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Wiesn-Wirt Toni Roiderer ist gegen das Rauchverbot.

Wiesnwirte-Sprecher: "Dann rauchen die Raucher halt nicht mehr"

München - Toni Roiderer ist Sprecher der Wiesn-Wirte und Nichtraucher. Trotzdem ist er gegen das totale Rauchverbot. Was Roiderer vom Ausgang des Volksentscheids hält und was er fürs Oktoberfest bedeutet:

Herr Roiderer, 61 Prozent für ein totales Rauchverbot. Haben Sie mit so einem Ergebnis gerechnet?

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Ich habe gehofft, dass die Vernunft siegt und man die Tradition bewahren kann. Ich wäre für Toleranz gewesen: Leben und leben lassen. Aber wenn es die Mehrheit anders sieht und die Raucher nicht zur Wahl gehen, dann rauchen sie halt nicht mehr im Bierzelt.

Glauben Sie, dass die niedrige Wahlbeteiligung Auswirkungen auf die Akzeptanz des Ergebnisses hat?

Nein, das ist Demokratie. Wer nicht hingeht, muss damit leben, was die anderen sagen.

Welche Auswirkungen hat die Entscheidung für das Oktoberfest?

Wir werden heuer mit Piktogrammen und Hinweisen auf der Speisekarte auf das Rauchverbot hinweisen. Das ist unsere Pflicht, das machen wir. Dieses Jahr wird es aber keine Strafverfolgung geben.

Und wie soll das Verbot in den folgenden Jahren umgesetzt werden?

Wenn ich heute in einer normalen Gaststätte bin, geh ich zum Rauchen nach draußen, komme danach wieder rein und alles ist in Ordnung. Wenn man auf der Wiesn abgetrennte Bereiche für die Raucher schaffen will, gibt es ein Problem: Der Service kann nicht wissen, ob der Gast beim Rauchen ist oder das Zelt bereits verlassen hat.

Die Diskussion dauert doch nun schon einige Jahre. Haben die Wirte keine fertigen Pläne in der Schublade?

Wir haben immer noch gehofft, dass die bayerische Tradition für Festzelte erhalten bleibt. Es kann sein, dass es in einigen Zelten heuer schon einen Raucherbalkon geben wird. Aber da muss man zunächst mal schauen, ob das überhaupt erlaubt ist.

Und wie werden Sie es im Hackerzelt machen?

Da bin ich ganz konsequent. Wenn die Mehrheit will, dass nicht geraucht wird, dann wird nicht geraucht.

Das heißt, das Hackerzelt wird zum Nichtraucherzelt?

So wie die anderen vermutlich auch. Ein Areal zu schaffen, wohin die Leute zum Rauchen raus gehen können und dann nach einer Stunde wiederkommen und denken, ihr Platz ist noch frei, das schafft ein Problem. Der sagt dann: Das ist mein Platz, warum sitzt da einer? Und dann geht Ärger los, wenn der zwei, drei Mass hatte. Deswegen wird es zu einem konsequenten Rauchverbot kommen. Vielleicht erlaubt ja die Stadt nächstes Jahr eine Markisen-Überdachung und schon wäre das Raucherproblem gelöst.

Planen die anderen Wirte Raucherbereiche oder auch rauchfreie Zelte?

Das weiß ich nicht. Wir werden in den nächsten Wochen eine Sitzung der Wiesn-Wirte haben. Dann entscheiden wir, wie wir damit umgehen.

Wird das Verbot denn Auswirkungen auf die Stimmung auf der Wiesn haben?

Man kennt das ja von Weihnachts- und Geburtstagsfeiern: Wenn nicht geraucht werden darf, ist immer ein Teil der Leute draußen. Das ist stimmungstötend. Da geht die bayerische Toleranz, die Gemütlichkeit verloren. Jetzt haben wir das Rauchverbot und bald wird jemand kommen und fordern, dass man den Alkohol verbietet.

Glauben Sie im Ernst, dass auf der Wiesn der Alkohol verboten wird?

Man sieht ja, was alles möglich ist. Wenn ich solche Argumente höre: Kinder würden rauchfrei wählen. Das ist eine linke Tour, wenn man mit der Angst oder mit Kindern Werbung macht. Das finde ich nicht gut. Ein Bierzelt ist ein Vergnügungszentrum und kein Rehazentrum.

Interview: Philipp Vetter

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