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Simon Donatz in seinem Wirtshaus "Trumpf oder Kritisch".

Neues Wirtshaus in Altschwabing

Trumpf oder Kritisch

München - Simon Donatz will an der Feilitzschstraße in Schwabing zeigen, dass das klassische Wirtshaus kein Auslaufmodell ist. Mit vier Mitstreitern hat er das "Trumpf oder Kritisch" eröffnet. Kartenspielen ist ausdrücklich erwünscht.

Was sich mancher Münchner nach einem enttäuschenden Wirtshausbesuch auf dem Heimweg denkt, hat Simon Donatz in die Tat umgesetzt: Er hat ein Gasthaus eröffnet, in dem man es anders macht. Was den 31-Jährigen gestört hat? So Einiges. Gesellige Runden, in denen es mitunter auch mal lauter wird, seien oft unerwünscht, sagt er. Das Wirtshaus sei nicht mehr der Ort, um auch mal einen fremden Tischnachbarn kennen zu lernen, sondern eher eine Ansammlung geschlossener Gesellschaften. Das Bier werde vielerorts nicht mehr mit der nötigen Hingabe ausgeschenkt. Und schließlich: Kartenspielen sei fast nirgendwo mehr gern gesehen.

Um zu zeigen, dass „Wirtshaus“ – richtig verstanden – kein Auslaufmodell ist, sondern es in München bei Alt und Jung eine Sehnsucht nach Zusammensein in entspannter Atmosphäre gibt, hat Donatz mit vier Mitstreitern an der Feilitzschstraße in Schwabing das „Trumpf oder Kritisch“ eröffnet. Valentina Schunk, David Süß, Michael Dietzel und Michael Faltenbacher heißen seine Partner.

Die ersten Wochen geben dem Team recht: Die Kundschaft ist gutdurchmischt, die Tische sind gut gefüllt. Das jüngere Publikum wird durch die große Fensterfront angelockt. Sie gewährt Blick auf die Deckengestaltung aus nackten Glühbirnen, Geweihen und Kupferrohren; die warmen, klassischen Eichenholzmöbel lassen aber auch ältere Semester einkehren. Die Atmosphäre ist generationenübergreifend. Verantwortlich für die Inneneinrichtung ist Michael Faltenbacher.

Die Speisenkarte ist knapp und klassisch: Schweinsbraten für 12,50 Euro, Obazda mit Brezn für 9 Euro. Bei den Cocktails gibt es Ausgefallenes – Hollerkücherl mit Malzschnaps, Orangen- und Zitronensaft sowie Hollersirup für 9 Euro. Im Mittelpunkt steht aber das Bier, besonders das Augustiner aus dem Holzfass.

„Höchst erwünscht“ ist es laut Wirt Donatz, sich am Tresen neben ein paar Halben ein Kartendeck zu holen. Der Name „Trumpf oder Kritisch“, der auf eine Ansage aus dem Kartenspiel Watten zurückgeht, soll Programm werden. Überhaupt wünscht Donatz sich Geselligkeit. Deshalb gibt es lange Bänke anstelle von Stühlen. Im Wirtshaus soll wieder zusammengerückt werden, neue Bekanntschaften sollen entstehen. Einsamkeit ist ebenso wenig vorgesehen wie traute Zweisamkeit: „Fürs erste Date würde ich eher woanders hingehen“, sagt Donatz.

Dass er so konkrete Vorstellungen davon hat, wie ein Wirtshaus aussehen muss, kommt nicht von ungefähr. Groß geworden ist der Sohn von Schauspieler Josef Bierbichler im Gasthaus „Zum Fischmeister“ in Ambach. Gastronomie hat er im Stammbaum und früh kennen und schätzen gelernt.

Die Frage nach der richtigen Mischung aus bayerischer Tradition und Offenheit für Neues hat im Theater Christian Stückl beantwortet, in der Musik Kofelgschroa. Wer für das Kulturgut „Wirtshaus“ noch nach der Antwort sucht, findet sie vielleicht im „Trumpf oder Kritisch“, wo Simon Donatz jeden Abend die Holzfässer auf die Bar wuchtet. Nicht in Lederhosen, nicht gefolgt von einem lauten „Ozapft is“, sondern in Jeans mit einem kurzen Glockenläuten nach Anstich. Christoph Fuchs

Trumpf oder Kritisch an der Feilitzschstraße 14, Telefon 089/ 380 88 240. Geöffnet ist täglich von 17-1 Uhr, niemand muss aber Angst haben, sein Bier nicht in Ruhe austrinken zu können.

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