Backstage-Chef Hans-Georg Stocker veranstaltet in der Nacht auf Allerheiligen ein bestuhltes Konzert. F.:schlaf

„Wir sind auf das Tanzverbot eingestellt“

München - Trotz der Lockerung des Feiertagsgesetzes wird nur in einem Münchner Club vor Allerheiligen bis 2 Uhr gefeiert.

Vergangene Woche hatten sich CSU und FDP geeinigt, das Tanzverbot in den Nächten auf sogenannte stille Tage zu lockern (wir berichteten). Doch auf die im November anstehenden stillen Tage hat das noch keinen Einfluss: „Bislang liegt uns nur von einem Clubbetreiber ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung vor“, erklärt Kreisverwaltungsreferats-Sprecherin Daniela Schlegel.

Der Landtag hat die Gesetzesänderung zwar noch nicht beschlossen, derzufolge Nachtschwärmer künftig bis zwei Uhr statt bis Mitternacht tanzen dürfen. Aber de facto greift die Regel bereits für Halloween-Partys am 31. Oktober: „Es bestehen keine Einwände, wenn die zuständigen Behörden ab sofort beim Vollzug des Gesetzes einschließlich der etwaigen Erteilung von Befreiungen die zu erwartenden Gesetzesänderungen im Blick haben“, sagt Oliver Platzer, Sprecher des Innenministeriums.

Für die Clubbetreiber kommt das zu kurzfristig: „Wir bleiben an Halloween zu. Die Zeit ist zu kurz, um eine Veranstaltung zu bewerben“, sagt etwa David Süß, Chef des Clubs „Harry Klein“ und des Verbands der Münchner Kulturveranstalter. Ob er seinen Club in der Nacht auf den Volkstrauertag oder Totensonntag öffnet, ist noch unklar: „Wir sind gerade erst dabei, die neue Regelung zu verstehen.“

Ihm geht die Lockerung des Tanzverbots nicht weit genug: „Die Menschen, die nachts unterwegs sind, haben überhaupt kein Bewusstsein, dass es sich um einen Feiertag handelt. Wenn wir denen erklären, warum sie nicht tanzen dürfen, verdrehen sie genervt die Augen.“ Gerade die Nächte auf Feiertage seien beliebt: „Die Leute wollen dann Party machen, wenn sie am nächsten Tag nicht arbeiten müssen.“ Süß plädiert dafür, das Tanzen so lange zu erlauben, bis die S-Bahnen wieder fahren: „Der Münchner Einzusgbereich ist groß. Wie sollen die Leute um 2 Uhr nachts heimkommen?“

Backstage-Chef Hans-Georg-Stocker will die Ausnahmegenehmigung für die anstehenden stillen Tage zwar beantragen, „aber konzeptionell haben wir uns schon auf das Tanzverbot eingestellt“, sagt der Clubbetreiber, der in der Nacht auf Donnerstag ab 24 Uhr ein Konzert mit Bestuhlung veranstaltet. Auch ihn überzeugt die geplante Lockerung nicht: „Wenn die Kirchen die stillen Tage ins Bewusstsein bringen wollen, wäre es schlauer, sich an den Partys der Clubbetreiber in irgendeiner Form zu beteiligen. Wo liegt denn der Unterschied, ob bis zwei Uhr oder bis fünf Uhr getanzt werden darf?“

Tom Hilner, Chef des Clubs Pacha, sagt: „Die Lockerung bedeutet einen ersten Schritt, aber eine weitere Liberalisierung wäre wünschenswert. Wer um fünf Uhr früh aus dem Club nachhause geht, trifft noch nicht auf Kirchgänger, die sich dadurch gestört fühlen könnten.“

Bettina Stuhlweissenburg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare