Dinner-Show „Cotton Club“

Wiedergeburt einer Legende

München - Die Dinner-Show „Cotton Club“ lässt den berühmtesten Jazzclub der 20er-Jahre wiederaufleben - im Ungererbad.

Hi-De Hi-De Hi-De Ho...Hi-De Hi-De Hi-De Ho...was Cab Calloway da singt, versteht kein Mensch - trotzdem ist sein groovendes Lied „Minnie the Moocher“ in die Musikgeschichte eingegangen. Von November an ist der Song im Cotton Club zu hören. Den legendären Nachtclub im New Yorker Viertel Harlem gibt es zwar freilich längst nicht mehr. Aber Impresario Matthias Hoffmann eröffnet einen gleichnamigen Club im Herbst im Ungererbad - und lässt die 20er-Jahre wiederaufleben. Mit allem, was dazu gehört: Step, Swing, afroamerikanische Künstler. Und gutem Essen, das keine Geringeren als National-Elf-Koch Holger Stromberg und TV-Koch Stefan Marquard kreieren.

„Das, was wir machen, ist nicht irgendeine weitere Dinnershow“, verspricht Hoffmann, der auch Witzigmanns Palazzo und die Show „Africa! Africa!“ produziert hatte. „Der Cotton Club ist anders!“

Boxchampion Jack Johnson hatte den Nachtclub 1920 als Club Deluxe eröffnet. 1923 kaufte der Gangster Owney Madden das Etablissement - und nannte es Cotton Club. Während der Prohibition entwickelte sich der Laden schnell zu einem Treff der New Yorker Oberschicht. Schließlich konnte sie hier den verbotenen Alkohol genießen, den Madden schmuggelte. Und vor allem: Das Nachtleben in Harlem, dem Zentrum afroamerikanischer Kultur, war einzigartig. Die berühmtesten Jazzclubs und Swingtempel Manhattans reihten sich hier aneinander.

Im Cotton Club traten unter anderem Luis Armstrong und Ella Fitzgerald auf. Das Club-Orchester wurde von Duke Ellington geleitet - und nach dessen Abgang gen Hollywood von Cab Calloway. Im Grunde war der Cotton Club in den 20er-Jahren das, was die Detroiter Jazzclubs von 1959 bis 1972 waren - Talentschmieden für afroamerikanische Musiker.

Ironischerweise war der Zugang zum Cotton Club Weißen vorbehalten. Aufgabe der afroamerikanischen Künstler war es, für deren Unterhaltung zu sorgen. Gemeinsam an einem Tisch saß man in jenen rassistischen Zeiten nicht. Das Ambiente des Cotton Clubs - des Baumwoll-Clubs also - war den Plantagen der Südstaaten nachempfunden, wo Afrikaner als Sklaven schufteten.

Hoffmanns Cotton Club im Ungererbad versteht sich als „neue Plattform für schwarze Künstler“, wie er sagt. Unter anderem wird der afroamerikanische Sänger Ron Williams auftreten. Als Gastgeber, der durch den Abend führt - und „Minnie the Moocher“ singt. Hoffmann sagt, die Dinner-Show werde alles andere als gediegen sein: „Im Cotton Club der 20er-Jahre ging’s ja auch ganz schön ab.“

Tatsächlich waren in dem Club Schießereien zwischen rivalisierenden Mafia-Clans an der Tagesordnung. Daran wird die Revue unter der Regie von Andreas Wessels anknüpfen. So sollen während der Show Ganoven das Zelt stürmen und schießen - freilich nicht mit scharfer Munition.

Zudem sollen per Holografie Jazzer auf die Bühne geholt werden, die längst tot sind. Das alles findet auf einer Bühne statt, die Hoffmann zufolge größer ist als die Bühnen anderen Dinnershows, wo meist nur Solokünstler auftreten. Die Cotton-Club-Bühne biete Platz für ein ganzes Ensemble von Tänzern und Band samt Bläsern und Percussion.

Zelt und Vorzelt wurden eigens für die Dinnershow gebaut. Hoffmann setzt die Zelte ins Ungererbad, wo im Herbst und Winter keiner badet. Der Produzent hatte nach einer zentrumsnahen Örtlichkeit gesucht, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Die Stadtwerke erklärten sich einverstanden. Es ist das erste Mal, dass sie eine derartige Nutzung des Freibads gestatten.

Für die Show wird der Eingang zum Bad mit einer Fassade verkleidet, die der des echten Cotton Clubs in Harlem nachempfunden ist - samt Oldtimern, die vor dem Eingang parken (siehe Bild). Auch die Kleidung des Servicepersonals ist im 20er-Jahre-Stil gehalten. Es wird eine Raucher-Lounge geben: „Ich kann die Leute im Winter ja nicht vor die Tür schicken“, sagt Hoffmann.

Damit sich der Aufwand lohnt, will Hoffmann die Show nicht nur von November bis Anfang März 2015 zeigen, sondern jedes Jahr wiederholen. „Wir wollen den Club fest installieren.“

von Bettina Stuhlweissenburg

Der Cotton Club

gastiert von 6. November bis 1. März, täglich (außer montags) ab 20 Uhr im Ungererbad in Schwabing. Tickets kosten inklusive Vier-Gänge-Menü zwischen 99 und 259 Euro. Sie können auf www.cottonclub-dinnershow.de bestellt werden.

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