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Josef Schmid sieht die Stadt auf gutem Weg.

"Wir sind praktisch ausverkauft"

Josef Schmids Randnotizen zum Wirtschaftsbericht 2015

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München - Die Stadt boomt und baut ihre Spitzenposition in Deutschland weiter aus. Das Wachstum bringt aber auch ungeliebte Nebenwirkungen mit sich. Das zeigt der Jahreswirtschaftsbericht für 2015, den Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Freitag vorgestellt hat.

Ende Oktober 2015 hatte Kämmerer Ernst Wolowicz die wirtschaftliche Situation der Stadt noch in düsteren Farben gemalt und zum Sparen gemahnt. Sogar neue Schulden standen im Raum. Acht Monate später scheint das vergessen. Gut gelaunt verkündete Josef Schmid, Zweiter Bürgermeister und Wirtschaftsreferent: „München setzt seinen Wachstumskurs stetig fort.“

Städtische Finanzen

Die Gewerbesteuer-Einnahmen erreichten 2015 mit 2,45 Milliarden Euro einen Rekordwert. Trotz der Unwägbarkeiten des Brexit hofft Schmid, dass dieser Wert auch 2016 erreicht oder übertroffen wird.

Der städtische Haushalt wuchs um 5,8 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Die Schulden schrumpften um 90 Millionen auf 815 Millionen Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt mit 538 Euro auf dem niedrigsten Stand seit 1981. Das Mehrjahresinvestitionsprogramm 2015 bis 2019 ist fünf Milliarden Euro schwer. Größte Posten sind Schulen und Kitas (1,4 Mrd.), Wohnungsbau (1 Mrd.) sowie Straßen- und Brückenbau (500 Mio.). Die Kaufkraft in München stieg 2015 um 3,7 Prozent auf 30 786 Euro je Einwohner. „Das ist die mit Abstand höchste Kaufkraft im bundesweiten Vergleich“, so Schmid. „München hat seinen Vorsprung ausgebaut.“

Arbeitsmarkt

Mit 20 697 zusätzlichen sozialversicherungspflichtigen Jobs (plus 2,7 Prozent) hat die Beschäftigung einen neuen Höchststand erreicht. Die meisten Stellen (plus 3 Prozent) entstanden im Dienstleistungssektor. Die Arbeitslosenquote sank auf 4,6 Prozent. Als erfreulich bezeichnete es Schmid, dass Frauen wieder vermehrt in die Erwerbstätigkeit fänden. Mit Blick auf die Bedürfnisse der Wirtschaft sagte Schmid: „Wir brauchen dringend, dringend, dringend die Zuwanderung von qualifizierten Kräften.“

Wirtschaftsstruktur

„Fast alle für die deutsche Volkswirtschaft bedeutenden und als besonders zukunftsfähig betrachteten Wirtschaftszweige bilden in München Branchenschwerpunkte“, sagte Schmid. Viele dieser Branchen konzentrierten sogar ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in München. „Das ist unsere Stärke, das haben andere nicht.“ Mit sieben Dax-Unternehmen belege München zudem „einen Spitzenplatz in der Börsenliga“.

Verkehr

Der Ausbau des Nahverkehrs ist laut Schmid unerlässlich, wenn München seine Spitzenposition halten will. Hier müsse man zunehmend mit dem Umland kooperieren. „Dazu gibt es erste Anregungen“, berichtete Schmid. Germering habe Interesse an einem U-Bahn-Anschluss angemeldet. Schmid sieht sich darin in seiner Forderung bestätigt, die Verlängerung der U 5 nach Pasing so zu gestalten, dass eine Weiterführung nach Freiham und in einem nächsten Schritt nach Germering möglich sei.

Die Schattenseiten

Der Erfolg hat seinen Preis. Die Münchner zahlen ihn insbesondere mit Deutschlands höchsten Wohnungsmieten. Sie stiegen 2015 weiter an: Das Jahresmittel bei Erstbezug mit gutem Wohnwert bezifferte Schmid auf 16,6 Euro pro Quadratmeter.

Das Wachstum lässt Flächen knapp werden: Zwar sei forcierter Wohnungsbau wichtig, so der Bürgermeister. Doch man dürfe Handwerk und Industrie nicht aus den Augen verlieren. „Wir haben knapp 300 Unternehmen auf der Warteliste, die erschwingliche Gewerbeflächen brauchen“, berichtete der Wirtschaftsreferent . „Aber wir sind praktisch ausverkauft.“ Bis 2030 rechnet Schmid mit einem zusätzlichen Bedarf von 48 bis 166 Hektar Gewerbe- und 200 000 Quadratmeter Büroflächen. Man müsse landwirtschaftlich genutzte Flächen, die es durchaus noch gebe, umwidmen und enger mit dem Umland zusammenarbeiten, so Schmid. „Mir ist lieber, ein Betrieb siedelt sich im Umland an als ganz woanders“.

Brexit

Den EU-Ausstieg der Briten bezeichnete Schmid als „sehr bedauerlich“ und „kurzsichtig“. Er hoffe, dass dieser „Schritt zurück“ keinen Domino-Effekt auslöse. München werde wirtschaftspolitisch „zunächst einmal wenig spüren“, glaubt der Bürgermeister, weil die Wirtschaft breit aufgestellt sei. Wie sehr beispielsweise BMW als stark in Großbritannien engagierter Konzern betroffen sei, müsse das Unternehmen selbst sagen. „Da will ich nicht orakeln.“

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