Was wurde aus Meister Eders Werkstatt?

München - Was wäre Meister Eders Schreinerei heute für ein Mekka für Pumuckl-Fans! Kinder und Erwachsene würden ins Lehel pilgern und sich neugierig die Nasen an dem breiten Erdgeschoss-Fenster platt drücken.

Allein die Kellertreppe, die Hausmeister Stürzlinger so oft singend sauber gemacht hat, könnte Erinnerungen an die Streiche des rothaarigen Klabauters wecken. Doch nicht einmal von diesem Abgang ist etwas übrig. Er wurde zusammen mit der Film-Werkstatt im Hinterhof der Widenmayerstraße 2 platt gemacht.

Das gelbe Haus, in dem der Titelheld an Franz Eders Leimtopf kleben bleibt, ist schon vor Beginn der Dreharbeiten baufällig. Es war 1899 als Kutscher- und Hausmeisterunterkunft für das herrschaftliche Vorderhaus gebaut und später sogar eine Zeitlang als Schreinerei genutzt worden. Für Regisseur Ulrich König der ideale Schauplatz. Ein Film-Team richtet in dem leer stehenden Gebäude eine Werkstatt samt Junggesellenwohnung im ersten Stock ein. Hier beginnen 1979 die Aufnahmen für Kinofilm und Kultserie. Im Lehel zwischen Isar und Sternstraße heckt Pumuckl unzählige Streiche aus: Hier erlebt er seinen ersten Schnee, baut sich ein Schlagzeug aus Blechbüchsen, schreibt geheimnisvolle Briefe, übt sich als Mäuse-Dompteur, lässt Pudding anbrennen, ärgert Frau Eichinger und spioniert dem Bernbacher Schorsch nach. In 52 Folgen erobern der kleine Wicht und Meister Eder alias Gustl Bayrhammer die Herzen der Zuschauer.

Aber schon für die zweite Staffel ist es um die Hinterhof-Schreinerei schlecht bestellt. Der Abriss steht bevor. Doch Pumuckl bekommt einen gewichtigen Fürsprecher: Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß höchstpersönlich setzt sich in den 80er Jahren dafür ein, dass das Gebäude zumindest solange bleibt, bis die zweite Staffel im Kasten ist. Notdürftig wird das Hinterhaus renoviert. Nach den letzten Aufnahmen zu Pumuckls Spiel mit dem Feuer, das die ganze Küche in Brand setzt, rücken im April 1985 die Baumaschinen an. Sie graben eine tiefe Wunde in der Seele der Fans. Das putzige Häuschen mit rundem Giebel und schmucker Hausfassade muss dem wuchtigen Neubau der Versicherungskammer Bayern weichen - einem faden Büroklotz, sechs Stockwerke hoch, drei Stockwerke tief, ohne öffentlichen Zugang zum Innenhof. Ein paar Schritte neben dem Haupteingang, am massiven Holzportal der Widenmayerstraße Hausnummer 2, können sich Pumuckls Freunde mit etwas Phantasie von der Magie dieses geschichtsträchtigen Ortes verzaubern lassen - Klabauterehrenwort!

Corinna Erhard

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