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Die Kräne täuschen: In München werden zu wenige neue Wohnungen gebaut. Die Bevölkerung wächst schneller.

Wohnen in München teuer wie nie

München - Die Mieten in Bayern haben neue Rekordwerte erreicht. Laut einer Studie des Maklerverbandes IVD müssen vor allem die Münchner so tief in die Tasche greifen wie nie zuvor. Der Mieterverein verlangt eine Deckelung und Neubauten.

So teuer war das Wohnen in Bayern noch nie. Egal ob neue oder alte Wohnung, Reihen- oder Doppelhaus - fast überall verzeichnet die Miet-Studie des Maklerverbandes IVD neue Höchstwerte. Besonders in den Ballungsräumen, wie München und Rosenheim, werden Mietwohnungen für einige Einkommensschichten immer unerschwinglicher. So muss man in München in einigen Stadtteilen wie zum Beispiel dem Bezirk Altstadt-Lehel im Schnitt 14 Euro pro Quadratmeter bezahlen (siehe Grafik). Zwar gibt es auch noch Viertel, die, wie das Hasenbergl und Neuperlach, deutlich günstiger sind. Doch im Vergleich mit anderen Städten sind auch die dortigen Durchschnittsmieten von 9,30 und 9,50 Euro pro Quadratmeter extrem hoch. Aufwärts geht es nach Meinung der IVD-Experten auch weiterhin im Stadtteil Schwanthalerhöhe. Das Viertel, das in den vergangenen Jahren immer angesagter wurde, verzeichnete auch schon in der jüngeren Vergangenheit stark steigende Durchschnittsmieten. Derzeit liegt der Stadtteil mit 11,30 Euro im Mittelfeld.

Inzwischen stellen die Münchner Mieten sogar die bisherige Rekordphase kurz vor dem Platzen der Medienblase im Jahr 2002 in den Schatten. Damals waren schon einmal im Schnitt 13,50 Euro pro Quadratmeter in einer Neubauwohnung fällig gewesen. Doch einen Durchschnitt von 13,80 Euro, wie im Frühjahr 2011, gab es in der IVD-Studie bisher noch nie.

Doch auch im übrigen Bayern steigen die Preise. Laut IVD verteuerten sich insbesondere bestehende Doppelhaushälften um durchschnittlich 6,3 Prozent gegenüber dem Herbst des vergangenen Jahres. Bei Wohnungen und Reihenhäusern fallen die Steigerungen zwar nicht ganz so drastisch aus, aufwärts geht es aber in jedem Bereich.

Gründe für die steigenden Preise sind laut Stephan Kippes vom IVD die gute wirtschaftliche Entwicklung der Region und das Bevölkerungswachstum. Laut statistischem Landesamt wird die Zahl der Bewohner Münchens zwischen 2009 und 2029 um 10,7 Prozent wachsen. Die Entwicklung ist in Bayern aber keineswegs einheitlich. Im fränkischen Hof werden der Statistik zufolge in knapp zwanzig Jahren rund 18 Prozent weniger Einwohner leben. Doch die künftigen Neu-Münchner brauchen Wohnungen und davon werden zu wenige gebaut. Die Folge: Das Angebot wird knapp, die Preise steigen. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen, solange es gesamtwirtschaftlich aufwärts gehe, sagte Kippes.

Das sieht auch Beatrix Zurek, Vorsitzende des Mietervereins München, so. Sie fordert Gegenmaßnahmen von der Politik: Neben einem verstärkten Neubau von Mietwohnungen müsse auch der Mietpreis in sogenannten Gebieten mit gefährdeter Wohnraumversorgung gedeckelt werden. München gilt als solches Gebiet. Geht es nach Zurek, dürften Wohnungen dann nur noch maximal zehn Prozent teurer sein, als es der Mietspiegel für dieses Gebiet vorsieht. „Sonst steigen die Mieten ins Unendliche“, warnt Zurek. „Der Markt nimmt keine Rücksicht auf Menschen mit wenig Geld.“ Allerdings könne eine solche Regelung nur auf Bundesebene vom Gesetzgeber erlassen werden. Auch Unternehmen sieht Zurek in der Pflicht. Sie müssten sich notfalls am Bau von neuen Wohnungen beteiligen, um ihren Mitarbeitern bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können.

Philipp Vetter

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