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Seit 2014 ist die Streitintensität in Münche um 2,3 Fälle gestiegen.

Großer Atlas

Wo Münchens Streithansln wohnen

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Der Münchner gilt als Grantler – und wenn sich zwei Grantler streiten, dann knallt’s! Lesen Sie, wie lange, wie oft und um welche Summen die Münchner streiten.

Der Münchner gilt als Grantler – und wenn sich zwei Grantler streiten, dann knallt’s! Knapp mehr als jeder vierte Münchner war vergangenes Jahr in einen Streitfall verwickelt: Mit durchschnittlich 27,7 Streitfällen je 100 Einwohnern liegt die Landeshauptstadt deutlich über dem bayerischen Mittelwert (21,3) – und auch über dem deutschen Durchschnitt (25,1)! Das belegt der große Streitatlas der Advocard-Versicherung der Generali Deutschland.

Um herauszufinden, wo der Zwist wohnt, hat der Rechtsschutzversicherer bundesweit mehr als 1,7 Millionen private Streitfälle untersucht. Das Ergebnis: Seit 2014 ist die Streit­intensität in der bayerischen Landeshauptstadt um 2,3 Fälle gestiegen. Aber: Im Vergleich zu ­anderen Großstädten wie Leipzig (33,2 Streitfälle) oder Köln (32,1) sind die Münchner geradezu friedlich.

In welchen Stadtbezirken der Geduldsfaden besonders dünn ist, das sehen Sie auf unserer großen Karte. Auffällig: Sowohl das wohlhabende Bogenhausen als auch das ärmere Feldmoching-Hasenbergl leuchten rot. Die Streitlust geht also durch alle Schichten. Harmonischer verhält sich der Süden: ­

In Obergiesing-Fasanengarten kommen auf 100 Einwohner nur 24,2 Streitfälle. Ebenso ruhig geht’s in der Altstadt, im Lehel und in Sendling zu.

Lesen Sie hier, wie lange, wie oft und um welche Summen die Münchner streiten.

Wer streitet?

Je weiter im Norden, desto kürzer der Geduldsfaden. In Feldmoching-Hasenbergl fliegen mit 33,3 Streitfällen je 100 Einwohner am häufigsten die Fetzen. Die größten Grantler sind zwischen 46 und 55 Jahre alt. Übrigens: In München sind die Frauen streitlustiger als im Rest der Republik.

Wie wird gestritten?

Mehr als jeder fünfte Streit ist in München innerhalb von drei Monaten beendet. Rund ein Drittel der Streitigkeiten dauert ein bis zwei Jahre, knapp jeder zehnte sogar noch länger. Damit einigen sich die Münchner aber immer noch etwas früher als der Bundesdurchschnitt.

Worüber wird gestritten?

In erster Linie streiten die Münchner über Privates, wie das Erbe, Scheidungen oder Mängel bei der Urlaubsreise. Jeder sechste Streit entlädt sich am Arbeitsplatz. Jeder achte Zoff hat einen Streitwert zwischen zehn- und hunderttausend Euro (12,7 Prozent aller Streitfälle)

Zoff zwischen Nachbarn

Jahrelang wohnt man als Nachbarn neben­einander — ohne sich den anderen ausgesucht zu haben. Da ist Streit oft programmiert. So wie bei diesem Fall in Trudering: Cecilia C. und ihr Mann Carl-Heinz haben die Nachbarsfamilie verklagt. Deren vier Kinder spielen Schlagzeug, Saxofon und Tenorhorn. Und das viel zu laut und auch zu Ruhezeiten, sagten die Kläger. Vor Gericht wollten sie erwirken, dass die Nachbarn ihr Haus besser isolieren, damit weniger Lärm nach außen dringt. Diesen hat das Paar regelmäßig gemessen. „Das Maximale waren mehr als 70 Dezibel“, sagte ­Cecilia C. Genutzt hat’s nichts: Kinder dürfen auch mal Grenzen überschreiten, urteilte der Richter.

Streit um die grüne Wand

Als die kleinen Stadthäuschen im Schwabinger Norden Mitte der 70er-Jahre einem mehrgeschossigen Wohnhaus weichen mussten, handelte die Familie Stühler mit dem Bauträger einen Deal aus: Vera Stühler durfte die kahle Ostwand des Nachbarhauses mit Efeu bepflanzen. Inzwischen ist aus der weißen Mauer eine grüne Oase geworden. Doch genau die will die Eigentümergemeinschaft des Nachbarhauses nun zerstören, um ein modernes Wärmedämmsystem zur Isolation anzubringen. Seit vergangenem Jahr beschäftigt sich das Münchner Landgericht mit dem Verbleib der grünen Wand.

S. Brenner, R. Weise

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