Windenergie auf dem Land: Die Münchner Stadtwerke wollen zusammen mit den bayerischen Kommunen etwa 200 Anlagen bauen. Foto: dpa

SWM planen 200 Windräder für Bayern

München - Um ihre Klimaziele erreichen zu können, strecken die Münchner Stadtwerke ihre Fühler ins Umland aus: Mit einem neuen Kooperationsmodell will die SWM Dutzende Windräder in bayerischen Kommunen aufstellen.

Bei den Stadtwerken darf nur der Chef Wind machen. Mitte März brach sich Kurt Mühlhäuser beim Skilanglaufen den Oberschenkelhals, eine Pressekonferenz zum Thema Windkraft wurde kurzerhand abgesagt. Gestern kehrte der 68-Jährige - noch etwas wacklig auf einem Bein - zurück an seinen Schreibtisch. Gleich am ersten Arbeitstag lud er erneut die Journalisten zu sich. Ein Fingerzeig, wie ernst die SWM den Wind nimmt. Wind ist Chefsache.

Gemeinsam mit Christian Ude - Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der SWM - verkündete Mühlhäuser seine Pläne. Die SWM will Millionen in die Windkraft pumpen. Sie sei die billigste Technologie im Bereich der erneuerbaren Energien und Bayern habe in ganz Deutschland das größte Ausbau-Potenzial, so Ude.

Das Ziel ist klar formuliert: Ab dem Jahr 2025 will die SWM den gesamten Energiehunger Münchens mit Ökostrom decken, mit Wasser, Sonne, Biomasse, Erdwärme - und eben mit Wind. Doch all die Energie kann nicht allein in München gewonnen werden, heißt es. Bis auf den Müllberg habe man keine Standorte für Windräder. Deswegen gehen die Stadtwerke über die Stadtgrenzen hinaus.

Die Idee: Die Münchner liefern Geld, Fachwissen und Kontakte - und die Bürgermeister der Region liefern die Grundstücke. Der Strom wird vor Ort eingespeist und der Gewinn geteilt. Ihren Anteil der erzeugten Energie kann die SWM in ihrer Öko-Bilanz verrechnen - wie sie es auch mit ihrer Solarthermie-Anlage in Spanien macht. Rund 200 Windräder sollen innerhalb der nächsten acht Jahre gebaut werden - und dann eine Milliarde Kilowattstunden liefern.

Mühlhäuser ahnt, dass seine Pläne so manchem Bürger sauer aufstoßen werden. Um Ärger möglichst zu vermeiden, setzt er auf enge und dauerhafte Kooperation. Er will nicht als arroganter Investor daherkommen, sondern als gleichberechtigter Partner. „Den Hut haben die Kommunen auf“, sagt er. Der Ball liege bei den Bürgermeistern.

Jeder Rathauschef in Bayern, der ein Windrad auf einem Grundstück seiner Kommune bauen will, kann sich von der SWM helfen lassen. Die Gemeinde entscheidet selbst, ob und wie sie ihre Bürger an den Plänen beteiligt. Hat sie eine Parzelle im Blick, prüfen die Stadtwerke den Standort und analysieren den Wind.

Für jedes einzelne Projekt - meist wird es sich wohl um ein bis drei Anlagen drehen - wird dann eine eigene Gesellschaft gegründet. Die Kommunen können sich daran mit bis zu 51 Prozent beteiligen - müssen aber nicht. Je nachdem, wie tief sie einsteigen, werden auch die Investitionskosten und die Gewinne aufgeteilt. Ob sich die Gemeinden das Startkapital von den Banken leihen oder die Bürger beteiligen, ist ihnen überlassen.

Laut Mühlhäuser führe man derzeit Gespräche mit etwa 40 Bürgermeistern, mehrere Standortprüfungen und Windanalysen seien bereits in Arbeit. Um welche Kommunen es sich handelt, will Mühlhäuser nicht verraten. „Die sollen das selbst kommunizieren, wenn sie es für richtig halten.“ Lediglich Berg (Kreis Starnberg) und Peiting (Kreis Weilheim-Schongau) hätten bereits öffentlich erklärt, dass sie mit den Stadtwerken zusammenarbeiten wollen.

Um das Geschäft anzukurbeln, hat sie SWM ein Tochterunternehmen gegründet, die „SWM Bayernwind“. Die Münchner haben sich dazu einen Partner aus Bremen ins Boot geholt, die „wpd AG“. Die Nordlichter gelten als die größten Onshore-Windpark-Betreiber in Deutschland und können beim Einkauf der Windstangerl entsprechend gute Marktpreise erzielen - aktuell lägen die zwischen 3,5 und 5 Millionen Euro.

Ude weiß, dass die weißen Stangerl in der Bevölkerung umstritten sind. „Wir werden nie den Jubel aller Nachbarn ernten“, sagt er. Aber wer die Energiewende will, müsse auch die Windräder ertragen. Ude hofft, dass die enge Zusammenarbeit mit den Kommunen die Akzeptanz fördert. „Schließlich fließen die Gewinne nicht an irgendeinen fernen Großkonzern. Das sehen die Menschen ein.“

Thomas Schmidt

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